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Das vorprogrammierte Bahn-Chaos

Das vorprogrammierte Bahn-Chaos
Der Mainzer Hauptbahnhof liegt dieser Tage immer wieder lahm. foto: Rudolf Stricker

12.08.13 - Das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof weitet sich aus. Bereits seit dem vorletzten Wochenende fallen im Fernverkehr immer mehr Züge aus. Ab heute, 12. August, fahren zu den Hauptverkehrszeiten auch viele Züge im Regionalverkehr nicht mehr. Nach Angaben der Bahn voraussichtlich bis mindestens Ende August. Dagegen geht die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft davon aus, dass es auch in Köln, Berlin, Hamburg und anderen Ballungsgebieten wegen Personalmangel in den Stellwerken zu gravierenden Störungen kommen kann.

Tatsächlich sind nach Angaben der Gewerkschaften die rund 3.000 Stellwerke der Bahn seit Jahren unterbesetzt. Die rund 12.500 Fahrdienstleister haben inzwischen über 1 Million Überstunden angehäuft. Mindestens 1.000 zusätzliche Fahrdienstleister fehlen akut.

Am Donnerstag vergangener Woche kam es zu einem Beinahe-Zusammenstoß zweier S-Bahnen am Mainzer Hauptbahnhof. Ermittelt wird von der Bundespolizei unter anderem wegen eines „Organisationsverschuldens“, d.h. konkret wegen einer eventuellen Unterbesetzung des Mainzer Stellwerks.

Die Bahn weist natürlich jeden Zusammenhang zwischen den Beinahe-Crash und dem aktuellen Personalmangel im Stellwerk zurück. Vielmehr macht der Bahnvorstand in Berlin nach einer Meldung des „Wiesbadener Kurier“ die Fahrdienstleiter für das Chaos in Mainz verantwortlich. Es handele sich um ein „verdeckten Streik“ der Eisenbahnergewerkschaft EVG. Mit möglichst vielen Krankmeldungen solle der Druck auf die Bahn-Führung erhöht werden. Das zielt darauf ab, die Bahnreisenden gegen die Kolleginnen und Kollegen aufzubringen.

Dabei ist die unerträgliche Situation von der Führung der DB selbst verschuldet. Für den 24 Stunden-Dienst auf den Mainzer Stellwerk sind üblicherweise 15 Fahrdienstleister vorgesehen. Aktuell sind davon fünf erkrankt und drei im Urlaub. Bereits in der Vergangenheit mussten sie bereits mehrfach den Urlaub verschieben oder wurden zurückgeholt. Die hohe Arbeitsbelastung führt zu gesundheitlichen Problemen und geht mit einem hohen Krankenstand einher. Nun fordert FDP-Generalsekretär Patrick Döring, zugleich Mitglied des Bahn-Aufsichtsrates, erneut, die Urlauber unverzüglich zurück zu holen. „Die Bahn lebt auch vom Teamgeist der Eisenbahner“, so seine unverschämte Begründung. Es fehlt nur noch die Forderung nach mehr Überstunden, Urlaubskürzungen, Streichung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall etc.

Rund 1 Milliarde Euro Gewinn machte die Bahn im ersten Halbjahr 2013. Dazu hat der massive Personalabbau der letzten Jahre beigetragen, der zugleich das Bahnchaos wesentlich mit vorprogrammiert hat. Damit muss Schluss sein. Die MLPD fordert: 30 Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Eine Ausbildungsquote für Azubis von zehn Prozent und die Übernahme nach der Ausbildung. Ein vollständiges und allseitig gesetzliches Streikrecht.

Es ist ein Skandal, wenn es in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland nicht möglich ist, einen vernünftigen Zugverkehr aufrecht zu erhalten. Die MLPD tritt für eine grundlegende Alternative im echten Sozialismus ein.