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Wenn Synchronschwimmer sich duellieren sollen - die TV-Kanzler-Farce

Wenn Synchronschwimmer sich duellieren sollen - die TV-Kanzler-Farce
So sieht die Satire-Seite Qpress die Sache

02.09.13 – Über 17 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten gestern das auf fünf TV-Sendern laufende »Duell« zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD). Mit einem riesigen Medien-Rummel war es als "ultimativer Showdown" tagelang beworben worden. Wer auf einen offensiven Schlagabtausch, Argumente oder wenigstens sachgerechte Information gehofft hat, wurde enttäuscht.

Merkel versuchte staatsmännisch die letzten Jahre als "vier guten Jahre" zu verkaufen. Sie wiederholte die These von der "besten Regierung seit der Wiedervereinigung". Offen blieb warum aus diesem Top-Team dann bereits sechs Minister und zwei Bundespräsidenten ihren Hut nehmen mussten. 20 Prozent der deutschen Bevölkerung sind heute von Armut bedroht. Man kann nur fürchten, was in den nächsten vier Jahren droht.

Steinbrück malte das Bild einer Merkel-Regierung, die ohne Führung im Kreis fährt. Ganz als ob es in den letzten Jahren keine – wenn auch abgedämpfte - Abwälzung der Krisenlasten auf die Massen gegeben hätte. Warum müssen dann knapp 1 Million Rentner arbeiten gehen? Wohin er das Land führen will, machte er mit seiner Lobeshymne auf die Agenda 2010 und - ausdrücklich auch gegen Stimmen aus seiner Partei - auf die Rente mit 67 deutlich. Er versuchte die sozialpolitische Karte zu spielen. Mit seinem 8,50 Euro Mindestlohn, mit dem man knapp an Hartz-IV-Niveau kommt, ist das gründlich misslungen.

Tabuthemen wie die Weltwirtschafts- und Finanzkrise wurden bestenfalls in der Vergangenheitsform behandelt. Kritische Nachfragen, warum dann die Industrieproduktion in Deutschland seit Mitte 2011 in der Tendenz rückläufig ist, wurden erst gar nicht gestellt. Wer statt Märchen aus 1001 Nacht lieber Klartext zur Weltwirtschafts- und Finanzkrise lesen will, dem sei die kommende "Rote Fahne" mit dem Titel "Wahlkampf-Tabuthema Wirtschaftskrise" empfohlen (bestellen).

Beide sprachen sich gegen eine Beteiligung der Bundeswehr an einem NATO- bzw. US-Alleingang gegen Syrien aus. Das ist in erster Linie dem Protest und Friedenswillen der Massen weltweit geschuldet, die inzwischen sogar die USA, Großbritannien und die NATO in die Defensive gebracht haben. Beide bemühten die Lebenslüge der friedlichen deutschen Außenpolitik, während sie im gleichen Atemzug betonten, unter UN-Flagge zu Kriegseinsätzen bereit zu sein.

Mühsam versuchten beide den Eindruck zu erwecken, keine große Koalition anzustreben. Dabei wird Deutschland seit Anfang des Jahrtausends von einer faktischen großen Koalition regiert. Sie hat wesentliche Vorhaben wie Bankenrettung, Agenda 2010 usw. gemeinsam beschlossen.

Vor allem zielte das Duell auf die Mobilisierung der kleinbürgerlich-parlamentarischen Denkweise. Der Eindruck eines Kopf-an-Kopf-Rennen, auf das man als Wähler Einfluss nehmen müsse, soll die wachsende Wahlenthaltung überwinden. Der manipulative Charakter des Umfrage(un)wesen in Deutschland wurde daran deutlich, dass zwei angeblich repräsentative Umfragen von ARD bzw. ZDF zum jeweils gegenteiligen Ergebnis kamen.

Allenfalls zwischen den Zeilen konnten Rückschlüsse gezogen werden. So wenn die Kanzlerin einräumte, dass der US-Geheimdienst auf deutschem Boden keine deutschen Gesetze bricht. Muss er auch gar nicht, wenn zwei Drittel des Internet-Verkehrs - also auch des innerdeutschen Verkehrs - über ausländische Knotenpunkte laufen. Oder wenn Peer Steinbrück eine Kürzung der Pensionen im öffentlichen Dienst als eine Frage von Gerechtigkeit gegenüber den Rentenbezügen verkaufen will.

Wer wirklich eine herzerfrischende Polemik, Angriffslust und echte Alternativen zur herrschenden Alternativlosigkeit erleben will, dem sind die Kundgebungen und Straßenumzüge der MLPD empfohlen. Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen.