Sie sind hier: Startseite

Afghanistan: Bundeswehr zieht aus Kundus ab!?

Afghanistan: Bundeswehr zieht aus Kundus ab!?

Die Bundeswehr und alle imperialistischen Armeen müssen sofort aus Afghanistan abziehen (foto: Mass Communication Specialist 2nd Class Nicholas A. Garratt, U.S. Navy)

06.10.13 - Mit Pomp, militärischem Zeremoniell und den Noch-Ministern de Maizière und Westerwelle übergab die Bundeswehr heute das Feldlager Kundus an die afghanische Armee. Das ist in erster Linie ein Erfolg des tapfer kämpfenden afghanischen Widerstands und der Massen in Deutschland. Gleichzeitig ist es insgesamt ein Ausdruck der Defensive der US-NATO-Kriegspolitik. Dieser Abzug aus einem Stützpunkt ist aber auch ein Ablenkungsmanöver: Es soll signalisiert werden, die deutschen Truppen würden jetzt aus Afghanistan abziehen. Dabei war das nie geplant.

Infolge der faschistischen Anschlägen auf das World Trade Centre, die bis heute nicht aufgeklärt sind, und dem darauf folgenden "New War" George W. Bush's erklärte der damaligen Verteidigungsminister Peter Struck: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." Kurz darauf befanden sich deutsche Truppen im Kampfeinsatz in Afghanistan.

Immer wieder wurden die Massen in Deutschland von den Bundesregierungen der letzten Jahre über die Lage und die Ziele der Bundeswehr in dem kleinen Gebirgsland schamlos belogen. Immer wieder wurde seitens verschiedener Verteidigungsminister, egal ob Struck, Jung oder de Maizière erklärt, es ginge darum, das Land aufzubauen. Zivilisation und Fortschritt zu bringen. Dabei ist ist die Lage in Afghanistan heute schlimmer als je zuvor. Verfeindete Warlords haben das Land untereinander aufgeteilt. Was blüht, ist nicht die kaum vorhandene afghanische Wirtschaft, sondern die Mohnfelder zur Heroinproduktion. So steuert Afghanistan laut der Zeitung "Die Welt" vom 15. April diesen Jahres auf eine Rekord-Opium-Ernte zu.

Die Lage für Mädchen und Frauen im Land ist katastrophal. So berichten die Revolutionary Women of Afghanistan (RAWA) in einem Statement zum Internationalen Frauentag 2008: "Nachdem die USA und ihre Alliierten vor etwa sieben Jahren Afghanistan eingenommen hatten, behaupteten sie fälschlicherweise, sie hätten Frieden und Demokratie in das Land gebracht und die afghanischen Frauen von den blutigen Fesseln der Taliban befreit. Doch in Wahrheit brennen die afghanischen Frauen noch immer im unersättlichen Inferno des Fundamentalismus. Sie werden gegen Hunde ausgetauscht, Mädchen werden von ganzen Gruppen vergewaltigt, Männer in der von den Jehadis dominierten Gesellschaft töten ihre Ehefrauen auf grausame und brutale Weise, verbrennen sie mit heißem Wasser, schneiden ihre Nasen und Zehen ab, unschuldige Frauen werden zu Tode gesteinigt und andere abscheuliche Verbrechen werden begangen. Doch die Mafia-Regierung von Herrn Karzai versucht unermüdlich das Verhältnis zu den Kriminellen in Einklang zu bringen und vergibt Auszeichnungen an diejenigen, die für ihre Verbrechen und Plünderungen strafrechtlich verfolgt werden sollten." Diese Situation hat sich bis heute nicht geändert. (Das komplette RAWA-Statement ist hier nachzulesen!)

Die NATO-Streitkräfte sind keine Friedensbringer, sondern eine mordende imperialistische Besatzungsarmee, die sich auch durch massive Luftangriffe auf Zivilisten, wie erst gestern wieder, "im Spiel" hält. Diese werden dann als "Kollateralschäden" verharmlost. Das Land ist für die imperialistischen Mächte wegen seiner Bodenschätze und strategischen Lage bedeutend, weswegen NATO-Truppen mittlerweile auch mit ultrareaktionären und faschistischen Taliban paktieren.

Deshalb steht für die Monopolpolitiker in Berlin ein Abzug auch nicht auf der Tagesordnung, wie der Verteidigungsminister schon in einer Talkshow am 17. Oktober letzten Jahres ungewollt deutlich machte. In schwere Argumentationsnot geraten, verplapperte sich de Maizière seinerzeit bei "Anne Will" und erklärte, es sei vorgesehen, auch nach dem vom Bundestag 2014 beschlossenen Truppenabzug weiter mit Streitkräften im Lande zu bleiben. Natürlich nur, um angeblich den zivilen Aufbau weiter zu unterstützen. (Der dazu gehörende Artikel auf „rf-news“ kann hier gelesen werden!)

Das bestätigt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer heutigen Internetausgabe: "Der Nato-Kampfeinsatz läuft Ende kommenden Jahres aus. Unter dem Namen „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) plant die Nato eine kleinere Nachfolgemission, an der sich Deutschland mit bis zu 800 Soldaten beteiligen will." Der FAZ-Artikel kann hier gelesen werden!

Entsprechend handelt es sich beim Abzug aus Kundus zwar um einen ersten Erfolg , aber von einem Komplettabzug war und ist keine Rede. Deshalb ist die Solidarität mit den fortschrittlichen Kräften in Afghanistan, die sich gegen die imperialistischen Truppen, die dem Imperialismus hörige Regierung und faschistische, islamistische Kräfte stellen, nach wie vor wichtig. Eine dieser Parteien ist auch Mitglied der Internationalen Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR). "Keine Deutschen Truppen ins Ausland!" ist die Losung, für die die MLPD im Wahlkampf eintrat und immer noch eintritt. Die Bundeswehr und alle imperialistischen Armeen müssen sofort und vollständig aus Afghanistan abziehen.

Artikelaktionen
Entwickelt durch Mediengruppe Neuer Weg   powered by Plone   Kontakt: webmaster@rf-news.de