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"Prostitution abschaffen" - ein brisantes Thema am diesjährigen Tag gegen Gewalt an Frauen

"Prostitution abschaffen" - ein brisantes Thema am diesjährigen Tag gegen Gewalt an Frauen
(foto: LeRamz)

01.11.13 - Derzeit schlagen die Wellen hoch um den Appell von Alice Schwarzer "Prostitution abschaffen". Viele bekannte Persönlichkeiten haben ihn bereits unterzeichnet. Es ist unbedingt zu begrüßen, dass dadurch das brisante Thema Prostitution und die damit verbundene Degradierung von Frauen und Mädchen zur Ware wieder verstärkt in die öffentliche Diskussion kommt. Die von der Schröder/Fischer-Regierung 2002 beschlossene Legalisierung der Prostitution hat ihrer Verbreitung und dem damit verbundenen internationalen Frauenhandel Tür und Tor geöffnet. Problematisch ist allerdings die mit dem Aufruf verbundene kleinbürgerlich-feministische Richtung, die Hauptursache der Prostitution in den einzelnen Männern an sich zu sehen.

So richtig die Kritik an den "Freiern" ist, wird damit die systemimmanente besondere Unterdrückung der Frau genauso wie die imperialistische Industrialisierung der Prostitution aus der Schlusslinie genommen. Entsprechend melden sich auch gleich Verteidiger der Prostitution zu Wort, darunter Frauen von Prostituierten-Verbänden, aber auch Vertreter der CDU. Sie rechtfertigen das mit dem angeblichen "Recht" der Frau, "ihren Körper aus freiem Willen" anzubieten und dem "Recht" der Männer, diese "Dienstleistung" zu kaufen.

Seit die Prostitution in Deutschland 2002 komplett legalisiert wurde, hat der Menschenhandel zugenommen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Universitäten Göttingen und Heidelberg. "In Deutschland, wo Prostitution legal ist, ist der Markt 60-mal größer als in Schweden, wo Prostitution verboten ist. Gleichzeitig hat Deutschland rund 62-mal so viele Opfer von Menschenhandel wie Schweden, obwohl die Bevölkerung weniger als zehn Mal so groß ist", so einer der Autoren, Prof. Dr. Axel Dreher von der Universität Heidelberg. In Deutschland geht das Bundeskriminalamt von einigen zehntausend eingeschleusten Frauen pro Jahr aus aus. Die meisten sind jünger als 20 Jahre.

Das Prostitutionsgesetz von 2002 wurde damit gerechtfertigt, dass die Legalisierung die Prostituierten schützen sollte. Aber: heute hat nicht einmal ein Prozent von ihnen einen Arbeitsvertrag, eine Krankenversicherung als Prostituierte haben die wenigsten. Vor allem aber wurde das Betreiben von Bordellen im großen Stil legalisiert. Heute wird der Zuhälter faktisch einem "Arbeitgeber" mit "Weisungsrecht" gleich gestellt. Sie betreiben heute große "Betriebe" mit Hunderten von Frauen in einem Haus und ganzen Bordell-Ketten.

Es geht um riesige Profite: Das deutsche "Lagebild Menschenhandel" von 2004 geht davon aus, dass durch eine Zwangsprostituierte jährlich zwischen 35.000 und 100.000 Euro Umsatz erzielt werden. Und seit der Legalisierung des Bordellbetreibens ist das auch eine staatliche Steuer-Einnahmequelle.

Weltweit wächst der Widerstand der Arbeiterbewegung und der kämpferischen Frauenbewegung dagegen. So gab und gibt es nicht nur in Indien, Nepal und Bangladesh Massendemonstrationen. Dieser Kampf richtet sich gegen alle Formen der Gewalt an Frauen. Zu denen zählen auch die unerträglichen Lebenszustände und Ausbeutungsbedingungen im Kapitalismus.

Am 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, den die Weltfrauenbewegung zu ihrem gemeinsamen Kampftag gemacht hat. Auch an diesem Tag ist die Auseinandersetzung um die gesellschaftlichen Ursachen der Gewalt an Frauen und den Ausweg in der Befreiung der Frau im echten Sozialismus gefordert.