Betrieb und Gewerkschaft

Offene Fragen nach dem tödlichen Grubenunglück in Unterbreizbach

Eisenach (Korrespondenz), 02.10.13: In der Kaligrube Unterbreizbach in Westthüringen sind am Dienstag, den 1. Oktober, drei Bergleute ums Leben gekommen. Die Bergleute, ihre Familien und die ganze Region sind in Trauer. War der Tod der drei Männer im Alter von 24, 50 und 56 Jahren unvermeidbares Schicksal? Dieses Unglück wirft Fragen auf.

Im Kalibergbau, speziell in der Werra-Region (Gruben Unterbreizbach, Merkers, Heringen, Philippsthal) gibt es viele Gasblasen im Gestein, die unter hohem Druck stehen. Wenn diese Blasen angebohrt oder gesprengt werden, kann das Gas (in der Regel Kohlensäure) explosionsartig entweichen. Die Druckwelle kann tödlich sein, auch ohne dass das Gas durch Funken explodiert. Außerdem verdrängt das Gas die Atemluft. Deshalb werden Sprengungen grundsätzlich nur bei Schichtwechsel, wenn alle Bergleute ausgefahren sind, von über Tage aus vorgenommen. Danach gehen Vorauskommandos unter Tage, um das Gas zu messen, bevor dann die nächste Schicht einfahren kann.

Am 1. Oktober erfolgte eine Sprengung in 900 Meter Tiefe um 13.10 Uhr. Die Druckwelle des ausströmenden Gases aus einer Blase war so groß, dass aus dem Schacht über Tage eine meterhohe Staubwolke austrat. Zur gleichen Zeit hatten sich auf 700 Meter Tiefe sieben Kumpel aufgehalten. Der thüringische Umweltminister Reinholz behauptet, die sieben Bergleute seien das Vorauskommando der Spätschicht gewesen. Professor Reinhard Schmidt von der Bergakademie Freiberg verbreitet in "MDR Info", sie seien erst nach der Sprengung eingefahren. Aber im RTL-Fernsehen gab Ulrich Göbel, Sprecher von Kali+Salz, zu, dass die Bergleute bereits bei der Sprengung unter Tage waren. Warum?

Nach Bergung der toten Kumpel wird gesagt, sie seien erstickt. Aber im Kali-Bergbau hat jeder Kumpel einen Sauerstoff-Selbstretter bei sich zu tragen, der ihm eine unabhängige Atemluft für 50 Minuten gewährleistet. Warum konnten sie innerhalb von 50 Minuten keinen der vorgeschriebenen Schutzräume mit frischer Luft erreichen?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, aber die Kumpel machen sich auch ihre Gedanken und werden wohl eher die Wahrheit ans Licht bringen.