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Verkauf von "Filetstücken" - ein weiterer Schritt der Zerschlagung von Karstadt

Verkauf von "Filetstücken" - ein weiterer Schritt der Zerschlagung von Karstadt

Nicolas Berggruen zerlegt Karstadt immer mehr - hier das alte Stammhaus in Wismar (foto: Northside)

18.09.13 - Der 2010 als "Retter" von Karstadt bejubelte Milliardär Nicolas Berggruen treibt die Zerschlagung der Kaufhaus-Kette weiter voran: Er verkauft die Karstadt-Luxushäuser und Sportfilialen an die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. Mit dem Verkauf will er angeblich das "Kerngeschäft" stärken. Der Verkaufserlös von 300 Millionen Euro werde in die verbleibenden 83 Karstadt-Filialen investiert.

Benko ist sowohl auf dem Immobiliensektor als auch vor Gericht kein Unbekannter. Laut dem österreichischen Rundfunk ORF wurde er im November 2012 zusammen mit dem Steuerberater Michael Passer vom Landesgericht Wien verurteilt, weil diese dem früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro Schmiergeld geboten hatten. Sanader sollte ein in Italien anhängiges Verfahren günstig für die beiden beeinflussen.

Berggruen versprach 2010 vollmundig, Karstadt als Ganzes zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern und alle Filialen zu modernisieren. Keines der Versprechen wurde eingehalten. Berggruen investierte außer dem lächerlichen Kaufpreis von 70 Millionen Euro nichts in den Konzern, sondern holte weit mehr aus ihm heraus. "Karstadt müsse aus eigener Kraft gesunden", ließ er verlauten. Das bedeutet: Die Kosten für die "Modernisierungen" sollen die Beschäftigten durch Verzicht und Überstunden aufbringen.

Den Angestellten wurde ein "Sanierungstarifvertrag" aufgedrückt: Sie mussten für zwei Jahre auf einen Teil ihres Gehalts sowie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld verzichten. Kurz vor dem Auslaufen dieses Vertrags im August 2012 wurde verkündet, dass bis Ende 2014 über 2.000 Stellen gestrichen werden. Im Mai 2013 stieg Berggruen außerdem aus der Tarifbindung aus und erklärte, die Löhne würden bis 2016 eingefroren.

Der Verkauf an Berggruen war schon damals nur ein Schritt in der seit Jahren betriebenen Zerschlagung des Karstadt-Konzerns. 1998 arbeiteten rund 60.000 Beschäftigte in 180 Warenhäusern von Karstadt. 1999 wurde noch Quelle mit zirka 12.000 Angestellten von Karstadt übernommen. Im August 2005 verkaufte der inzwischen in "Arcandor" umbenannte Konzern 75 der sogenannten Kompakt-Warenhäuser sowie mehrere Fachhandelshäuser. Im Mai 2009 wurden die 54 zu Arcandor gehörenden Hertie-Kaufhäuser geschlossen. Während des Insolvenzverfahrens schlossen 19 Karstadt-Filialen. Die Tochterfirmen Primondo und Quelle wurden vollständig zerschlagen. Es blieben 120 Kaufhäuser mit knapp 25.000 Beschäftigten übrig.

Die Beschäftigten fürchten zurecht eine weitere Arbeitsplatzvernichtung. Versprechen von Berggruen wie "Die Veränderungen werden keinen Abbau von Arbeitsplätzen nach sich ziehen" sind kaum glaubhaft. Von den 300 Millionen Euro würden knapp 4 Millionen an Investitionen pro Kaufhaus anfallen. "Davon können sie meist gerade einmal die Fassade erneuern", heißt es bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Offenbar wird nur in ausgesuchte Filialen investiert und die anderen sollen geschlossen werden.

Hintergrund ist die sich verschärfende Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die auch die Krise des Kaufhaussektors antreibt. Die komplette Krise im Handelsbereich ist ein Indikator dafür, dass die Weltwirtschafts- und Finanzkrise eben noch lange nicht vorbei ist, wie es die bürgerlichen Parteien glauben machen wollen. Viele Warenhäuser können im Wettbewerb mit zunehmend international agierenden Einkaufscentern und Online-Händlern nicht mehr mithalten.

2012 wurden deshalb schon Schlecker und Neckermann "abgewickelt". Auch die Metro baute Stellen ab. Und der Umsatz des Karstadt-Konzerns sank in den ersten sieben Monaten 2013 um 7,9 Prozent. Bürgerliche Experten sehen in Deutschland höchstens Platz für 60 bis 70 Häuser von Karstadt und Kaufhof, die bis jetzt noch zusammen rund 200 Filialen betreiben. Investor Benko plant schon lange, die Metro-Tochter Kaufhof zu übernehmen und eine Deutsche Warenhaus AG zu schaffen.

Für die Beschäftigten von Karstadt ist daher der von ver.di geforderte Tarifvertrag über eine Standort- und Beschäftigungssicherung keine tragfähige Perspektive. Stattdessen kommt es für die Belegschaften bei Karstadt und im Einzelhandel insgesamt darauf an, sich konzern- und branchenweit zusammen zu schließen und den Kampf um ihre Arbeitsplätze gemeinsam zu organisieren.

Die bürgerlichen Parteien halten diese Themen mit Absicht aus dem aktuellen Bundestagswahlkampf heraus. Im Gegensatz dazu spricht die MLPD Tacheles und attackiert sowohl die Auswirkungen dieses verrotteten Systems, wie auch das System selbst. Deshalb ist jede Stimme für die MLPD eine Stimme für die ungeschminkte Wahrheit. 

Hier kann eine Auflistung der Listenplätze der MLPD bei der Bundestagswahl angesehen werden!

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