Kultur

"Polizeiruf 110" aus Magdeburg - sehr umstritten

"Polizeiruf 110" aus Magdeburg - sehr umstritten
foto: mdr/thorsten jander

Magdeburg (Korrespondenz), 15.10.13: Der erste Polizeiruf aus Magdeburg war mit über 8 Millionen Zuschauern die meistgesehene Sendung am Sonntagabend. Der Krimi war spannend. Zu sehen waren verfallene Fabriken als Schauplatz und der melancholisch aussehenden Winterhafen. Zu sehen waren Neonazis, die Rechtsrock machen und Ausländer jagen. Zu sehen waren Leute aus der Bevölkerung, aber keiner hatte etwas gegen die Nazis. Nur die aggressiv vorgehende Kommissarin, die auf die eigenen Gesetze pfeift und Nazis verprügelt. Ohne aggressive Gewalt und Rechtsverstöße ist Polizeiarbeit nicht zu machen - die Botschaft nebenbei.

Es gibt in ganz Deutschland Faschisten und Naziangriffe. Das muss Thema sein, warum nicht auch im Krimi. Hier wird aber ein Vorurteil verbreitet, der ganze Osten denkt rechts und die Faschisten breiten sich immer stärker in der Gesellschaft aus. Im TED der Magdeburger Volksstimme mit 589 Beteiligten kam es zu folgender Wertung: 27,7 Prozent fanden den Krimi gut, 20,9 Prozent fanden in mäßig, 51,4 Prozent fanden ihn schlecht. Bei "Facebook" fällt es positiver aus, die Action fand auch Zustimmung: Die Nazis jagen einen Farbigen am Busbahnhof. Schnitt. Die Jagd geht in einem maroden Fabrikgelände in Neustadt zu Ende. Das ist aber unrealistisch, das ist mehrere Kilometer entfernt und im Film war der Farbige herzkrank. Für Magdeburger waren die Abläufe des Films wenig nachvollziehbar.

Eine gewalttätige Polizei - das Bild ist zweischneidig. Darum schlägt die "Volksstimme" eine andere Richtung ein. Sie bringt am Dienstag einen ganzseitigen Artikel über die Angst der Streifenpolizisten vor Angriffen auf Beamte. Bei den Schlägern handelt es sich in sehr vielen Fällen um Faschisten. Als Antifaschist erlebt man dagegen immer wieder, dass die Faschisten nur dank Polizeischutz demonstrieren können.