Betrieb und Gewerkschaft

Unbefristeter Streik bei Norgren in Großbettlingen

Unbefristeter Streik bei Norgren in Großbettlingen
Streikbeginn in Großbettlingen (foto: IGM Esslingen)

15.10.13 - Am Fuße der Schwäbischen Alb, in Großbettlingen, führen die Beschäftigten von Norgren seit Montag einen unbefristeten gewerkschaftlichen Streik um ihre Arbeitsplätze. Alle 116 Arbeitsplätze des Werks sollen durch Verlagerung nach Tschechien vernichtet werden. Bereits 2007 und 2009 wollte der Konzern IMI Norgren die Fertigung von Pneumatikventilen schließen. Warnstreiks für einen "Sozialtarifvertrag" brachten damals die "Just-in-time"-Lieferungen zu großen LKW-Konzernen wie MAN ins Stocken. Die Konzernführung von IMI Norgren musste damals gegen zirka 120 zumeist weibliche Montagearbeiterinnen, die im Werk sehr geschlossen kämpften, klein beigeben. Diesmal haben sich Konzern wie Belegschaft auf härtere Auseinandersetzungen eingestellt.

Aktivisten der IG Metall berichten gegenüber "rf-news", am 14. Oktober "begannen die Kolleginnen und Kollegen bei Norgren um 6 Uhr mit ca. 50 Streikposten den unbefristeten Vollstreik. 97 Prozent der Belegschaft haben dafür gestimmt. Sie hatten gleich zu tun, da die Konzernführung erneut versuchte, illegal Leiharbeiter als Streikbrecher einzuschleusen. Einzelne blieben vor dem Tor, darunter Leiharbeiter, die bei Norgren in Fellbach beschäftigt sind und über Werksverträge laufen.

Streikbrecher sind leider auch die bei Norgren tätigen sogenannten AT-Mitarbeiter. Dazu tritt immer noch eine schwarzgekleidete Hilfsschlägertruppe der Firma 'correct-control' aus Chemnitz auf. Auf deren Homepage heißt es: 'Unsere Mitarbeiter achten auf ordnungsgemäßen Verschluss Ihres Objektes und zeigen diskret Ihre Präsenz beim Rundgang auf oder in Ihrem Gelände. Wir sorgen diskret für Ihre Sicherheit, damit Sie sich und Ihre Kunden noch sicherer fühlen.' Von diesen Leuten wurden Norgren-Kolleginnen bereits 'diskret' bedroht mit Warnungen wie 'Es setzt bald Prügel' und 'Wir machen auch Hausbesuche'.

Die ca. 60 streikenden Norgren-Kolleginnen und -Kollegen haben fünf Einlasstore zu überwachen. Sie sitzen nun seit zehn Tagen rund um die Uhr in Sechs-Stunden-Schichten vor ihren Arbeitsplätzen und kämpfen gegen die Werksverlagerung nach Tschechien. Es kommt immer wieder Besuch aus Großbettlingen und den umliegenden Dörfern. Das könnten aber ruhig mehr Leute werden und sie freuen sich über jeden Eintrag in ihrem Solidaritätsbuch.

Für den morgigen Mittwoch, 16. Oktober, um 15.30 Uhr ist in Nürtingen auf dem Schillerplatz eine Solidaritätskundgebung der IG Metall geplant. In diesem Zusammenhang wird auch zu einer Demonstration zu den zwei Streikbrecher-Verleihfirmen mobilisiert."

Wie dieser Kampf geführt wird, darüber wird unter der Belegschaft diskutiert. Aufgrund des in Deutschland extrem eingeschränkten Streikrechts wird der Streik formal um einen "Sozialtarifvertrag" geführt. Viele Belegschaften haben damit aber schon negative Erfahrungen gemacht: wenn der notwendige harte Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz aufgeweicht oder unterlaufen wird zugunsten höhere Abfindungen, "besserer" Sozialauswahl und schließlich einer Akzeptanz der Abwicklung.

Der Angriff auf die Norgren-Beschäftigten reiht sich ein in die Abwälzung der Krisenlasten auf die Massen, insbesondere die Arbeiterklasse. Diese Abwälzung nimmt seit den Bundestagswahlen deutlich an Fahrt auf. Dabei sind offene Massenentlassungen die Spitze des Eisberges, neben zig weiteren Maßnahmen, die die Ausbeutung zu verschärfen. Die Kapitalisten setzen dazu die ganze Bandbreite angefangen bei der Entlassung von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern über den Rauswurf von befristet Beschäftigten, die Nichtübernahme der Azubis, Lohnkürzung und Mobbing bis zur Provozierung von Selbstkündigungen usw. ein. Sie wollen ihre Profite steigern und sich in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Jede Belegschaft, die dagegen den Kampf aufnimmt, verdient uneingeschränkte Solidarität!

Die IG Metall Esslingen hat ein Spendenkonto eingerichtet (siehe unten), um Härtefälle zu unterstützen. Denn dem Tarifstreik ging eine Woche Warnstreik (ohne Streikgeld) voraus.

Spendenkonto IGM Esslingen, Stichwort "Streik Norgren", Kto-Nr. 1040, BLZ 500 500 00, HeLaBa

E-mail: betriebsrat.großbettlingen@norgren.de

Aktuelle Infos der IG Metall Esslingen

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