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Mutig streikende kambodschanische Textilarbeiterinnen und -arbeiter von Militär überfallen

03.01.14 - In Kambodscha überfielen am heutigen Freitag Militär und Polizei brutal streikende und demonstrierende Textilarbeiterinnen und -arbeiter. Nach Angaben internationaler Medien wurden mindestens fünf Menschen erschossen. Tausende Demonstranten hatten eine Straße südlich der Hauptstadt Phnom Penh blockiert, als die Militärpolizei das Feuer auf sie eröffnete. Gestern hatte der Staatsapparat bereits eine Demonstration gewaltsam aufgelöst. Eine Fallschirmjäger-Einheit verletzte Dutzende von Demonstranten, die mit einem Marsch auf eine Textilfabrik ihrer Forderung nach Bezahlung ihres ausstehenden Monatslohns Nachdruck verliehen hatten. Unter ihnen waren auch Journalisten und Mönche, die den Protestmarsch unterstützten. Eine Woche zuvor verletzten Polizisten mehrere Teilnehmer einer Demonstration, die das Gelände um das Arbeitsministerium in der Hauptstadt Phnom Penh blockiert hatten. Die Demonstranten haben gegen die Polizeiübergriffe Barrikaden errichtet.

Rund zwei Drittel der 650.000 Arbeiterinnen und Arbeiter, die in Kambodscha für internationale Textil- und Modeketten wie Gap, Nike und H&M schuften, befinden sich seit drei Wochen in einem erbitterten Streik. 80 Prozent der kambodschanischen Textilfabriken sind geschlossen. Aus Furcht vor den kämpfenden Arbeitern sperren einige Fabrikbesitzer die Beschäftigten auch aus. Ausgangspunkt war die Ankündigung des Arbeitsministeriums, den Mindestlohn nur minimal zu erhöhen. Die Streikenden fordern eine Verdoppelung des Mindestlohns auf 160 Dollar. Ihre Proteste richten sich aber auch gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, die baufälligen Gebäude und anderes mehr.

In Kambodscha ist die Textilbranche der größte Sektor der Exportindustrie. Im Jahr 2013 betrugen die Einnahmen aus diesen Exporten – vor allem in die USA und nach Europa – rund fünf Milliarden Dollar. Ein Bericht der Stanford-Universität kam letztes Jahr zum Ergebnis, dass Löhne und Arbeitssicherheit in den vergangenen Jahren abgenommen hätten.

Die Behörden versuchten, die Streikenden mit ihrem brutalen Vorgehen einzuschüchtern, sagte ein Sprecher der Textilarbeitergewerkschaft. Die Streiks würden jedoch fortgesetzt, bis sich die Regierung zu einer neuen Verhandlungsrunde bereit erkläre. Dies sei am Donnerstag bei einem Treffen der sechs größten unabhängigen Gewerkschaften des Landes beschlossen worden.

Gleichzeitig mit den neuerlichen Streiks in der Textilbranche entwickelt sich in Kambodscha eine breite Protestbewegung gegen die Regierung des reaktionären Ministerpräsidenten Hun Sen, unter anderem wegen des Wahlbetrugs um zwei Millionen Stimmen im Juli 2013. Am 23. Dezember 2013 forderten bis zu einer halben Million Menschen - zur Teilnehmerzahl gibt es unterschiedliche Angaben - im Freedom Park und den Straßen Phnom Penhs den Rücktritt von Hun Sen. "Ministerpräsident Hun Sen hat unser Land und das kulturelle Erbe verkauft", sagte eine Frau laut "Cambodia Daily". "Unsere Bodenschätze und Wälder sind verkauft worden, wie wird die Zukunft Kambodschas aussehen?" Die Textilarbeiterinnen und -arbeiter waren auch bei diesen Protesten eine starke Kraft und trugen ihre Forderungen auf die Straße.

Wie in Bangladesch sind die vielfach seit Jahren mutig kämpfenden Beschäftigten in der Textilindustrie Kambodschas hauptsächlich Frauen. Ihr Kampf richtet sich gegen die international führenden Handels- und Warenhausmonopole. Diese versprechen nach jedem Fabrikbrand mit hunderten von Toten und Verletzten Verbesserungen bei den Sicherheitsstandards, um anschließend im Wesentlichen so weiter zu machen.

Die kämpfenden Textilarbeiterinnen in Asien gehören zum bedeutenden Rückgrat der kämpferischen internationalen Frauenbewegung. Auf der 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, die 2016 in Nepal stattfinden wird, werden sie sicher eine gewichtige Rolle spielen.