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Erstaunlicher Erfolgsbericht der FAO: "Hunger quasi wie von Geisterhand auf dem Rückzug"?

Erstaunlicher Erfolgsbericht der FAO: "Hunger quasi wie von Geisterhand auf dem Rückzug"?
Alle materiellen Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung der Menschheit sind heute vorhanden (foto: Timo1974)

20.10.13 - Anfang der Woche legte die UN-Ernährungsorganisation FAO einen erstaunlichen Erfolgsbericht mit dem Titel "Der Hunger nimmt ab" vor. Demnach ist die Zahl der chronisch Unterernährten zwischen 2011 und 2013 im Vergleich zur Vorperiode 2010/2012 um 26 Millionen auf 842 Millionen gesunken. 2010 galten weltweit noch 925 Millionen Menschen als unterernährt, 75 Millionen mehr als 2008. Wie kommt dieser plötzliche Erfolg zustande?

"Dieser Erfolg ist leider vor allem einer neuen Zählweise geschuldet", erklärt Roman Herre, Agrarreferent von FIAN (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk). Erfasst wird nur noch, wer ein Jahr lang ununterbrochen gehungert hat. Damit fallen z.B. Menschen, die durch extreme Wetterereignisse ihre Ernte verlieren, aus der Statistik. Außerdem geht die FAO von einem unrealistisch niedrigen Kalorienverbrauch von Menschen in Entwicklungsländern aus, indem sie als "bewegungsarm" eingestuft werden. Dabei müssen gerade sie häufig extrem anstrengende Arbeiten z.B. auf Plantagen oder der eigenen kargen Parzelle verrichten.

Wären die hierfür notwendigen Kalorien angesetzt, stiege die Zahl der Hungernden sprunghaft von 842 Millionen auf rund 1,3 Milliarden Menschen, rechnen Kritiker wie Herre vor. In der neuen FAO-Berechnung der Hungerzahlen werden auch die enormen Preissteigerungen bei Mais, Weizen und Reis viel geringer bewertet als früher. Dazu kommt, dass die FAO verschweigt, dass 80 Prozent des berechneten Rückganges der Hungerzahlen auf China und Vietnam entfallen.

In den 45 ärmsten Ländern der Welt stieg die Zahl der Hungernden dagegen um 25 Prozent oder 50 Millionen. Zudem muss man 2 Milliarden Menschen mit Mangelernährung ebenfalls zu Hungernden rechnen. Durch diese "fantastische Neuinterpretation der Resultate der Hungerbekämpfung ... scheint der Hunger quasi wie von Geisterhand auf dem Rückzug", kritisiert Roman Herre.

Heute müsste kein Mensch mehr hungern. Alle materiellen Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung der Menschheit sind vorhanden. Aber wirksamen Sofortmaßnahmen steht die kapitalistische Profitwirtschaft entgegen. Mit lokal angepassten Techniken könnten Kleinbauern ihre Felder bewässern. Das Wasser soll aber durch große Monopole privatisiert werden. Kostengünstige Projekte wie Bewässerungskanäle in Dürregebieten, Getreidespeicher an flutsicheren Orten oder Straßenreparaturen für den Transport werden kaum finanziert.

Die Weltbank pumpte allein letztes Jahr vier Milliarden US-Dollar ins "Agrobusiness". Großinvestitionen in den ländlichen Raum werden als "positive Entwicklungen für alle" ausgegeben. Aber des "Land-Grabbing" schränkt unter anderem den Zugang der Kleinbauern zu Land und Wasser für die Nahrungsmittelproduktion massiv ein. Ihnen wird so die Lebensgrundlage entzogen - eine wesentliche Ursache für die Zunahme der weltweiten Flüchtlingsströme.

Das Budget des Welternährungsprogramms der UNO ist komplett von Regierungen und Großunternehmen finanziert. Bernhard Walter, Ernährungsexperte von "Brot für die Welt": "Die beteiligten Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne bestimmen so mit, wofür öffentliche Gelder ausgegeben und wie Gesetze geschrieben werden." Dabei sind es genau diese Monopole, die mit fortpflanzungsunfähigem Saatgut oder überzuckerten, abhängigmachenden Nahrungsmitteln und vielem mehr die Verantwortung für Hunger und schlechte Ernährung weltweit tragen.

Das internationale Finanzkapital geht buchstäblich über Leichen, lässt täglich tausende Kinder verhungern und ganze Regionen aussterben. Mit solchen Berichten wie dem der FAO wollen sich die Täter im Rahmen des internationalen Systems der kleinbürgerlichen Denkweise und der Manipulation der öffentlichen Meinung als die "Hungerbekämpfer" feiern lassen. Länderübergreifende Hungerrevolten wie 2008 und Aufstände wie in Nordafrika, die sich objektiv gegen die imperialistische Ausplünderung ihrer Länder richteten, werden sie damit nicht verhindern. In sozialistischen Gesellschaften müsste heute niemand hungern.