MLPD

Wie weiter im Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Outokumpu in Bochum? Info-Veranstaltung macht zwei Wege glasklar

Wie weiter im Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Outokumpu in Bochum? Info-Veranstaltung macht zwei Wege glasklar
Outokumpu-Kollegen gestern bei der Kundgebung in Krefeld (rf-foto)

02.10.13 - Aus Protest gegen die Ankündigung des Vorstandes des Stahlkonzerns Outokumpu, die Schließung des Werks in Bochum um zwei Jahre auf 2014 vorzuziehen und europaweit 1.000 Arbeitsplätze - 800 davon in Deutschland - zu vernichten, ruht die Produktion im Werk seit Dienstag früh. Als erste Reaktion auf die Provokation fuhr die Belegschaft gestern nach Krefeld und demonstrierte mit Kollegen aus Krefeld, Benrath und Dillenburg, die auch von den Plänen betroffen sind ("rf-news" berichtete).

Die bürgerlichen Medien, zum Teil auch reformistische Betriebsräte und Gewerkschaftsführer prangern nun den "Finnen-Kapitalismus" an. Die Angriffe auf die Arbeiter, ob in Finnland, Deutschland oder sonst wo sind aber keine "finnische Spezialität", sondern Teil der Abwälzung der Lasten der anhaltenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise. So hält ThyssenKrupp 29,9 Prozent der Outokumpu-Anteile und ist damit der größte Aktionär. ThyssenKrupp bestimmt zudem maßgeblich den Unternehmenskurs - erst im Juli 2013 wurde der führende ThyssenKrupp-Manager Reinhard Florey CFO ("Chief Financial Officer") und Vizepräsident von Outokumpu. Das unterstreicht den nötigen gemeinsamen Kampf gerade mit den Arbeitern bei ThyssenKrupp.

Heute fand im Bochumer Werk ab 13.15 Uhr eine Informationsveranstaltung des Betriebsrats statt. Offiziell eingeladen war vom Betriebsrat unter anderem auch Axel Schäfer, SPD-Bundestagsabgeordneter. Delegationen der Opel-Belegschaft und von Bosch Rexroth aus Witten wurde dagegen der Zutritt am Tor verwehrt. Sie legten Protest ein und setzten durch, an der Infoveranstaltung mit einem Transparent "Kein Tod auf Raten! Kampf um jeden Arbeitsplatz!" teilzunehmen. Eine Delegation von ThyssenKrupp Dortmund war ebenfalls anwesend.

Der Betriebsratsvorsitzende Frank Klein und Eva Kerkemeier, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Bochum, kritisierten massiv den Vertragsbruch und versprachen, dagegen zu kämpfen. Nach den verschiedenen Reden wollten die betrieblichen Delegationen ihre Solidarität vortragen, was allerdings vom stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden nicht zugelassen wurde. Eine Kollegin kritisierte das Sprechverbot für die Delegationen. Dann sprach sie sich für den Weg des Streiks bis zur Rücknahme der angekündigten Schließung aus. Sie begründete diesen Weg mit den Erfahrungen, dass die ausgehandelten Verträge das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

Daraufhin gingen die Tassen hoch: Eva Kerkemeier kritisierte es als unverantwortlich, jetzt von Streik zu sprechen. Betriebsrats-Vorsitzender Klein attackierte den "Stahlkocher", der am Morgen verteilt worden war: "Nur die MLPD ist für Streik!" Wer für und wer gegen Streik ist - darum wird ja gerade gerungen! Die Kollegen müssen natürlich selbst entscheiden, welchen Weg sie gehen. Aber diese Richtungsentscheidung muss auch unter den Arbeitern diskutiert werden können, ohne dass Betriebsräte und IGM-Führung durch solche antikommunistische Hetze Druck auf die Kollegen ausüben, den reformistischen Weg der Verhandlungen zu gehen.

Die MLPD unterstützt den Weg des offensiven Kampfes und Streiks und kann sich dabei auf jahrzehntelanges Know-How in verschiedensten Arbeiterkämpfen stützen. Wenn sie die einzige Partei ist, die konsequent den Weg des offensiven Kampfes und Streiks gegen die Kapitulation vor Massenentlassungen vertritt, zeichnet es sie doch aus!

Weiter warfen verschiedene Kollegen kritische Fragen auf: "Wer finanziert denn einen Streik?", "Wie soll der Weg bis 2016 sein?" Eine Kollegin bestand auf der demokratischen Abstimmung und stellte klar, dass es zwar kein Streikrecht, aber auch kein Streikverbot gibt. Die Belegschaft hat sich dafür noch nicht entscheiden. Aber die verschiedenen Richtungen liegen jetzt klar auf dem Tisch: Offensiver Kampf und selbständiger unbefristeter Streik oder unendliche Verhandlungen, faule Kompromisse, an deren Ende nach allen Erfahrungen die Abwicklung des Werkes steht. Die in der Versammlung untersagten Solidaritätsbekundungen wurden vor der Halle vorgetragen.

"Wir hatten ca. 500 Kolleginnen und Kollegen unter anderem von Nokia und Opel übernommen. Mit dem Ausbruch der Krise mussten sie bis auf eine Handvoll alle wieder das Werk verlassen. Deshalb, lasst euch nicht vertrösten auf 'Ersatzarbeitsplätze', die in Wirklichkeit keine sind", so die Betriebsrätin und Vertrauenskörperleiterin von Bosch Rexroth aus Witten. "Uns haben sie auch immer gesagt, ihr sollt nicht streiken. Erst sagten sie 'das ist zu früh', jetzt sagen sie 'es ist zu spät'. Streik ist der richtige Weg, den Kampf um jeden Arbeitsplatz zu führen", so die Delegation von Opel.

Sie betonten die Notwendigkeit, dass die Belegschaften von Outokumpu, von Opel und die Bergleute gemeinsam den Kampf um jeden Arbeitsplatz führen müssen. Viele Kollegen hörten interessiert zu, waren jetzt empört, dass die Delegationen im Werk nicht sprechen durften. Es zeigte sich, dass sehr viel mehr Widersprüche unter der Belegschaft schwelen, als auf der Versammlung deutlich wurden. Ein intensiver Meinungsbildungsprozess über den weiteren Weg hat begonnen.