Betrieb und Gewerkschaft

Amazon-Beschäftigte weiten Streiks für Tarifvertrag aus

Amazon-Beschäftigte weiten Streiks für Tarifvertrag aus
Transparent von Beschäftigten aus Bad Hersfeld (foto: www.amazon-verdi.de)

17.12.13 - Mitten im Vorweihnachtsgeschäft weitet die Gewerkschaft ver.di die Streiks bei Amazon aus. Die am Montag in Bad Hersfeld und Leipzig begonnenen Streiks werden bis Mittwoch bzw. Freitag fortgeführt. Erstmals hat ver.di auch die Beschäftigten des Amazon-Standorts Graben bei Augsburg zum Streik aufgerufen. Damit soll das Management des weltweit größten Internethandelskonzerns zu Verhandlungen über einen neuen einheitlichen Tarifvertrag gezwungen werden. Während in Berlin die Große Koalition von CDU/CSU und SPD ihren Regierungsantritt bejubelt, sagen die Streikenden damit der von beiden Regierungsparteien zu verantwortenden Politik der Ausweitung von Leiharbeit, Befristungen und Niedriglöhnen den Kampf an.

Ende April hatten über 95 Prozent der ver.di-Mitglieder in Bad Hersfeld und Leipzig für Kampfmaßnahmen gestimmt. Insgesamt sind rund 5.000 Menschen in Leipzig und Bad Hersfeld beschäftigt. In Leipzig haben zuletzt ca. 500 Kolleginnen und Kollegen gestreikt, in Bad Hersfeld rund 400. Darunter sind nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch Leih- und Saisonarbeiter, die ihre eigene Rechnung aufmachen. Sie lassen sich nicht spalten, für Streikbrecherdienste einsetzen oder einschüchtern. 

Weltweit hat Amazon mehr als 88.000 Beschäftigte. In Deutschland sind es rund 9.000. In den acht bundesweiten Versandzentren arbeiten darüber hinaus 14.000 Leih- und Saisonarbeiter. Der Online-Händler hat seinen Umsatz im ersten Quartal 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 16,1 Milliarden US-Dollar (12,39 Milliarden Euro) gesteigert.

Als Einstiegslohn zahlt Amazon am Standort Leipzig 9,30 Euro pro Stunde, in Bad Hersfeld 10,66 Euro. Nach Einzelhandelstarif wären es 10,66 und 12,18 Euro. Zudem erhalten Amazon-Beschäftigte weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld, der Urlaubsanspruch ist ebenfalls geringer. Die Nachtschichtzulagen erreichen mit 25 Prozent nicht einmal die Hälfte der tarifvertraglich vereinbarten 55 Prozent.

ver.di-Sprecher Christoph Schmitz sagte in Berlin: "Wir werden einen langen Atem haben!" Eine ver.di-Delegation reist inzwischen nach Seattle, um vor dem Firmensitz des US-Konzerns zu demonstrieren. "Die Solidarität unter deutschen und amerikanischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist ein ermutigendes Signal und die einzig richtige Antwort an das global aufgestellte US-Unternehmen Amazon", so dazu ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. 

Morgen, am Mittwoch, ziehen die Streikenden ins Leipziger Stadtzentrum, um die überbetriebliche Solidarität zu organisieren. In einer Erklärung wendet sich der Vorsitzende des MLPD-Landesverbands Elbe-Saale, Günther Slave, an die Amazon-Kolleginnen und -Kollegen. Darin heißt es unter anderem:

"Die Landesleitung Elbe-Saale der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands erklärt sich mit eurem mutigen und zukunftsweisenden Kampf um den Abschluss eines Einzelhandelstarifvertrags zwischen der Gewerkschaft Verdi und Amazon solidarisch. ... Die MLPD wird euren Streik in ihrer Kleinarbeit weiter bekannt machen und Solidarität organisieren! ... Er ist zugleich auch eine wichtige kämpferische Botschaft an die neue Regierung der großen Koalition, gegen die weiter geplante Abwälzung der Krisenlasten auf die breiten Massen. ... Wir wünschen euch viel Erfolg, einen langen Atem und erst Recht ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2014!" (Gesamter Text der Erklärung)