Betrieb und Gewerkschaft

Opel Bochum: "Nicht unser Kampf ist am Ende, sondern die 'friedlichen Verhandlungen'!"

Opel Bochum: "Nicht unser Kampf ist am Ende, sondern die 'friedlichen Verhandlungen'!"
Frauen des "BASTA!"-Komitees vor dem Werkstor am 9. Dezember (rf-foto)

09.12.13 - Das ist die Überschrift des Hauptartikels einer neuen Ausgabe von "Der Blitz", gemeinsame Zeitung von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland, die im Vorfeld der heute in Bochum stattfindenden Belegschaftsversammlung verteilt wurde. Wir dokumentieren den Text des Hauptartikels:

Hat GM wirklich geglaubt, sie könnten uns Bochumer so abservieren? Auf den Info-Veranstaltungen am 20. November entlud sich der ganze Hass der Kollegen: "Jahrelang hat Opel uns ausgepresst! Wo sollen wir im Ruhrgebiet noch Arbeit finden?" Giesler (IGM) und Einenkel wurde der Verrat an unseren Zielen um die Ohren gehauen: "Nicht eine Minute habt ihr gekämpft - und jetzt soll nicht mehr drin gewesen sein? Von wegen teuerste Werksschließung aller Zeiten!"

Wut und massenhafte Ablehnung des Verhandlungsergebnisses sind seitdem ungebrochen. "Mehr war eben nicht drin!" ist schon unser Motto geworden, wenn die Kette wegen Personalmangel und steigendem Zafira-Anteil mal wieder steht. Manche Kollegen quält auch die Befürchtung, dass jetzt "alles gelaufen" und die Werksschließung nicht mehr zu verhindern sei. Was ist denn hier "gelaufen"? Das ist doch nur die trügerische Hoffnung, man könnte GM ohne harten Kampf besiegen! Wegen dieser Illusion haben viele Betriebsräte und IGM-Funktionäre seit über einem Jahr vor Streik und den "Klassenkampfparolen" im BLITZ gewarnt. Jetzt stehen sie vor den Scherben ihrer "klugen und besonnenen Verhandlungstaktik". Viele sagen: "Wir dachten wirklich, die meinen es ernst mit dem 'gemeinsamen Kampf'. Jetzt wissen wir, auf wen wir uns verlassen können. Es wäre richtig gewesen, bei den Streiks im Dezember und im Mai draußen zu bleiben!" Aber der Kampf ist noch nicht "gelaufen" - er kann jetzt erst richtig beginnen, wenn wir uns von diesen Illusionen ein für allemal frei machen! (...)

 

Deswegen wäre unser Streik jetzt das richtige Signal an alle Arbeiter, mit uns in die Offensive zu gehen. Und gerade deswegen werden gezielt Ängste und Befürchtungen gestreut: "Riskieren wir mit einem Streik nicht das bisschen Abfindung und die Transfergesellschaft?" Richtig, einen Kampf ohne Risiko gibt es nicht. Aber was riskieren wir mit diesem Sozialtarifvertrag? Wir riskieren unsere materielle Existenz: Das deutsche "Jobwunder" ist eine Lüge. Nie waren laut Statistischem Bundesamt mehr Deutsche trotz Arbeit von Armut betroffen. Jeder Fünfte im Alter von 18 bis 24 und von 55 bis 64 ist heute armutsgefährdet: "Ersatzarbeitsplätze" in der Logistik und Pension Bridge lassen grüßen. Und mehr noch als das riskiert die Kapitulation der "Verhandlungsführer" unsere Ehre! Mit Streiks wie 2000 gegen die Ausgliederung von Werk II, mit 2004 und mit unseren internationalen Aktionstagen sind wir bei Opel Vorbild für andere Belegschaften und weit über die Betriebe hinaus. Leben ist Kampf - diese Erfahrung ist unauslöschlich!

Laut Einenkel ist das Aus für die Fahrzeugproduktion in Bochum alternativlos. Wer das fordere, der müsse auch sagen, welchem Standort er ein Modell wegnehmen will. Verkehrte Welt! Wir sind es doch, denen GM mit dem Zafira und Astra zwei Modelle wegnimmt! GM spielt europaweit die Werke gegeneinander aus, erpresst uns in Bochum genauso wie in Rüsselsheim, Saragossa und Ellesmere Port. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, der zieht unweigerlich den Kürzeren! Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich - und zwar im ganzen Konzern - dass muss unsere gemeinsame Antwort sein auf die Erpressung durch Akerson, Girsky und Neumann.

Es ist klar: Die Schließung von Bochum verhindern wir nicht einfach durch die Ablehnung des Sozialtarifvertrags. Man will uns einschüchtern, in der "Einigungsstelle" erwarte uns ein noch schlechteres Ergebnis. Ja, die Ablehnung des Vertrags ist nötig - aber sie muss verbunden sein mit unserem selbständigen und unbefristeten Streik im Kampf um jeden Arbeitsplatz! Wer A sagt, der muss auch B sagen!

Zu Redaktionsschluss berichtete "Offensiv"-Betriebsrätin Annegret Gärtner-Leymann von der noch laufenden Belegschaftsversammlung gegenüber rf-news": "Nachdem erneut mit Präsentationen für die 'Eckpunkte' des Sozialtarifvertrags geworben wurde, gab es viel Kritik daran. In Redebeiträgen wurde kritisiert, dass es nicht um irgendwelche Details geht, sondern dieser Vertrag insgesamt abgelehnt werden muss. Sauer waren die Kolleginnen und Kollegen auch darüber, dass uns allen Ernstes eine 'intensive Betreuung' bei der Arbeitsplatzsuche angeboten wurde und in Werbebroschüren unter der Belegschaft für das Leasing von Opel-Fahrzeugen geworben wird. Als der Betriebsrats-Vorsitzende Rainer Einenkel darüber beklagte, dass wir 'alleine da stehen', wurde im kehrtwendend vorgehalten, warum dann die solidarischen "BASTA!"-Frauen heute wieder einmal nicht zur Versammlung zugelassen wurden." (siehe Foto)