Betrieb und Gewerkschaft

Betriebsratswahlen bei Opel Bochum: "Dieses Ergebnis ist eine Richtungsentscheidung"

Betriebsratswahlen bei Opel Bochum: "Dieses Ergebnis ist eine Richtungsentscheidung"
Steffen Reichelt spricht bei der Besetzung der Castroper Straße (rf-foto)

11.04.14 - Bei den Betriebsratswahlen im Opel-Werk Bochum, die am 9. April stattgefunden hat, hat die Liste "OFFENSIV - Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel in Bochum" mit 13,87 Prozent der Stimmen einen großen Erfolg verbucht. Ab jetzt ist OFFENSIV mit drei Betriebsräten statt nur einem Sitz vertreten. "rf-news" sprach dazu mit dem dem stellvertretendem IG-Metall-Vertrauenskörperleiter Steffen Reichelt, der auch auf der OFFENSIV-Liste kandidiert hat und einem der frisch gewählten Betriebsräte, Rainer Weinmann:

Wie bewertest Ihr das Ergebnis?

Das Ergebnis ist ein Riesenerfolg. Wir alle sind total zufrieden und glücklich. Sowohl wir von OFFENSIV als auch viele Kollegen, die uns unterstützt haben, beglückwünschen uns. Sie sind aber auch selbst stolz auf dieses Ergebnis. Wir hatten uns im Vorfeld der Wahl das Mindestziel gesetzt, dass wir das Mandat, das wir bisher hatten, verteidigen. Unser Ziel war, dass wir zwei Sitze erhalten – also eine Verdoppelung. Alles was darüber hinausgeht, bewerten wir als wichtigen Erfolg. Genau das ist jetzt auch eingetreten. Das muss auch in dem Zusammenhang gesehen werden, dass die Belegschaft in den letzten Jahren kleiner geworden ist. Wir hatten vorher ein Mandat bei 31 Betriebsräten und haben jetzt drei Mandate von 25 Betriebsräten. Unser Stimmenanteil ist gegenüber der Wahl von vor vier Jahren von ca. 5,4 Prozent auf fast 14 Prozent gewachsen.

Dabei ist für uns wichtig, dass wir nicht nur in den "Hochburgen" unserer Arbeit, wie z.B. in der Fertig- und Endmontage, gute Ergebnisse geholt haben, sondern uns in allen Bereichen im Werk stimmenmäßig zum Teil massiv stärken konnten. Ob das jetzt Werk III ist oder die Lackiererei, wo wir bisher wenige Stimmen hatten und nun deutliche Zugewinne haben. Nirgends haben wir weniger als 7,5 Prozent. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil man bei einer Listenwahl sich für eine Liste entscheiden muss - man konnte nicht Leute unterschiedlicher Listen wählen.

In den letzten Wochen meinten immer mehr Kollegen, "wir sind nicht mit allem einverstanden, was die 'Roten' so sagen, aber sie haben Rückgrat und stehen dafür, dass wir uns GM nicht ergeben". Die monatelange antikommunistische Stimmungsmache und Hetze gegen OFFENSIV hat deutlich an Wirkung verloren - das ist eins der wichtigsten bleibenden Ergebnisse des Wahlkampfs.

Wir hatten von Anfang an gesagt: "Wir treten hier nicht nur an, um eine bessere Betriebsratsarbeit zu machen." Wir sehen diese Wahl auch als eine Richtungsentscheidung an. Ein bedeutender Teil der Belegschaft hat sich in diesem heftigen Kampf um die Richtung – Kampf um jeden Arbeitsplatz oder Kapitulation vor der Werksschließung – bewusst für OFFENSIV entschieden! Und das trotz einer zum Teil heftigen Hetze im Vorfeld, wo den Kollegen gesagt wurde: "Wenn ihr OFFENSIV wählt, dann riskiert ihr eure Abfindung und die Verhandlungen." Es ist eine klare Stärkung der Richtung, die für den Kampf um das Werk und um jeden Arbeitsplatz steht. Aus dieser Wahl gehen wir gestärkt hervor und werden das morgen Abend auf unserer Wahlfete auch gebührend feiern.

Welche Schlüsse zieht ihr für eure weitere Arbeit?

Wir von OFFENSIV haben in den letzten Monaten nicht nur in Redebeiträgen und Flugblättern klar Stellung bezogen, dass wir das Werk nicht aufgegeben haben und dass wir für den Kampf um jeden Arbeitsplatz stehen. Das haben wir auch praktisch unter Beweis gestellt. Mehrfach standen wir vorne dran, wenn sich die Belegschaft mit mehrstündigen Streiks gewehrt und sich nicht auf die Kapitulation eingelassen hat. Zuletzt am 24. März, wo wir bei der IG Metall-Kundgebung nicht akzeptiert haben, dass die Leute nach einer halben Stunde allgemeinem Gerede wieder weg geschickt werden. Wir sind dann auf die Castroper Straße demonstriert, haben diese Straße auch besetzt und eine Kundgebung durchgeführt.

Im übrigen muss gesagt werden, dass der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel sich jetzt in den Medien wie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" als der große Gewinner dieser Wahl darstellt. Bei all den Einflussmöglichkeiten, die er hat und all der Angstmacherei, die er im im Vorfeld im Hinblick auf die Abfindungen betrieben hat, war nichts anders zu erwarten, als dass er die absolute Mehrheit der Stimmen holen wird. Aber er hat ja hier auch deutliche Einbußen hingenommen. Dieser Weg der Kapitulation hat deutliche Verluste erlitten.

Man muss auch wissen, dass über 1.000 Kolleginnen und Kollegen gar nicht zur Wahl sind. Und das sicher nicht, weil sie mit der Betriebsratsmehrheit einverstanden sind. Die Wahlbeteiligung sank von 85 Prozent auf knapp 72. Wir werden jetzt weiter alles daran setzen, die kämpferische Richtung zu stärken und diesen Kampf vorzubereiten und auch durchzuführen. Wir ruhen uns nicht auf unseren Sesseln aus. Unsere drei Betriebsräte Annegret Gärtner-Leymann, Klaus Leymann und Rainer Weinmann und wir alle werden alles daran setzen, diesen Kampf vorzubereiten und zu entwickeln.

Dafür und euren Kampf alles Gute und vielen Dank für das Interview!