Umwelt

Neue gefährliche Pannen in Fukushima - Tepco will neue AKWs bauen

05.10.13 - Am 2. Oktober 2013 ist aus einem Wassertank in einem der havarierten Atomreaktoren von Fukushima erneut hoch radioaktiv verseuchtes Wasser übergelaufen. Aus einem anderen Tank sickerten vor kurzem Tonnen durch defekte Kunstharzabdichtungen aus. Das Filtersystem, das die Betreiberfirma Tepco installiert hat und das ständig Probleme bereitet, ist am gestrigen Freitag mehrmals ausgefallen. Angeblich könne das System Niklide aus dem Wasser herausfiltern. Nach einer ersten Panne im Juni wegen Korrosion wurde erst vor wenigen Tagen wieder der Testbetrieb aufgenommen.

Die japanische Atomaufsichtsbehörde äußert jetzt öffentlich starke Zweifel daran, dass Tepco die Situation auf dem Gelände der Atomruine mit über 400.000 Tonnen radioaktiv belastetem Kühlwasser unter Kontrolle bekommen könne. Die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA betrachtet die Lage in Fukushima als "Angelegenheit von höchster Priorität, die dringend gelöst werden muss". Seit der Atomkatastrophe in Fukushima nach dem Erdbeben und dem Tsunami im März 2011 müssen die drei Reaktoren, in denen es zur teilweisen Kernschmelze kam, mit rund 300 Tonnen Wasser täglich gekühlt werden. Das Wasser fließt zum Teil über undichte Kanäle in den Pazifik, der größte Teil wird abgepumpt und in provisorischen Tanks gelagert. 400.000 Tonnen Wasser lagern mittlerweile auf dem Gelände; ein weiterer Ausbau der Kapazitäten auf mehr als 700.000 Tonnen ist geplant.

Das Kühlwasser höhlt auch die Fundamente unter den noch erhaltenen Gebäuden aus. In einem größeren Sammellagerbecken werden mehr als 6.000 abgebrannte Brennelemente gekühlt. Beim Einsturz eines benachbarten Gebäudes – z.B. durch ein Erdbeben oder die für die nächsten Wochen prognostizierten Tropenstürme – könnte das gesamte kontaminierte Kühlwasser auslaufen. Eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes drohte in diesem Fall.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hatte immer wieder vollmundig erklärt, die Lage in Fukushima sei unter Kontrolle, zuletzt anlässlich der Bewerbung Tokios für die olympischen Sommerspiele. Jetzt hat er allen Ernstes das Problem mit dem auslaufenden Wasser auf die  Tagesordnung einer außerordentlichen Parlamentssitzung im Herbst gesetzt! Tepco bekommt vom japanischen Staat laufend finanzielle Förderung. Offenbar werden diese Gelder nur zum Teil oder gar nicht dafür genutzt, Fukushima in den Griff zu bekommen, sondern um in einer Region im Nordosten Japans zwei neue Tepco-Atommeiler zu errichten. Auch hat Tepco vor einigen Tagen den Antrag eingereicht, seine derzeit abgeschalteten Reaktoren in Japan wieder in Betrieb nehmen zu können.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung im März 2013 in "vertraulichem Rahmen“ über Neubauten von Atomreaktoren in Deutschland und Europa gesprochen. Damit diese finanziert werden können, müsse "eine sensible Umgehung oder pragmatische Anpassung des Beihilferechts" vorgenommen werden. Mit dem Beihilferecht sind die EU-Regelungen gemeint, nach denen Subventionen vergeben werden. Die EU-Kommission will nun diese Regeln für staatliche Beihilfen so ändern, dass Regierungen den Bau und den Betrieb von Atomkraftwerken einfacher subventionieren können ("rf-news" berichtete). Die neue Richtlinie soll im Frühjahr 2014 in Kraft treten. Man hoffe, dass dann auch die verbreitete Ablehnung unter der Bevölkerung und die Proteste gegen die Nutzung von Atomenergie überwunden werden könne.

Fukushima mahnt täglich: Abschaltung aller Atomkraftwerke – sofort und weltweit!