Betrieb und Gewerkschaft

Wie weiter im Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Norgren in Großbettlingen?

Wie weiter im Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Norgren in Großbettlingen?
Kundgebung am 18. November in Großbettlingen (rf-foto)

Esslingen (Korrespondenz), 20.11.13: Über 200 Kundgebungsteilnehmer machten am letzten Montagmittag den Verkehr im schwäbischen Großbettlingen (Kreis Esslingen) schwierig. Die Norgren-Betriebsratsvorsitzende Nevin Akar berichtete von fehlender Kompromissbereitschaft bei den Managern von Norgren.

IG-Metall-Sekretär Jürgen Groß erklärte den Kampf um die Arbeitsplätze für gescheitert. Er orientierte auf Abfindungen sowie eine zweijährige Beschäftigungsgesellschaft. Zunahme von Streikbrucharbeiten über Werksverträge und Leiharbeiter im Werk, wie die inzwischen bekannt gewordene Parallelmontage im tschechischen Brünn, wohin die Arbeitsplätze verlagert werden sollen, haben die Hoffnungen auf eine ökonomische Wirkung des Streiks erschüttert.

Die Verschärfung des Kampfs wäre sinnvoll angesichts des staatlich geschützten Streikbruchs. Mit Zwangsgelder-Androhung von einer Viertelmillion Euro wird der IG Metall und den Streikenden untersagt, die Werkstore zu blockieren und sich Streikbrechern in den Weg zu stellen.

Die bundesweite Novemberausgabe der Zeitung "metall" bagatellisiert diesen optimistisch begonnenen Kampf um jeden Arbeitsplatz zur Randnotiz. Nur die "Rote Fahne" und ein Artikel in der "Jungen Welt" berichteten bislang überregional.

Die Taktik eines angeblich "formalen Streiks um einen Sozialtarifvertrag" erweist sich erneut als Sackgasse! In der Belegschaft gibt es eine intensive Diskussion, was denn nun zu tun ist. So gab es unter den Streikenden allerdings auch die trotzige Ansage, mit Schlafsack zur heutigen Betriebsversammlung im Werk zu erscheinen. "Do so‘dsch radikal werda" - ein anderer Ausruf, der zeigt, dass es trotz der gehissten Kapitulationsbereitschaft von IGM-Offiziellen noch spannend werden kann.

Die Belegschaft muss entscheiden, ob sie sich - das in Deutschland nicht vorhandene - Streikrecht herausnimmt. Ob sie ihren Streik selbständig - ohne Stempel der IGM-Spitze - fortsetzt, aber gestützt auf die Bevölkerung und die Solidarität anderer Belegschaften.