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Bangladesch: Mutige Streiks der Textilbeschäftigten trotz Ausnahmezustand

Bangladesch: Mutige Streiks der Textilbeschäftigten trotz Ausnahmezustand
Kämperische Textilarbeiterin in Bangladesch (foto: Tazlima Akther)

13.11.13 - Seit Montag streiken zigtausende Textilarbeiterinnen und -arbeiter in Bangladesh für höhere Löhne und fordern den Rücktritt der Ministerpräsidentin Sheikh Hasina und den Einsatz einer Übergangsregierung zur Vorbereitung der Parlamentswahlen im Januar. Die Streiks sind mit Straßenblockaden, Kundgebungen und Demonstrationen begleitet. Die aktuellen Arbeiterkämpfe entstanden im Rahmen eines geplanten viertägigen Generalstreiks.

Am Dienstag versammelten sich mindestens 40.000 Demonstranten in Ashulia und Savar in der Nähe der Hauptstadt Dhaka. Es kam zu blutigen Zusammenstößen zwischen streikenden Textilarbeiterinnen und Textilarbeitern mit der Polizei. Dabei wurden mindestens 60 Arbeiter durch Nervengas und Gummigeschosse verletzt. Heute, am 13. November, blieben in Bangladesch 257 Textilfabriken in der Industriezone Savar in der Nähe der Hauptstadt Dhaka geschlossen.

Über die Forderung nach einem Mindestlohn von 8.000 Taka (76 Euro) im Monat wird seit Wochen verhandelt, allerdings ohne Ergebnis. Der Mindestlohn beträgt bisher immer noch 3.000 Taka und das angesichts anhaltender Preissteigerungen. Am 4. November hatte die Bangladesh Garment Manufactures & Exporters Association (BGMEA) einem Mindestlohn von 5.300 Taka (50 Euro) im Monat zugestimmt. Dies haben die Beschäftigen mit zahlreichen Kampfaktionen beantworteten. Als am 11. November 98 Textilarbeiter von Abir Fashion in Katherpool entlassen wurden, gingen die Proteste weiter. Verschiedene Unternehmensleitungen (unter anderem Metro, Beacon, Liberty, Midland) reagierten provokant mit Aussperrungen.

Die Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter halten entschlossen an ihren berechtigten Forderungen fest, während zugleich der Ausnahmezustand herrscht. Premierministerin Scheik Hasina von der regierenden Awami-Liga versucht durch die Entlassung und den Austausch zahlreicher Minister Handlungsfähigkeit vorzugeben.

Nach Auskunft des Internationalismus-Verantwortlichen der Communist Party of Bangladesh (CPB), Hassan Tarique Chowdhury, werden die Kämpfe fortgesetzt. Die CBP verurteilt die Aktionen der ultrareaktionär-islamistischen BNP zur Lahmlegung des öffentlichen Lebens. Sie diffamieren damit die berichtigten Aufstandsaktionen der Arbeiterinnen und Arbeiter und verbreiten Terror mit Brandstiftungen und Bombenanschlägen im Land.

Durch sie wurden tausende verletzt und getötet. Sie wollen im Vorfeld der Wahlen eine Atmosphäre der allgemeinen Unsicherheit schaffen. Nachdem in der Nacht zum 13. November die Verhandlungen unterbrochen wurden, plant die Dachgewerkschaft Bangladesh Trade Union Center - in der die CPB aktiv ist - für Donnerstag, den 14. November, eine Demonstration der Textil-, Jute- und Stahlarbeiter in der Hauptstadt Dhaka. Der Kampf richtet sich gegen die international führenden Handels- und Warenhausmonopole, die mit Billigstlöhnen und unmenschlichen Arbeitsbedingungen, die immer wieder hunderte Opfern durch Brände oder Gebäudeeinstürze fordern, ihre Extraprofite saugen.

Gleichzeitig kämpfen seit Monaten in Kambodscha Textilarbeiterinnen und -arbeiter für bessere Arbeitsbedingungen. Gestern wurde eine Frau vor der Fabrik des Textilunternehmens SL Garment Processing erschossen. In dem Werk wird Kleidung für internationale Ketten wie Gap und H&M hergestellt.

Diese Streiks finden in zwei Zentren der weltweiten Textilproduktion statt. Rund 80 Prozent der Beschäftigten sind Frauen und stellen ein Rückgrat der kämpferischen internationalen Frauenbewegung dar. Die aktuellen Kämpfe  unterstreichen die Anforderung an die marxistisch-leninistische und Arbeiterbewegung, solche Kämpfe zu einem machtvollen Strom aller Beschäftigten weltweit im Textil- und Modesektor gegen die internationalen Monopole zu koordinieren und zu revolutionieren.