Betrieb und Gewerkschaft

IG Metall deckt auf: 100.000 Leiharbeiter und 250.000 Werksverträgler in der Autoindustrie

IG Metall deckt auf: 100.000 Leiharbeiter und 250.000 Werksverträgler in der Autoindustrie
Detlef Wetzel (foto: igm)

20.11.13 - Mehr als eine Million Menschen arbeiten als Leiharbeiter oder mit Werksverträgen in der Metall- und Elektroindustrie Deutschlands. Das entspricht fast einem Drittel aller Beschäftigten der gesamten Branche. So ist im Schiffsbau nur noch gut die Hälfte der Beschäftigten fest angestellt. In der Stahlindustrie ist fast jeder Dritte ein Werksvertragsbeschäftigter. Und in der Automobilindustrie gibt es bei 100.000 Leiharbeitern und 250.000 Werksvertragsbeschäftigten nur noch 763.000 sogenannten "Stammbeschäftigte".

Die Zahlen aus einer bisher unveröffentlichten Studie der IG Metall gab am Wochenende der 2. Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, bekannt. Er soll kommendes Wochenende auf dem außerordentlichen Gewerkschaftstag Berthold Huber als 1. Vorsitzenden der IG Metall ablösen. Wetzel prangert an: "Für den gleichen Job werden dann im Werksvertrag um bis zu 60 Prozent weniger bezahlt."

Die Zahlen aus dem industriellen Kernbereich der Metall- und Elektroindustrie zeigen, dass Leiharbeit und Werksverträge eine generelles Mittel zur Drückung des Lohnniveaus und Steigerung der Maximalprofite sind.

Im Wahlkampf der bürgerlichen Parteien waren Werksverträge kaum ein Thema, können nun aber nicht mehr länger unter den Teppich gekehrt werden. "Wir haben als neuestes Thema die Werksverträge im Fokus", berichtet selbst Bundeskanzlerin Merkel von den Koalitionsverhandlungen. "Hier glauben wir, ich bin jetzt mal vorsichtig, wir haben uns noch auf nichts geeinigt." Auch wenn der SPD-Parteitag letzte Woche "Initiativen zu den Werksverträgen" beschlossen hat, ist von der möglichen Großen Koalition kein wirksames Vorgehen gegen die Lohndrückerei zu erwarten.

In einem gemeinsamen Interview in der aktuellen "Bild am Sonntag" sprachen sich die Vorstandsvorsitzenden von Daimler, Opel, VW und BMW ausdrücklich für den Beibehalt der Werksvertragsbestimmungen aus. Es ist reine Augenwischerei, wenn BMW-Chef Norbert Reithofer behauptet, "mit Werksverträgen werden in der Regel Leistungen wie Reinigungsarbeiten abgedeckt". Demnach käme auf vier Automobilarbeiter eine Reinigungskraft in den Auto-Konzernen?

Aber auch der künftige IG-Metall-Vorsitzende Wetzel versichert, er habe "nichts gegen Werksverträge generell". Deshalb fordere die IG Metall ein "gesetzliches Mitspracherecht" der Betriebsräte beim Abschluss von Werksverträgen.

Wir leben in einer kapitalistischen Klassengesellschaft, die auf der Ausbeutung der Arbeitskraft beruht. Was soll der Arbeiter bei der menschenverachtenden Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, bei Lohnraub und Arbeitsplatzvernichtung mitbestimmen? Die Arbeiter und Angestellten brauchen Gewerkschaften als Kampforganisationen für Arbeitsplätze, bessere Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen, für höhere Löhne, für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich usw. Dafür müssen Stammbelegschaften, Leiharbeiter sowie Werksverträgler, Jung und Alt gemeinsam die Initiative ergreifen.