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Ein Jahr nach der Rana-Plaza-Katastrophe in Bangladesh

Ein Jahr nach der Rana-Plaza-Katastrophe in Bangladesh
Das eingestürzte Gebäude am 24.4.13 (foto: wikipedia)

23.04.14 - Am 24. April 2013 stürzte das Rana-Plaza-Fabrikgebäude in der Nähe der Hauptstadt Dhaka in sich zusammen. Die Katastrophe forderte 1.133 Todesopfer und über 2.500 zum Teil Schwerstverletzte. Bis heute bleibt das Schicksal von zahlreichen Vermissten ungeklärt. Eine letzte Lebende konnte leicht verletzt am 10. Mai - gut 16 Tage nach dem Einsturz - in einer Lücke im Erdgeschoss oder Keller geborgen werden. Weitere gerettete Frauen gründeten Gewerkschaftsgruppen. Ihre Entschlossenheit steht für das neue Selbstbewusstsein, dass unter den Frauen Bangladeshs in den letzten Jahren erwacht ist.

In den bürgerlichen Medien wird viel über die Katastrophe und die Hintergründe berichtet. Aber sie bleiben bei Appellen an die Konzerne stehen. Mindestens 28 Firmen bezogen Textilien aus dem eingestürzten Gebäude: KiK, Adler Modemärkte, NKD, Kids Fashion Group, C&A – genauso wie Mango, Benneton, Primark. Sie proftieren von der Überausbeutung der Textilarbeiterinnen. Warum sollten ausgerechnet sie etwas an der Lage ändern?

Bis heute müssen die Opfer um Entschädigungen kämpfen. Der internationale Entschädigungsfonds soll zwar 40 Millionen Euro betragen, bisher haben die Konzerne aber nur sieben Millionen eingezahlt – und das auch nur, weil die extremen Ausbeutungsbedingungen in der Textilindustrie von Bangladesh weltweit für Empörung gesorgt haben.

Etwa 4,4 Millionen Beschäftigte arbeiten in den rund 5.000 Textilbetrieben des Landes, der Großteil davon Frauen. Sie schaffen rund 80 Prozent des Gesamt-Exports von Bangladesch, das nach China der weltweit größte Textilexporteur ist. Die Löhne und Arbeitsbedingungen liegen etwa 50 Prozent unter dem Niveau der asiatischen Konkurrenten Vietnam und Kambodscha und bei einem Viertel des Niveaus von China.

Gleichzeitig wurden viele Gewerkschaften und NGOs gefördert, die den Weg der Klassenzusammenarbeit verankern. Diese Klassenzusammenarbeitsrichtung wird von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) der Bundesregierung in erheblichem Umfang finanziert. Neu ist, dass Firmen mit Einsparungen bei Wasser, Strom und Treibhausgasen werben – das hilft den Modemarken, ihre Öko-Labels zu rechtfertigen. Greenwashing zieht auch in Bangladeshs Textilindustrie ein.

Im September und November 2013 kam es zu Massenstreik gegen Hungerlöhne in der Textilindustrie für die Erhöhung des Mindestlohns – mehrere hundert Betriebe standen still, 10.000de blockierten Hauptverkehrsstraßen. Trotz massivem Einsatz von Wasserwerfern und Gummigeschossen und faschistisch-fundamentalistischem Terror setzten die Arbeiterinnen und Arbeiter eine Erhöhung des Mindestlohns von 28 auf 49 Euro durch.

Joly Talukder, Führerin der kämpferischen Gewerkschaft Garment Workers' Trade Union Center (GWTUC) steht für den Weg der Klassenselbständigkeit. Sie ist auch eine der Asienkoordinatorinnen im Weltfrauenkonferenzprozess. Sie berichtete, dass die Arbeiterinnen der Textilindustrie mit großem Mut kämpfen, aber zu wenig organisiert sind und dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad sprunghaft steigt, wenn es der GWTUC gelingt, Vollzeit-Organizerinnen einzusetzen.

Das griffen ver.di-Frauen vor allem aus Duisburg auf und starteten das "Project Joly". Mit Aktionen informierten sie und sammelten Spenden. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März konnten sie das erste Jahresgehalt für eine Organizerin an die GWTUC überweisen – 600 Euro. Joly Talukder schrieb im Namen ihrer Gewerkschaft zurück: "Ihr habt wirklich einen bemerkenswerten Beitrag geleistet, der uns nicht nur materiell weiterhilft, sondern uns auch für eine lange Zeit inspirieren wird." (Der vollständige Briefwechsel ist veröffentlicht auf www.worldwomensconference.org)

Wer diesen Weg mit unterstützen will – es wird weiter gesammelt! Spenden an: Verein z. F. Weltfrauenkonferenz, Stichwort Projekt Joly, IBAN: DE68424614355608718401, BIC: GENODEM1KIH

Joly wird auf dem 11. Frauenpolitischen Ratschlag über ihre Arbeit berichten – mehr Infos unter www.frauenpolitischerratschlag.de.