International

Bangladesch: "Dieser Kampf braucht die internationale Solidarität"

27.09.13 - Zu den aktuellen Kämpfen der Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter in Bangladesch gab Hasan Tarique Chowdhury von der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei von Bangladesch "rf-news" am 27. September ein Interview:

Wie entwickelt sich aktuell der Streik der Textilarbeiterinnen und -arbeiter?

Der Streik von Zehntausenden von Arbeiterinnen in der Industriezone von Gazipur in Dhaka dauert an. Offiziell sind gegenwärtig 30 Fabriken geschlossen, aber tatsächlich sind es viel mehr. Der Streik ist heute im sechsten Tag und wird entschlossen von den Arbeiterinnen und Arbeitern weitergeführt, denn die Forderungen der Arbeiter nach einem Mindestlohn von umgerechnet zirka 100 US Dollar sind noch nicht erfüllt. Aktuell werden 30 bis 50 US-Dollar im Monat bezahlt. Angeboten wurden jetzt 50 US-Dollar. Aber allein um eine vierköpfige Familie zu ernähren braucht man mindestens 200 Dollar im Monat.

Die Regierung setzt auch direkt die Sicherheitskräfte ein?

Das ist richtig, die Regierung hat seit gestern paramilitärische Truppen gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter eingesetzt. Offiziell gibt es noch keine Toten, aber es sind mindestens 100 Arbeiterinnen und Arbeiter verletzt worden. Wenn die islamistisch-faschistischen und terroristischen Kräfte in unserem Land auf die Straße gehen, wird dies toleriert und halten sich die Sicherheitskräfte zurück. Aber wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter für ihre gerechte Sache demonstrieren, wird gewaltsam gegen sie vorgegangen. Als Vorwand wird behauptet, das sei nötig, um die Zerstörung der Fabriken durch die Arbeiterinnen und Arbeiter zu verhindern. Das ist nicht der Grund, die Ursache ist der unersättliche Profihunger der Fabrikbesitzer, der gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter gewaltsam geschützt werden soll.

Die Textilarbeiterinnen stehen in diesem Kampf sicher an vorderster Front?

Na klar - sie spielen die Hauptrolle. 80 Prozent der Beschäftigten in der Textilindustrie sind Frauen und Mädchen. Sie sind kämpferisch und die Hauptkraft in diesem Streik. Sie müssen sich dabei auch gegen massive gewaltsame und sexistische Angriffe im Auftrag der Textilkapitalisten wehren. Die US-Regierung sitzt indirekt mit am Verhandlungstisch. Gestern kam ein Brief eines Beauftragten der US-Regierung, in dem sie ihre Sorge über die Lage und Arbeitsbedingungen vor allem der Arbeiterinnen zum Ausdruck brachte - offiziell! Aber natürlich geht es ihnen um etwas ganz anderes. Sie haben Angst, dass sich die Kämpfe unkontrollierbar entwickeln. Ein Großteil der Textilprodukte geht in die USA und es gibt eine enge Verflechtung zwischen den Textilkonzernen in den USA und der Textilindustrie in Bangladesch. Es ist eine billige Komödie, die hier gespielt wird. Die Sorge gilt dem Profit und nicht den Interessen der Frauen und ihren Familien. Unsere Partei, die Kommunistische Partei von Bangladesch ist natürlich mitten unter den Arbeiterinnen und Arbeitern. Unsere Genossinnen und Genossen unterstützen den Kampf nach allen Kräften und unsere Gewerkschaft steht an der Spitze des Kampfes.

Die MLPD hat über den Kampf bereits berichtet. Wie können die internationale Arbeitereinheit und Solidarität weiter entwickelt werden?

Dieser Kampf braucht die internationale Solidarität. Wir haben hier in Bangladesch das Buch von Stefan Engel "Die Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" gelesen und studiert. Er beschreibt die dringende Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit und Solidarität des internationalen Industrieproletariats. Dem stimmen wir von ganzem Herzen zu. Die internationale Solidarität ist ein wichtiger Bestandteil zur Festigung und Entwicklung des Kampfes. Vielen Dank für dieses Gespräch.

Richtet unsere herzlichen und solidarischen Grüße an die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter aus!

Wir werden euch weiter informieren. Solidaritätsadressen können an die Kommunistische Partei von Bangladesch geschickt werden. Wir werden sie an die Streikenden weiterleiten.

(E-mail-Adresse für Solidaritätserklärungen: htcshohel@yahoo.com)