Sozialismus

Sturm des Protests hat Frankreichs Jugend ergriffen

Sturm des Protests hat Frankreichs Jugend ergriffen

21.10.13 - Ein Sturm des Protests hat Frankreichs Jugend ergriffen. Zehntausende gehen auf die Straße, blockieren Schulen und lassen sich auch durch Polizeigewalt nicht stoppen.

Was war passiert: Am 9. Oktober wurde in Frankreich erneut eine Roma-Familie in den Kosovo abgeschoben. Die 15-jährige Leonarda Dibrani, eine der Töchter der achtköpfigen Familie, befand sich auf einem Schulausflug. Plötzlich stoppte Polizei den Bus und stürmte schwer bewaffnet das Gefährt. Ihre Klassenkameraden und die Lehrer mussten mit ansehen, wie die Polizisten das Kind wie eine Verbrecherin festnahmen, abführten und umgehend zusammen mit seiner Familie in den Kosovo verfrachteten.

Leonarda, wie fünf ihrer sechs Geschwister in Italien geboren, lebte seit vier Jahren in Südfrankreich. Ihr Vater war schon als Kind aus dem Kosovo geflohen. Er selbst spricht kaum noch albanisch, seine Kinder gar nicht.

Mitte letzter Woche begannen Protestaktionen an Schulen, zuerst in Paris, dann in ganz Frankreich. An der Demonstration in der französischen Hauptstadt nahmen 12.000 Menschen, überwiegend Schüler, teil. Der Protestmarsch legte zeitweise den Verkehr im Osten der französischen Hauptstadt lahm. Die Schüler demonstrierten gegen die Zwangsabschiebung ausländischer Klassenkameraden und forderten den Rücktritt von Innenminister Manuel Valls.

Leonardas Mitschüler blockierten am Freitag den Eingang zum Schulgebäude und forderten die Rückkehr des Mädchens. Landesweit wurden den Angaben der Schülervertretung zufolge mindestens 170 Schulen blockiert oder zur Schließung gezwungen. Außer in Paris gab es auch in Marseille, Grenoble, Angers, La Rochelle oder Avignon Aktionen von Jugendlichen.

Diese Proteste gerade auch vieler sehr junger Schülerinnen und Schüler bringt eine neue Qualität der Jugendrebellion zum Ausdruck. Bereits in den letzten Jahren war die französische Jugend massenhaft gegen Rassismus, Polizeigewalt und niedrige Einstiegslöhne auf der Straße. So im Oktober und November 2005, als die "Banlieues" genannten Vorstädte verschiedener französischer Metropolen Schauplatz von Demonstrationen hundertausender wütender Jugendlicher waren.

Jetzt entwickelt sich zunehmend ein internationalistisches Bewusstsein. Mit früher vorhandenen Erscheinungen von Vandalismus in diesen Protesten wird diese Bewegung offenbar besser fertig. Die Gewalt ging und geht von der Polizei aus, die mit Pfefferspray und Schlagstock aggressiv gegen die jugendlichen Demonstranten vorgeht.

Unter dem Eindruck des Widerstands bot Frankreichs Staatschef François Hollande Leonarda am Samstag an, allein ohne Familie nach Frankreich zurückzukehren – und ihre Schulausbildung fortzusetzen. Damit trat er einen neuen Sturm der Entrüstung los. Leonarda selber wies aus Mitrovica im Kosovo Hollandes Angebot zurück. "Ich werde nicht allein nach Frankreich gehen. Ich werde meine Familie nicht zurücklassen", sagte sie. Auch ihre Geschwister seien schulpflichtig. Es sei "Rassismus", ihrer Familie die Rückkehr nach Frankreich zu verweigern. Die Proteste gehen weiter.

Nicht nur die eigene Zukunft, sondern die Belange der europäischen Jugend werden aufgegriffen. Frankreichs Jugend macht deutlich, dass sie sich ihre Zukunft nicht durch Rassismus, Krieg und Umweltzerstörung des Imperialismus rauben lassen will. Der Internationalismus gibt der Jugendrebellion eine Perspektive. In Deutschland steht der REBELL für einen solchen kämpferischen, rebellischen Internationalismus. Er hat selbstlos die erste internationale Bergarbeiterkonferenz in Arequipa, Peru, unterstützt. Er ist aktiv solidarisch mit den Kämpfen der Massen in Südafrika. Im nächsten Jahr wird er ein Projekt im Kongo unterstützen. Deshalb gehört jeder junge Internationalist in diesen Jugendverband: "Macht mit im REBELL!"

Die kommende Druckausgabe der "Roten Fahne" erscheint mit dem Schwerpunkt der weltweiten Flüchtlingskatastrophe. Sie kann hier bestellt werden ...