Politik

"Stuttgart 21": Unendliche Geschichte von Konstruktionsfehlern

"Stuttgart 21": Unendliche Geschichte von Konstruktionsfehlern
Montagsdemo gegen "S21" am 30. Januar 2014 (rf-foto)

11.02.14 - In schöner Regelmäßigkeit kommen neue erschreckende Fakten über die Auswirkungen von "Stuttgart 21" ans Licht. Ein Korrespondent aus Stuttgart berichtet:

Dem geplanten Trog des Tiefbahnhofs sind mehrere U-Bahnen und Haltestellen im Weg. Also müssen sie samt Gleisröhren verlegt werden. Bisher wurde behauptet, das ginge ohne Betriebsunterbrechung. Jetzt, nach 15 Jahren Planung, musste Wolfgang Arnold, Technikchef der SSB und glühender "S21"-Verfechter, zugeben, dass das nicht funktioniert.

Allein für die Verlegung der Haltestelle Staatsgalerie müssen drei zentrale U-Bahnlinien für mindestens neun Monate unterbrochen und großräumig umgeleitet werden und zwei weitere sogar für 26 Monate. Einige Haltestellen können nur mit Umsteigen und längeren Fahrt- und Wartezeiten erreicht werden. Mancher wird deshalb wieder aufs Auto umsteigen und sich auf der Straße durchquälen: Aber auch hier sollen die sieben vorhandenen Fahrspuren auf zwei bis drei verengt werden. Und das in der Stauhauptstadt Stuttgart. Das führte selbst bei der "S21"-hörigen Stadtverwaltung zu einem empörten "So nicht".

Hintergrund ist die 14. Planänderung der Bahn: Der Hauptregen- und Abwasserkanal von Stuttgart ist dem geplanten Trog im Weg. Er muss als Düker mit ca. sechs Metern Außendurchmesser unter dem Trog hindurch. Mit dem Bau sollte schon 2010 begonnen werden. Damals fand sich trotz Millionenauftrag keine Firma, die die geologischen Risiken auf sich nehmen wollte (bergmännischer Vortrieb unter Überdruck, um das Grundwasser wegzudrücken und das in tieferen Schichten anstehende Mineralwasser fern zu halten, dabei Wassereinbruch in Gipskeuperschichten verhindern wegen Quellgefahr ...). Bis heute gibt es keine realisierbare Planung. Inzwischen hat die Firma Züblin den Auftrag und schlägt eine geänderte Linienführung und eine offene Bauweise vor (19 Meter tief) mit neuen Risiken für das Mineralwasser. Diese gravierenden Behinderungen auf dem Weg zur Arbeit werden von der "S21"-Bewegung demnächst breit thematisiert.

Immer noch ungelöst sind die Brandschutzprobleme bei "S21". Jetzt hat der Physiker Christoph Engelhardt aufgedeckt, dass die Bahn bei den bislang nicht genehmigungsfähigen Konzepten auch noch von falschen Voraussetzungen ausgeht. Für die Entfluchtung werden bisher 4.000 Menschen pro Bahnsteig gerechnet, insgesamt 16.000. Engelhardt rechnet vor, dass dabei das Betriebsprogramm, mit dem die Bahn mit Müh und Not den Stresstest mit 49 Zügen pro Stunde geschafft hat, gar nicht berücksichtigt ist.

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