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Das große "Köpferollen" in Berlin

24.09.13 - In der Bundeshauptstadt Berlin stellen sich die Arbeitsagenturen in dieser Woche auf einen starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen ein. Dabei handelt es sich jedoch um "Arbeitslose" spezieller Art, denn viele von ihnen sind weder von Hartz IV bedroht noch müssen sie sich um Altersarmut Sorgen machen.

Den Anfang machte das 20-köpfige Präsidium der FDP. Unter seinem bisherigen Vorsitzenden Philipp Rösler übernahm es die "volle Verantwortung" für das Wahldebakel der Partei und überließ den angerichteten Scherbenhaufen der Nachwelt. Die meisten Tränen über ihren Rücktritt dürften die Präsidiums-Mitglieder selbst vergossen haben. Rösler hatte bei der Verkündung seiner "schweren" Entscheidung kaum ausgeprochen, da meldete sich mit Christian Lindner schon ein eifriger Anwärter auf seine Nachfolge.

So nebenbei erfuhr man bei dieser Gelegenheit, wie viele Posten allein die Mini-Partei FDP bisher rund um ihre Bundestagsfraktion und die Parteizentrale vergeben hatte. 500 bis 600 Beschäftigte könnten nach FDP-Angaben nun ihren Job verlieren. Bei 59.000 Mitgliedern kein schlechter Luxus. Freilich trifft das nicht nur Karrierebeflissene, Familienangehörige und sonstige Begünstigte. Auch viele ganz normale Angestellte stehen plötzlich vor dem "Aus".

Auch wenn die Rücktrittsquote in der FDP besonders hoch ist, das große "Köpferollen" erfasst auch andere Wahlverlierer. Heute haben vier führende Grünen-Politiker ihren Rücktritt bekannt gegeben. Jürgen Trittin und Renate Künast wollen nicht mehr für den Fraktionsvorsitz im Bundestag kandidieren, Claudia Roth und Cem Özdemir geben den Parteivorsitz ab. Auf sie warten allerdings schon vielfältige neue Herausforderungen. Künast und Roth balgen sich jetzt um den gut dotierten Posten der Bundestagsvizepräsidentin.

Erwischt hat es schließlich noch Bernd Schlömer, den Bundesvorsitzenden der Piratenpartei. Seit gerade mal 17 Monaten im Amt, kündigte er ebenfalls seinen Rücktritt an. Als großer Hoffnungsträger war er gestartet, mit seinen Erfahrungen als Referent im Bundesverteidigungsministerium wollte er die "Piraten" professionalisieren. Nachdem die als "Alternative" vor allem für jüngere Wähler gehandelte Neugründung von den bürgerlichen Medien nicht mehr gepuscht wurde, konnte auch er ihren Absturz nicht verhindern. 

Während sich in Berlin das Personalkarussel immer schneller dreht, arbeitet das Zentralkomitee der MLPD seit Sonntag um 18 Uhr an einer mit Spannung erwarteten ausführlicheren Wahlanalyse. Dazu wird heute im Laufe des späten Abends noch ein Interview mit dem Parteivorsitzenden Stefan Engel auf "rf-news" veröffentlicht.

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