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Opel Bochum: Beeindruckender Kampftag der Belegschaft

Opel Bochum: Beeindruckender Kampftag der Belegschaft
(rf-foto)

24.03.14 - Mit einem mehrstündigen Streik, Kundgebung, Demonstration, Straßenblockade und Autokorso zeigten die Bochumer Opelaner heute selbstbewusst Flagge im Kampf um ihre Arbeitsplätze. Bereits vor Beginn der Frühschicht wurde eine Extra-Ausgabe der Kollegen-Zeitung "Der Blitz" verteilt mit dem Titel: "Heute zur Kundgebung um 11.55 Uhr! Ja zum Kampf – Nein zum Kniefall!" Damit sprach er der Mehrheit aus dem Herzen. Nach Angaben der IG Metall versammelten sich über 1.000 Kolleginnen und Kollegen vor der Rundsporthalle, wo heute Verhandlungen zwischen der IG Metall und Opel liefen. "Fast die komplette B-Schicht ist da", erklärte ein Kollege gegenüber "rf-news". "Seit 10.30 Uhr ruht die Produktion im Bochumer Opel Werk." Gemeinsam, entschlossen und selbstbewusst kam eine größere Gruppe aus dem Werk, mit Kolleginnen und Kollegen der "Offensiv"-Betriebsratsliste an der Spitze. Sie eröffneten um 11.30 Uhr ein offenes Mikrofon.

Am offenen Mikrofon sprach die "Offensiv"-Betriebsrätin Annegret Gärtner-Leymann, gefolgt vom stellvertretenden Vertrauenskörper-Leiter Steffen Reichelt und weiteren Opel-Kollegen. Solidarität überbrachten unter anderem der Landesvorsitzende der MLPD, Jupp Eicker, Kollegen von ThyssenKrupp Duisburg, von Johnson Controls, Frauen der BASTA-Gruppe und von "Courage" sowie Vertreterinnen des Solidaritätskreises. Weitere Solidaritätsdelegationen aus den Betrieben des Ruhrgebiets waren vor Ort, unter anderem von Bosch Rexrodt aus Witten oder Bergarbeiter von Auguste Victoria in Marl. Vor allem wurde Opel/GM ins Visier genommen. Ein Konzern, der für seine Profite rigoros die Werksschließung in Bochum betreibt. Damit ruiniert er die Existenz zehntausender Familien bei Opel, Zulieferern, aber auch Selbstständige, Händler usw.

Um kurz vor 12.00 Uhr begann dann die offizielle Kundgebung der IG Metall. In wohlfeilen Worten versuchte IGM-Bezirksleiter Knut Giesler die Einrichtung einer zweijährigen Transfergesellschaft als Erfolg zu verkaufen. Als Trostpflaster wurde der Erhalt von 265 Arbeitsplätzen bei den Ersatzteilen verkündet. Er bat, die Verhandlungen ungestört führen zu können. Es würde zum Besten aller verhandelt. Aber die Stimmung in der Belegschaft ist ganz anders. Die Kolleginnen und Kollegen sind geladen und wollen um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Keine Hand regt sich zum Applaus für Giesler. Im Gegenteil fielen Zwischenrufe wie: "Was soll das?" oder "Was tun wir hier überhaupt?"

Man muss wissen, dass die IG-Metall-Bezirksleitung und die rechte Betriebsratsspitze um Rainer Einenkel die heutige Kundgebung nur auf massiven Druck der Belegschaft kurzfristig und schlecht organisierten (mehr dazu). Der Ablauf war von ihrer Seite dann auch ein erbärmliches Schauspiel.

Auf Giesler folgte Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel, der aber ebenfalls nichts Neues zu berichten wusste. Im weiteren schob er Opel-Personalvorstand Ulrich Schumacher mit den Worten: "Herr Schumacher, sie hätten schon längst vor diesen Menschen sprechen sollen", nach vorne. Was dieser dann ablieferte, brachte die Stimmung auf dem Platz zum Kochen. In dürren Sätzen erklärte er, dass die Werksschließung nicht persönlich zu nehmen sei. Die Bochumer Opelaner würden wunderbare Autos bauen. Dann verschwand er schnell vom Mikrofon. "Wir wollen arbeiten" und "Das ist doch wohl ein schlechter Witz" waren noch die harmlosesten Rufe, die Schumacher auf seinem eiligen Weg vom Podium begleiteten.

"Da hätte man sich mehr erwartet", so die IG-Metall-Bevollmächtigte für Bochum-Herne, Eva Kerkemeier. Mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen beendete sie dann die Kundgebung - vor den Augen der fassungslosen Kolleginnen und Kollegen nach nur einer halben Stunde und unter gellenden und empörten Pfiffen. Kollegen berichteten gegenüber "rf-news", dass Kerkemeier später gegenüber der Presse vor allem über die MLPD herzog, statt Opel/GM zu kritisieren.

Steffen Reichelt sollte gar nicht mehr sprechen dürfen und das Mikrofon wurde ihm abgestellt. Aber schnell waren Ersatzlautsprecher da. Ein richtiger Meinungskampf entbrannte, ob man sich so einfach nach Hause schicken lässt. Viele Kolleginnen und Kollegen rangen mit sich. Aber es kam kaum Frust oder Resignation auf.

Bis zu 250 Kolleginnen und Kollegen demonstrierten dann auf die Castroper Straße, wo sie rund eine halbe Stunde die Kreuzung zum Stadionring blockiert hielten. "Die Presse und alle sollen wissen: Wir Opelaner leben noch und stehen hier für unser Werk", so ein Kollege auf der Kreuzung. Jeder vierte Autofahrer, der durch die Blockade im Stau stand, spendete für die Streikkasse - auch hier große Zustimmung und Solidarität.

Es folgte ein gemeinsamer Autokorso zum Tor 4. Dort wurde die Aktion vorerst beendet. Allen war der Stolz über die gelungene Aktion ins Gesicht geschrieben. Die Blockade war der unumstrittene Höhepunkt des Tages.

Steffen Reichelt, Kandidat auf der Liste von "Offensiv" für die bevorstehenden Betriebsratswahlen und stellvertretender Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörper ist mit dem Tag rundum zufrieden. "Heute war ein ganz wichtiger Tag in der Richtungsentscheidung der Belegschaft", so der Bochumer heute Nachmittag gegenüber "rf-news". "Es wurde glasklar, dass nicht nur 'Offensiv', sondern eine große Mehrheit der Belegschaft nicht bereit ist, sich stillschweigend abwickeln zu lassen." Es war ein Tag der wachsenden Klassenselbstständigkeit und des Schulterschlusses aller, die für den Erhalt des Werkes kämpfen wollen.

Die Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung "Der Blitz" lesen:

Seite 1

Seite 2

Pressemitteilung der "Offensiv"-Betriebsratsliste zum heutigen Tag