Sozialismus

NRW: Zehntausende Lehrstellen fehlen – das muss überhaupt nicht sein

NRW: Zehntausende Lehrstellen fehlen – das muss überhaupt nicht sein
(foto: yoshi5000)

02.11.13 - Die angeblich europaweit einmalige niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland war eine der zentralen Wahlkampfmythen, mit denen Angela Merkel ihre Wiederwahl organisierte. Kurz nach den Wahlen schlägt die Bundesagentur für Arbeit jetzt Alarm. 24.300 Jugendliche blieben 2013 nach offiziellen Angaben ohne Lehrstelle. 18.000 davon werden neu in Warteschleifen, Schulen oder freiwilligen Diensten geparkt. Die großen Monopolbetriebe reduzieren ihre qualifizierten Ausbildungsplätze und immer mehr kleinere und mittlere Betriebe stellen die Ausbildung komplett ein. Hintergrund der Entwicklung ist einerseits der doppelte Abiturjahrgang, der 2013 auf den Arbeitsmarkt trifft. Zudem wurde das Lehrstellenangebot um 2,7 Prozent reduziert.

Um das reale Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit zu vertuschen, aber auch um die Widersprüche zu dämpfen, gibt es in Deutschland zig sogenannte Warteschleifen. Das sind meist unentgeltliche Praktika, Berufsvorbereitungsjahre, Schulen und vieles mehr. Bereits 2012 ging der DGB davon aus, dass in Deutschland fast 300.000 Jugendliche in diesen Schleifen geparkt sind - viele bereits seit Jahren.

Hinzu kommt, dass sich jenseits des Durchschnitts insbesondere in den Großstädten des Ruhrgebiets eine dramatische Situation entwickelt. So fanden im Kreis Recklinghausen nur 42 Prozent der Suchenden eine Lehrstelle. Allein dort bleiben 4.012 Jugendliche ohne Ausbildung. Hier geht der Rückgang bei den abgeschlossenen Lehrverträgen mit fast 5 Prozent vollständig auf die Schließung der Lehrwerkstatt der RAG-Zeche Auguste-Victoria zurück. Auf 2,5 Bewerber kommt dort inzwischen nur noch eine Lehrstelle. In ganz Nordrhein-Westfalen sind es 1,4 Bewerber auf eine Lehrstelle und im Bundesgebiet 1,2 Bewerber pro Lehrstelle.

Offenbar sparen sich immer mehr Betriebe die Ausbildungskosten. Um ihren Fachkräftemangel zu stillen, setzten sie auf Zuwanderer zum Beispiel aus Süd- und Osteuropa. Die Unternehmen setzen darauf, diese Arbeitskräfte - fern der Heimat auf sich gestellt, oft gewerkschaftlich noch nicht organisiert - effektiver ausbeuten zu können. Gerade die Auszubildenden in den noch vorhandenen Lehrwerkstätten der großen Monopolbetriebe sind oft gewerkschaftlich gut organisiert und entsprechend selbstbewusst.

Toni Lenz, der jugendpolitische Sprecher der MLPD, findet es "eine bodenlose Sauerei, wie sich insbesondere die großen Monopolbetriebe aus der Verantwortung stehlen. Die MLPD fordert schon lange eine zehnprozentige Ausbildungsquote, gerade in diesen großen Unternehmen. Es ist jetzt an der zeit dies durchzusetzen." Die MLPD sieht die zum Teil in den Gewerkschaften verbreitete Forderung "Wer nicht ausbildet, soll zahlen" kritisch. "Mit einer so genannten Ausbildungsplatzabgabe könnten sich gerade die großen kapitalstarken Betriebe freikaufen", warnt Toni Lenz.

In einer sozialistischen Planwirtschaft wird die Ausbildung der künftigen Arbeitergenerationen flexibel und planmäßig organisiert. Heute haben einzelne Kapitalisten und vor allem Riesenmonopole die Verfügungsgewalt über die Ausbildung. Damit macht der Sozialismus Schluss. Statt Maximalprofit sind dann die gesellschaftlichen Bedürfnisse im Einklang mit der Natur die Triebfeder der Ausbildung.