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Zum Tod des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez

Zum Tod des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez
Gabriel García Márquez

19.04.14 - Am Donnerstag, dem 17. April 2014, ist in Mexiko-Stadt der große kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez im Alter von 87 Jahren gestorben. Zuvor war er längere Zeit sehr krank gewesen, er litt an Krebs und Altersdemenz. Sein letztes Buch ist vor zehn Jahren erschienen. Menschen auf der ganzen Welt, vor allem in Lateinamerika, trauern um ihn. Musiker, Schriftsteller, Fußballer, Arbeiterinnen und Arbeiter, Politiker und Wissenschaftler/-innen würdigen sein Lebenswerk und seine Persönlichkeit. In Kolumbien wurde angesichts des großen Ansehens von García Márquez unter den Massen eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Eine Beileidskundgebung von US-Präsident Barack Obama gehört sicher nicht zu den größten Ehrungen. Doch zeigt die weltweite Welle der Anteilnahme vor allem, dass Person und Werk des Literaturnobelpreisträgers Respekt genießen. Gabriel García Márquez leistete einen großen Beitrag für die kulturelle Identität der Massen Lateinamerikas.

Ein kleines Selbstporträt aus dem Jahr 1966 gibt Einblick in seine humorvolle Art: "Ich heiße Gabriel García Márquez, mein Herr. Bedaure: Auch mir gefällt dieser Name nicht; er ist doch nur eine Aneinanderreihung von Allerweltsnamen, mit denen ich mich noch nie identifizieren konnte. Ich wurde in Aracataca, Kolumbien, geboren, vor fast 40 Jahren, und ich bereue es noch nicht. Fisch ist mein Sternzeichen, Mercedes meine Frau. Das sind die zwei wichtigsten Dinge, die mir in meinem Leben passiert sind, denn mit ihrer Hilfe konnte ich, bis heute wenigstens, schreiben – und lebe noch." 

Er wurde auf einen Schlag weltberühmt mit dem Roman "Hundert Jahre Einsamkeit", der 1967 erschien. Das Werk war auch ein Türöffner für die lateinamerikanische Literatur auf der ganzen Welt. Auf der Frankfurter Buchmesse 1976 war Lateinamerika Schwerpunktthema. Im Jahr 1982 erhielt García Márquez den Nobelpreis für Literatur.

"Hundert Jahre Einsamkeit" ist die Geschichte einer kolumbianischen Familie und des von ihr gegründeten Dorfes Macondo über sieben Generationen. Die Bewohner sind anfangs durch den Regenwald von der Umwelt isoliert und kommen gut ohne Kirche, staatliche Verwaltung und Wirtschaftsbeziehungen aus. Dann wird ihr Dorf durch eine Bahnlinie erschlossen … . Mit dem Roman, den Literaturwissenschaftler einem "magischen Realismus" zurechnen, hat Gabriel García Márquez seiner Heimat an der kolumbianischen Atlantikküste ein Denkmal geschaffen. "Magisch" sind die phantastischen Einfälle und die unglaubliche Fabulierkunst. Diese verdanke er den Geschichten seiner Großmutter. "Der Ton, den ich verwendete, basierte auf der Art und Weise wie meine Großmutter erzählte", schrieb García Marquéz einmal. "Realistisch" ist sein Werk, weil es aus den Massen schöpft, ihr hartes Leben darstellt, und ihre Lebensfreude. "Der Vulkan spie Träume, Tausendundeine Nacht kamen aus seinem magischen Schlund", schrieb Pablo Neruda über den Freund.

Nach einem Jurastudium in Bogotá arbeitete Gabriel García Márquez zunächst als Journalist. Er schrieb politische Reportagen, die den damaligen kolumbianischen Diktator Roja in Rage brachten. García Márquez ging ins Exil nach Mexiko und Spanien.

Es folgten Geschichten und Romane wie "Die Liebe in den Zeiten der Cholera", "Der Herbst des Patriarchen", "Chronik eines angekündigten Todes", "Der General in seinem Labyrinth". Eines seiner politisch parteilichsten Bücher ist "Das Abenteuer des Miguel Littín – Illegal in Chile", eine Reportage über den sechswöchigen illegalen Aufenthalt des Filmemachers Miguel Littín in Chile im Frühjahr 1985 und die geheimen Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über das Land während der Pinochet-Diktatur.

Wegen seiner Parteinahme für die kubanische Revolution und Fidel Castro war Gabriel García Márquez dem US-Imperialismus und seinen Vasallen stets ein Dorn im Auge. Die Lebenslüge der Revisionisten, dass Kuba der letzte verbliebene sozialistische Staat sei, durchschaute Gabriel García Márquez nicht. Dies missbrauchte der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa zu einer reaktionären Kritik an Márquez: er sei ein "Höfling Castros". Die reaktionäre kolumbianische Abgeordnete María Fernanda Cabal twitterte gestern, sie hoffe, Márquez und Castro mögen sich in Kürze in der Hölle treffen. Der Tweet löste eine Welle der Empörung aus.