Umwelt

Neue Forschungsergebnisse: Veränderte Wolkenbildung beschleunigt Erderwärmung

Neue Forschungsergebnisse: Veränderte Wolkenbildung beschleunigt Erderwärmung
foto: Mila Zinkova

02.01.14 - Die bislang noch teilweise unklaren Wechselwirkungen zwischen der Verdunstung des ozeanischen Wassers und der Erderwärmung scheinen jetzt durch die Studie eines australisch-französisches Forscherteams tiefer geklärt zu sein. Demnach führen die höheren Temperaturen dazu, dass sich der Wasserdampf zwischen den Wolken, die sich in einer Höhe von zwei bis drei Kilometern befinden, und höheren Atmosphärenschichten stärker durchmischt. Dadurch wird unteren Schichten Feuchtigkeit entzogen und es entstehen dort weniger Wolken, die Sonnenlicht ins All reflektieren. Auf diese Weise erreicht mehr Sonnenlicht die Oberfläche, was zu einer noch stärkeren Erderwärmung führt. Dieser rückwirkende Effekt sei bisher unterschätzt worden, so die Wissenschaftler um Steven Sherwood von der australischen University of New South Wales.

Während in den Jahrtausenden vor 1750 die Konzentration von Treibhausgasen (Kohlendioxid, Methan, Lachgas und andere) in der Atmosphäre konstant bei 280 ppm ("parts per million" – Anteile an einer Million Teilchen) lag, ist sie seit Beginn der kapitalistischen Produktion, vor allem infolge der Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Energiegewinnung (Kohle, Erdöl, Gas), auf fast 400 ppm gestiegen. Die Treibhausgase legen sich wie eine Decke um die Erde und absorbieren einen Teil der vom Boden abgegebenen Wärmestrahlung, die sonst in das Weltall entweichen würde.

Falls es zu einer Verdopplung des Anteils dieser Gase auf 560 ppm kommt, werde sich die Atmosphäre im globalen Durchschnitt nicht nur um 1,5 bis 4,5 Grad, wie im Bericht des Weltklimarates der UNO angenommen, sondern um 3 bis 5 Grad erhitzen, fasst Sherwood die Schlussfolgerungen der Studie zusammen. Die Auswertung von 43 Klimamodellen habe ergeben, dass die meisten von ihnen den Wasserdampf-Prozess nicht ausreichend berücksichtigten und so eine zu niedrige Erwärmung voraussagten. "Klimaskeptiker kritisieren Klimamodelle gern dafür, dass sie falsche Aussagen machen", sagte Sherwood. "Wir haben aber herausgefunden, dass die Fehler gerade von jenen Modellen gemacht werden, die weniger Erwärmung vorhersagen - und nicht von denen, die mehr prognostizieren."

Die Ergebnisse der Studie bedeuten, dass sich die Erde bis zum Jahr 2100 um mindestens vier Grad erwärmen wird, wenn nicht der Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zurückgefahren wird. Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre ist jedoch in den letzten Jahrzehnten immer schneller gestiegen. Mit der Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion zwischen 1990 und 2012 ist allein der globale CO2-Ausstoß sprunghaft um 58 Prozent auf über 36 Gigatonnen (Gt) gestiegen. Seitdem hat der Erwärmungseffekt auf das System der Luft- und Wassermassen der Erde um 32 Prozent zugenommen. Bei einer Fortsetzung allein der Zunahme des CO2-Ausstoßes wäre eine Verdopplung der Treibhausgas-Konzentration auf 560 ppm schon in etwa in 40 Jahren zu erwarten.

Die heraufziehende Klimakatastrophe als Teil des Übergangs in eine globale Umweltkatastrophe bedeutet eine beschleunigte Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit. Umfassende Maßnahmen zum Klimaschutz dürfen deshalb nicht weiter aufgeschoben werden! Dringend erforderlich ist das schrittweise Ersetzen der Energiegewinnung auf Basis fossiler Verbrennung durch alternative Energie aus Sonne, Wasser und Bioabfällen, die Senkung der Treibhausgasemissionen um 70 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2020 und eine rasche Rückführung des CO2-Gehaltes auf 350 ppm. Das kann nur durch einen organisierten weltweiten Widerstand erreicht werden. Um die Umwelt vor der kapitalistischen Profitwirtschaft zu retten, muss diese auf revolutionärem Wege überwunden werden.