Umwelt

Knapp 400 Besucher bei Stefan Engels Buchvorstellung "Katastrophenalarm ..."

Knapp 400 Besucher bei Stefan Engels Buchvorstellung "Katastrophenalarm ..."
Stefan Engel bei der Buchlesung in Gelsenkirchen (rf-foto)

10.04.14 - "Ich bin tief beeindruckt von dem Buch", so ein Stahlarbeiter aus Dortmund nach der Lesung mit dem Autor Stefan Engel zum Buch "Katastrophenalarm - Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" am gestrigen Mittwoch in Gelsenkirchen. Knapp 400 Menschen erlebten eine überzeugende und begeisternde Veranstaltung. Doch zunächst gab es eine Überraschung.

Der anwesende stellvertretende Hauptkoordinator der ICOR (Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen), Sanjay Singhvi, nutzte zu Beginn die Gelegenheit. Er berichtete, dass vor Kurzem in Europa erfolgreich die zweite Weltkonferenz der ICOR stattgefunden hat. Sie war mit 28 Delegationen aus 24 Ländern sowie zwei Gastdelegationen im Geist großer Einheit und Kameradschaft durchgeführt worden. 14 Resolutionen wurden verabschiedet, darunter auch eine, in der sich die ICOR verpflichtet, alles für die Verhinderung der drohenden globalen Umweltkatastrophe zu tun. Stefan Engel wurde wieder zum Hauptkoordinator gewählt.

Zu Beginn der Lesung begründete Stefan Engel, warum das Buch vom fundamentalen Gesetz der grundlegenden Einheit von Mensch und Natur ausgeht und eine Anleitung zur notwendigen weltanschaulichen Auseinandersetzung damit gibt. Statt den Mensch als Teil der Natur zu verstehen, ist innerhalb der Umweltbewegung der idealistische Standpunkt einer Gegenüberstellung von Mensch und Natur verbreitet. Stefan Engel umriss in seinem Beitrag die wichtigsten Eckpunkte des Buches.

Scharf ging er mit den bürgerlichen Parteien und ihrer Politik der angeblichen Vereinbarkeit von kapitalistischer Ökonomie und Ökologie ins Gericht: "Die haben für alles Öko-Begriffe, da werden Müllverbrennungsanlagen zu Anlagen der thermischen Verwertung, die unterirdische Kohlendioxid-Verpressung wird als Klimaschutz deklariert. ... Solche grünen 'Gütesiegel" sind ein Etikettenschwindel, vor allem um von der drohenden globalen Umweltkatastrophe abzulenken und Aktivität vorzutäuschen."

Ausführlich setzte er sich mit der antikommunistischen Hetze auseinander, die den Sozialismus und insbesondere Stalin als besonders umweltzerstörerisch diffamiert. Dabei war es gerade Lenin und ihm folgend Stalin, die beim Aufbau des Sozialismus größten Wert auf die Förderung der Wasserkraft, den Schutz des Waldes oder Aufforstungsprogramme gegen Wüstenbildung legten. Nach Stalins Tod sahen kleinbürgerliche Bürokraten ihre Stunde gekommen. So wurde wenige Tage später z.B. das Forstministerium aufgelöst. Vereinigte sozialistische Staaten der Zukunft werden aus der Pionierarbeit der früheren sozialistischen Länder viel lernen können, die im Buch gründlich ausgewertet wird.

Heute wird die Einheit von Mensch und Natur unter dem Diktat des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals untergraben, deformiert und zerstört. Helle Empörung kam unter den Besuchern auf, als Stefan Engel mit Originalzitaten Planungen von US-Strategen belegte, die ganz offen vom Übergang zur globalen Umweltkatastrophe ausgehen. Sie wollen Militär bis hin zu Atomwaffen gegen Massenfluchtbewegungen und Massenproteste einsetzen. Das unterstreicht die Notwendigkeit des weltweiten aktiven Widerstands zur Rettung der Umwelt und des Bündnisses des Proletariats mit allen Unterdrückten auf der Welt. Das erfordert eine Selbstveränderung der Menschen, der Umweltbewegung, aber auch der Arbeiterbewegung.

In der anschließenden Diskussion meldeten sich rund ein Dutzend Gäste zu Wort: Jugendliche, Mitglieder von Umweltgruppen der MLPD aus dem Ruhrgebiet, Arbeiter, aber auch Akademiker. Deutlich wurde, dass das Buch als Streitschrift verstanden wird und eine Hilfe ist, eigene Erfahrungen z.B. mit "Greenwashing" einzuordnen und verarbeiten zu können. Ein Arbeiter meinte dazu: "Ich freue mich schon auf die Auseinandersetzung mit der Geschäftsleitung gegen ihre Position zum Handel mit Verschmutzungsrechten." 

Ein Hauptproblem der Umweltbewegung sieht Stefan Engel darin, vor allem zu reagieren, statt perspektivisch zu arbeiten. Ein Kollege berichtete, dass viele Menschen heute eine "dunkle Ahnung haben, was an Umweltzerstörung auf uns zukommt". Stefan Engel bezog Postion dagegen, aus negativen Gefühlen heraus die Dinge zu beurteilen, was oft lähmend wirke, wogegen die wissenschaftliche Klarheit mobilisiere: "Alles was der Mensch tut, muss vorher durch seinen Kopf." Viele Menschen mit solchen "dunklen Ahnungen" verschließen dann die Augen und wollen es lieber gar nicht so genau wissen.

Auf allgemeines Unverständnis stieß ein Beitrag, der umfassende Kritiken am Buch "Katastrophenalarm ..." äußerte, ohnes überhaupt gelesen zu haben. Stefan Engel forderte auf, sich nicht nur das Buch gründlich zu eigen zu machen, sondern aktiv bei der Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft mit anzupacken. "Am besten als Mitglied der MLPD", so der 60-jährige gelernte Schlosser. Der Abend endete mit der Bekanntgabe eines Spendenergebnisses von über 700 Euro und dem gemeinsamen Singen der "Internationale".