Umwelt

Fukushima-Jahrestag - weltweit Massenproteste gegen Atomenergie

Fukushima-Jahrestag - weltweit Massenproteste gegen Atomenergie
(foto: quapan)

10.03.14 - Provokativ kündigte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe am Vorabend des dritten Jahrestages der Fukushima-Katastrophe an, den Plan zum Wiederanfahren von Kernkraftwerken (AKW) nun umzusetzen. Noch sind alle 48 Atomreaktoren in Japan heruntergefahren. Gegen diese Pläne und für die vollständige Stilllegung aller AKW demonstrierten am Vorabend des Jahrestages nach Angaben der Veranstalter bereits mehr als 30.000 Menschen vor Abes Amtssitz und dem Parlament. Zum morgigen Jahrestag sind weitere Gedenkzeremonien für die Opfer und Kundgebungen gegen Atomkraft im ganzen Land geplant. Weltweit gibt es Massenproteste gegen die AKW.

Bereits letzte Woche wurde eine Greenpeace-Studie bekannt, die vor einer einer "neuen Ära des atomaren Risikos" warnt. Über 60 der AKW in Europa sind bereits älter als 30 Jahre, manche sind sogar über 40 Jahre alt. Der Bericht weist darauf hin, dass steigendes Alter die Gefahr eines schweren Unfalls erhöht. Davon unbeirrt planen viele Regierungen, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern und die Erzeugerleistungen noch zu steigern. Das Durchschnittsalter der 151 Atomkraftwerke in Europa beträgt 29 Jahre.

Ein neu gegründete Gruppe internationaler Experten der Kerntechnologie bestätigt, dass schwere Unfälle "nicht nur in Japan, sondern in allen nuklearen Einrichtungen der der Welt" geschehen können. Aufgrund vergleichbarer grundsätzlicher Ursachen, so die Forscher der "International Nuclear Risc Assessment Group" (Inrag), könne es überall zu vergleichbaren Unfällen kommen. Die Kernschmelze in Fukushima ist längst nicht unter Kontrolle, so die Inrag-Experten.

In Taiwan hatte am Samstag bereits rund 80.000 Menschen für den Atom-Ausstieg demonstriert. Auch in Deutschland gehen Tausende auf die Straße. Zu einer Demonstration, die am Sonntag statt fand, teilt der "Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar e.V." (BBMN) mit: "Bei unserer Kundgebung heute bei herrlichem Frühlingssonnenschein haben etwa 3.300 Atomkraftgegner vom Bahnhof Kirchheim zum Atomkraftwerk Neckarwestheim demonstriert. Motto: 'Fukushima außer Kontrolle!'. Auf der Wegstrecke wurde mit einer Installation und im Hintergrund hörbarem Geigerzählergeräusch eindrücklich an die 45 deutschen Atomstandorte erinnert. In den Redebeiträgen wurde der Beitrag der Atomindustrie zur Gesundheitsgefährdung beschrieben (Franz Wagner: 'Vom Uranabbau bis zum Atommüll zieht sich eine Spur der Verwüstung') und im Referat von Heiner Blasenbrei-Wurtz auch ein Zusammenhang zur Klima-, Braunkohle- und Fracking-Problematik hergestellt. Besonders eindrücklich waren die Gäste aus Japan, die von den Sorgen der dort von Verstrahlung betroffenen Menschen und der offiziellen Verharmlosungspolitik der Behörden berichteten. Gemeinsam mit Oshidori Mako skandierten die Demoteilnehmer 'Seikado Hantou' ('Abschalten'). Eine Botschaft aus Kyoto wurde verlesen. Weitere Infos unter www.endlich-abschalten.de." 

8.000 Menschen beteiligten sich aus Protest gegen die Nutzung der Atomkraft an Menschenketten an den acht grenzüberschreitenden Brücken am Oberrhein (Korrespondenz lesen).

Heute und morgen am Fukushima-Jahrestag werden in Deutschland über 220 Montagsdemonstrationen, Mahnwachen und andere Aktionen für die Abschaltung aller AKW stattfinden. Aufgerufen haben die bundesweite Montagsdemo-Bewegung, aber auch Umweltinitiativen wie "ausgestrahlt.de". Die MLPD und besonders ihre Umweltgruppen beteiligen sich an den Aktivitäten und werben für den Aufbau einer internationalen Widerstandsfront gegen die Umweltzerstörer. Stefan Engel, der Vorsitzende der MLPD, wird am kommenden Donnerstag und Freitag sein neues Buch "KATASTROPHENALARM - Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" in Leipzig im Rahmen der Buchmesse vorstellen (Termine).

Die nächste "Rote Fahne"-Printausgabe wird ausführlicher über die Proteste berichten.