Betrieb und Gewerkschaft

Neue IG-Metall-Führung auf außerordentlichem Gewerkschaftstag abgestraft

Neue IG-Metall-Führung auf außerordentlichem Gewerkschaftstag abgestraft
Detlef Wetzel (links) zusammen mit Angela Merkel, Berthold Huber und Michael Sommer auf dem außerordentlichen Gewerkschaftstag in Frankfurt/Main (foto: IGM)

26.11.13 - Der außerordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall stand im Zeichen der Neuwahl des Vorstands. Seit Jahren gibt es eine breite Diskussion über die Richtung, die die IG Metall einschlägt. Immer wieder gab es in den letzten Jahren kämpferische Warnstreikbewegungen zu Tarifrunden, in denen hunderttausende Metaller an der Basis aktiv wurden. Auch in betrieblichen Kämpfen machten die Mitglieder ihre Gewerkschaft zur Kampforganisation. Neue Mitglieder werden gerade auch dort gewonnen, wo eine kämpferische gewerkschaftliche Vertrauensleute- und Jugendarbeit gemacht wird. Der Organisationsgrad unter der Jugend hat sich deutlich erhöht und der Mitgliederverlust wurde gestoppt.

Im Widerspruch dazu steht der Kurs der IG-Metall-Führung, die sich in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise weitgehend den Interessen des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals untergeordnet hat und in dessen bisher einmaliges internationales Krisenmanagement einbinden ließ. Vorschläge zur Einführung einer Abwrackprämie, Verlängerung des Kurzarbeitergelds und weiterer Flexibilisierung der Arbeitszeit gingen teilweise von ihr aus und wurden auf dem Rücken der Arbeiter und ihrer Familien ausgetragen.

Detlev Wetzel (60) trug für diesen Kurs als stellvertretender Vorsitzender maßgebliche Verantwortung. Das sorgt bis in den Funktionärskörper für Widersprüche. Und so wurde er mit dem zweitschlechtesten Ergebnis in der Geschichte der IG Metall zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Er erhielt 75,51 Prozent. Sein neuer Vize Jörg Hofmann (57), ehemaliger Bezirksleiter von Baden-Württemberg, erreichte ebenfalls nur 77,73 Prozent. Etwa jeder vierte Delegierte verweigerte also entweder dem neuen Vorsitzenden oder auch seinem Stellvertreter die Stimme. Und das, obwohl der außerordentliche Gewerkschaftstag kurzfristig einberufen wurde und die Basis kein Antragsrecht ausüben konnte (siehe "rf-news"-Artikel). Wenn man bedenkt, dass die allermeisten Delegierten freigestellte gewerkschaftliche oder betriebliche Funktionäre sind, gibt das einen vagen Eindruck davon, wie groß die Kritik am Kurs der IGM-Führung an der Basis ist.

Mit Detlev Wetzel, dem ehemaligen nordrhein-westfälischen Bezirksleiter wird die Rolle der IGM-Führung als Ordnungsfaktor zur Stabilisierung des kapitalistischen Systems weiter garantiert und ausgebaut. Wetzel sorgte erst vor kurzem für Empörung unter den Metallern, als er den Unternehmerverbänden Verhandlungen über niedrigere Einstiegstarifverträge anbot. Damit will er Zugeständnisse bei den verhassten "Werksverträgen" aushandeln. Schon 2007 war er bei den Metalltarifverhandlungen ein Vorreiter der Auszahlung eines Teils der Lohnerhöhungen als variable Einmalzahlung, die z.B. an die Gewinne der Unternehmen gekoppelt ist.

Das lässt keinen Zweifel an seinem Ehrgeiz, die negativ ausgerichtete Klassenzusammenarbeitspolitik fortzusetzen. Ein Bosch-Arbeiter, IGM-Mitglied seit Jahrzehnten, meint auf Nachfrage von "rf-news":

"Wetzel und sein Stellvertreter Hofmann, den wir hier in Stuttgart sehr gut kennen, vertreten im Kern dieselbe Politik der Klassenzusammenarbeit. Notwendig ist aber, dass die Gewerkschaften im Sinne der 'Dortmunder Erklärung' eine Kampforganisation zur Verteidigung und Erweiterung der sozialen und politischen Arbeiterrechte wird. Dabei haben kämpferische Vertrauensleute und Betriebsräte, die das Vertrauen ihrer Kollegen haben, ein Schlüsselfunktion. Die Internationale Automobilarbeiterkonferenz in Böblingen/Sindelfingen im Jahre 2015 wird die internationale Kampfeinheit gewiss verstärken! Es gibt nur den Weg des Kampfes um unsere Forderungen und der Auseinandersetzung um eine grundsätzliche Perspektive. Dazu gehört, dass die Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen die MLPD und klassenkämpferische Kollegen, die der MLPD zugerechnet werden, zu Fall gebracht werden müssen."