Opel Berichte

"BASTA!"-Frauen zeigen Flagge auf der Internationalen Automobilaustellung

"BASTA!"-Frauen zeigen Flagge auf der Internationalen Automobilaustellung

19.09.13 - Punkt "5 vor 12" entfaltete heute eine Gruppe von neun Frauen des "BASTA!"-Frauenkomitees der Bochumer Opelaner direkt vor dem Stand von Opel auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main auf Kommando ein Transparent und zogen ihre Jacken aus. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des ""BASTA!"-Frauenkomitees hervor, auf die sich dieser Bericht stützt.

Zum Vorschein kamen ihre T-Shirts mit der Aufschrift: "Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Opel Bochum!" Auf dem Transparent war zu lesen: "Keine Werksschließung bei Opel in Bochum und anderswo! Kampf um jeden Arbeitsplatz! Opelaner-Frauen und -Familien 'BASTA!'"

Dabei hatten sie Metalltöpfe, auf die sie nach Art des argentinischen "Cacerolazo" mit Kochlöffeln trommelten, um Alarm zu schlagen. Das sorgte in der riesigen Halle sofort für großes Aufsehen. Viele blieben stehen und wollten wissen, was da los ist. Lisa Gärtner, die zusammen mit Lea Rack Sprecherin der Aktion war, sprach zuerst und stellte ihr Anliegen vor:

"Wir sind Frauen, Verwandte und Angehörige der Bochumer Opelaner. Wir nehmen nicht hin, dass für die Profite von GM/Opel tausende Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Wir werden die Stilllegung des Werks in Bochum nicht akzeptieren und kämpfen um jeden Arbeitsplatz." Sie berichtete von den Kämpfen und Auseinandersetzung der letzten Wochen sowie dem Höhepunkt der 17-stündigen Betriebsversammlung und des sechsstündigen selbständigen Streiks am 9./10. September.

Die Frau eines Opelaners schilderte, was im Bochumer Werk zur Zeit los ist, wie insbesondere versucht wird, die Kolleginnen und Kollegen einzuschüchtern und fertig zu machen, um sie so zur Kapitulation zu bringen. Die Mutter eines Auszubildenden setzte sich für den Erhalt aller Arbeits- und Ausbildungsplätze im Interesse der Zukunft der Jugend ein.

Es dauerte über fünf Minuten, bis die perplexen Verantwortlichen des Opel-Stands überhaupt begriffen, was hier vor sich geht. Schließlich kamen eine Frau und ein Mann und wollten den "BASTA!"-Frauen das Mikrofon entreißen. Diese verteidigten ihr Mikrofon aber mit Zähnen und Klauen. Sie protestierten gleichzeitig öffentlich dagegen, dass hier der berechtigte Protest der Opel-Belegschaft unterdrückt werden soll. 

Mittlerweile hatte sich eine Traube von 50 bis 100 Menschen gebildet, die gebannt die Ereignisse verfolgten. Verschiedene zufällig anwesende Medienvertreter, unter anderem von "rf-news", verfolgten und dokumentierten aufmerksam die Aktion.

Nachdem die herbeigerufene Polizei die "BASTA!"-Frauen "des Standes verwiesen" hatte, wurden sie einzeln weg begleitet. Sie bauten sich aber ganz in der Nähe auf einem belebten Hallendurchgang wieder auf, verteilten weiter Flugblätter, sammelten Spenden für die Streikkasse der Opelaner und führten zahlreiche Gespräche - auch mit internationalen Besuchern. GM-Kollegen aus den USA spendeten genauso wie Kollegen aus Südkorea - die in einem Werk für Stoßdämpfer arbeiten, die auch an Opel Bochum geliefert werden -, Besucher aus Frankreich, Belgien, Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Insgesamt spendeten rund 50 Prozent aller angesprochenen Messeteilnehmer. Viele von ihnen berichteten von eigenen Erfahrungen mit Werksschließungen und Arbeitsplatzvernichtung.

Es wimmelte zwar von Security-Leuten und Zivilpolizei, sie waren jedoch alle unheimlich in der Defensive. Als Securities mit Anzeige drohten, entgegneten Vertreter der Messegesellschaft, dass sie hier schließlich das "Wegerecht" hätten und den "BASTA!"-Frauen dies erlauben. Die Polizei-Verantwortlichen gaben sich schließlich damit zufrieden, dass die Frauen ihre Aktion nach einer bestimmten Zeit beenden und dann die Halle verlassen. Bis zum Schluss tauchten sie nicht mehr auf. Von den Messe-Veranstaltern kam sogar jemand, um noch ein Gruppenfoto von allen zu machen.

Ihren Abgang nach ungefähr eineinhalb Stunden nützten die "BASTA!"-Frauen noch für einen angemessenen "Abschieds"-Demonstrationszug durch die Hallen. Alle waren sehr stolz auf diese erfolgreiche und öffentlichkeitswirksame Aktion.