Umwelt

Taifun "Haiyan": Stärkster Sturm, der je an Land traf

09.11.13 - Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 360 Kilometern in der Stunde wütete der Taifun "Haiyan" auf den Philippinen. Zur Zeit tobt er über dem Südchinesischen Meer und wird am Sonntag auf Vietnam treffen, wo Hunderttausende Küstenbewohner sich auf schlimmste Auswirkungen vorbereiten. Angeblich hat der Taifun auf den Philippinen bisher 100 Todesopfer gefordert. Diese wurden aber allein in der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte gezählt, die der Sturm am Freitag am schwersten getroffen hatte. Die wirkliche Zahl wird vermutlich sehr viel größer sein. Starkregen und Überschwemmungen verschärfen die Situation.

Die philippinische Frauenorganisation "Gabriela" sammelt seit August 2013 Spenden für die Opfer des Taifuns Maring, der tausende Familien obdachlos gemacht hat – und jetzt überrollen die Auswirkungen des schwersten Sturms aller Zeiten die Philippinen. "Haiyan" ist bereits der elfte Taifun binnen sieben Wochen. Drei davon fielen in die Kategorie fünf mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h.

Metereologen sprechen vom stärksten Sturm, der jemals auf Land getroffen ist, so Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Und er gehört zu den vier heftigsten, die überhaupt jemals gemessen worden sind. Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) der US-Marine korrigierte in den letzten Tagen die Angaben über die Windstärken ständig nach oben. Sie lagen dauerhaft bei 250 km/h. Zunächst war die Rede davon, dass "Haiyan" ebenso heftig werden könnte wie der Taifun "Bopha", der 2012 die Philippinen traf und dort 2000 Menschen tötete. Inzwischen hat "Haiyan" die bisherige Skala gesprengt und wurde mit 8,1 eingestuft.

Die US-Behörde NOAA führte aus, dass "Haiyan" "ideale Bedingungen" angetroffen habe, um sich mit Energie vollzupumpen, bevor er auf die Philippinen traf. Die Wassertemperaturen in seiner Bahn sind extrem hoch, sie liegen derzeit bei bis zu 30 Grad Celsius. Der Sturm schiebt eine rund drei Meter hohe Flutwelle vor sich her.

Tropische Wirbelstürme - also Hurrikane, Taifune oder Zyklone - entwickeln sich über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Das Ergebnis sind enorme Windgeschwindigkeiten, die insbesondere in ärmeren Ländern viele Menschenleben fordern. Die Häufung der Super-Taifune als Extremwetterlagen hängt also unmittelbar mit der Erwärmung der Weltmeere durch den Treibhauseffekt zusammen, auch wenn regionale zufällige Erscheinungen wie die dieses Jahr besonders schwachen Scherwinde über dem Pazifik eine bestimmte Rolle spielen.

Völlig zurecht sagte der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan im Interview mit der Süddeutschen Zeitung anlässlich des bevorstehenden Klimagipfels: "Letztendlich geht es ums Überleben". Und schlägt dann - bahnbrechend - eine Umweltsteuer vor! Wer wie Kofi Annan die Gefahr sieht, dass die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstört werden können und dann mit einer derart lächerlichen Konsequenz daherkommt, der nimmt den Umschlag in die globale Umweltkatastrophe bewusst in Kauf und täuscht die Massen. So wie die EU-Staaten, die zum Klimagipfel in Warschau mit einer "Korrektur" des Emissionshandels antreten.

"Nehmt ihnen die Welt aus der Hand - eh sie verbrannt"! Das war noch nie so aktuell wie heute. "Wir brauchen eine neue Qualität der Umweltbewegung" sagt MLPD-Vorsitzender Stefan Engel im Interview zur Arbeit am "Revolutionären Weg" (theoretisches Organ der MLPD) "Der Klassenkampf und der Kampf um die Einheit von Mensch und Natur": "Eine Umweltbewegung, die sich nicht nur mit Details befasst – so wichtig diese sind - und die nicht nur aufklärt, sondern einen aktiven Widerstand organisiert, der so stark sein muss, dass er den internationalen herrschenden Monopolen in den Arm fällt bei ihrer systematischen Vernichtung der Natur. Sonst werden wir diesen Prozess der Umweltkatastrophe nicht aufhalten können."

Der ICOR-Umweltkampftag am 16. November ist eine hervorragende Gelegenheit dafür, diese Selbstveränderung der Umweltbewegung in Angriff zu nehmen.

Hier kann man das ganze Interview sehen / hören.