Umwelt

Das Gift, das aus der Tiefe kam - die Ölpest im Münsterland

Das Gift, das aus der Tiefe kam - die Ölpest im Münsterland
Erdölaustritt in Münster (foto: gegen-gasbohren-kleve.de)

29.04.14 - Das Münsterland in Nordrhein-Westfalen ist bekannt durch seine schönen Landschaften und Naturschutzgebiete. Es ist ein beliebtes Erholungs- und Feriengebiet vor allem auch für die Menschen im Ruhrgebiet. Auf vielen Flächen wird noch Landwirtschaft betrieben.

Aber vor zwei Wochen sahen Anwohner in Wassergräben schillernde Flecken - Erdöl! Kurz vor Ostern stand Bauer Sundermann auf seiner Kuhwiese in Epe bei Gronau - mitten in einem Naturschutzgebiet - knöcheltief im Öl. Seitdem wird eine Vergiftung in immer größerem Ausmaß festgestellt. 50 Liter in der Stunde - 1.200 Liter täglich - sickern seit Tagen an drei verschiedenen Stellen aus dem Erdreich. 100 Experten untersuchen in Schutzanzügen und Atemmasken Böden und Gewässer. Ohne Zweifel tickt zwischen Gronau und Ahaus eine Zeitbombe im Untergrund ...

Seit mehr als 30 Jahren gibt es hier unterirdische Kavernen, drei für Erdöl und 80 für Erdgas. Mit Wasser wurden riesige Hohlräume im Salzstock ausgespült, die durch Leitungen mit der Oberfläche verbunden sind. In über 1.000 Metern Tiefe wurden 1,4 Milliarden Liter Erdöl in die Hohlräume gepumpt.

Aufgebrachte Anwohner wollten Genaueres vom Betreiber der Kavernen, der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen SGW, wissen. Sie gehört zu SOLVAY, einem internationalen Chemiemonopol mit 29.400 Beschäftigten in 56 Ländern und 9,9 Milliarden Euro Umsatz. Auch Bayer ist an der SWG beteiligt. Die Speicher für Erdgas und Rohöl wurden nicht nur für die deutsche strategische Erdölreserve genutzt, sondern auch von den internationalen Energiemonopolen Eon-Ruhrgas, RWE und BP.

Im Öl ist auch das krebserregende Benzol enthalten. 35.000 Liter Öl wurden bereits abgepumpt, 1.000 Tonnen Erdreich abgetragen, zehn Kühe mussten getötet werden. Die SGW gab zu, dass sie schon vor zwei Monaten einen Druckabfall in den Kavernen festgestellt hatte. Die Bezirksregierung in Arnsberg genehmigte die Anlage und hat gleichzeitig auch die Aufsicht. Sie beteuert, der Bevölkerung drohe keine Gefahr. "Alles ein Klüngel", kommentierten die Anwohner. Auch Landesumweltmister Remmel von den Grünen äußert zwar seine Besorgnis, versucht aber zugleich zu beruhigen. Doch am letzten Mittwoch wurden in dem Naturschutzgebiet Spuren von Öl auch im Grundwasser gefunden!

Untertage-Deponien und Kavernen haben ein entscheidendes Problem: Geht etwas schief, ist die Quelle der Vergiftung nur schwer festzustellen und kaum oder gar nicht zu erreichen. So wurden in NRW 1,6 Millionen hochgiftiger Sondermüll in elf Zechen eingelagert. Die Ruhrkohle AG (RAG) kassierte dafür Millionen Extraprofite. Bei der geplanten Flutung der verfüllten Strecken ist eine Vergiftung des Grundwassers nicht mehr zu kontrollieren. Das droht eine regionale Umweltkatastrophe von Westfalen bis zu den Niederlanden auszulösen.

Die Untertage-Einlagerung von Erdöl, Erdgas, Müll, Giftstoffen, Atomabfällen ist entgegen allen Beteuerungen keine Lösung, sondern eine Zeitbombe – das erweist die Ölpest im Münsterland einmal mehr. Das Buch "Katastrophenalarm! ..." deckt auf, dass die Vermüllung, Vergiftung und Verschmutzung des Planeten ein Bestandteil der Entwicklung hin zu einer globalen Umweltkatastrophe ist. Sie würde die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstören. "Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft!" Diese Losung ist für die MLPD im Europawahlkampf, wie auch bei den Kommunalwahlen in NRW von grundlegender Bedeutung.