Betrieb und Gewerkschaft

Es lebe der 1. Mai - der internationale Kampftag der Arbeiterklasse

Es lebe der 1. Mai - der internationale Kampftag der Arbeiterklasse
1. Mai in Hamburg

01.05.14 - Millionen Menschen rund um die Welt, vor allem aus der Arbeiterklasse, haben heute für ihre Rechte, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen und für eine lebenswerte Zukunftsperspektive demonstriert. Für viele ist das der Sozialismus/Kommunismus. Rund um die Welt haben unter anderem die ICOR-Organisationen zum gemeinsamen Kampftag der Arbeiterklasse aufgerufen. In Deutschland ist die MLPD Mitglied der revolutionären Weltorganisation ICOR. Sie hat unter der Losung "Kampf der Ausbeutung von Mensch und Natur - Echter Sozialismus!" zu den Aktivitäten gerufen. An den Aktivtäten des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) beteiligten sich 403.000 Menschen und damit etwas weniger als im Vorjahr. Die größten Demonstrationen fanden in Bremen mit 7.000 Menschen, Berlin mit 10.000 oder Stuttgart mit 5.000 bzw. Nürnberg mit 4.000 statt.

Zusätzlich Tausende beteiligten sich heute an antifaschistischen Blockaden in Dortmund, Duisburg, Rostock, Kaiserlautern, Plauen, Essen. Umso empörender, dass zumindest in Dortmund und Rostock die Polizei zum Teil mit Gewalt gegen die antifaschistischen Blockaden vorging.

In Hamburg konnte der regierende Oberbürgermeister Olaf Scholz (SPD) sich nur unter Polizeischutz in den DGB-Zug einreihen. Das stieß auf massiven Protest und schließlich Sitzblockaden. Scholz verließ dann die Demonstration. Der SPD-Politiker steht wegen seiner reaktionären Politik und Unterdrückung gegen Flüchtlinge und die Jugendbewegung in der Kritik.

Ein Korrespondent berichtet: "In Hamburg nahmen ca. 5000 Kolleginnen und Kollegen teil. Die Demonstration war kämpferisch. Am offenen Mikrofon - auch während der Demonstration - wurde von deutschen, türkischen, iranischen Revolutionären immer wieder die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes für eine befreite Gesellschaft betont ... Schon am Vorabend waren über 2000 Menschen v.a. aus Altona und St. Pauli bei der "Vor-Mai-Demonstration" auf die Straße gegangen und protestierten gegen die menschenverachtende Asylpolitik des Senats, forderten bezahlbaren Wohnraum und mehr demokratische Rechte und Freiheiten."

Aus Köln berichtet ein Korrespondent: "Vorne weg beim Demonstrationszug marschierte ein großer Block von IGM-Vertrauensleuten und Kollegen von Ford. Sie trugen Schilder mit Forderungen wie 'Hände weg vom Fiesta!' und 'Opel, Genk und Köln - Opfer retten keine Arbeitsplätze'. Im Zug waren auch größere Gruppen von Gewerkschaftsjugendlichen, die eine 'Bildungsblockade'-Mauer aus Pappkartons aufbauten und wieder einrissen. Ein Jugendlicher kritisierte am Megafon, dass die Bildung zur Ware geworden ist und die Profitgier im Vordergrund steht. Hinter der IG Metall schlossen sich weitere DGB-Gewerkschaften an, darunter ver.di, NGG, IGBCE, IG BAU, GEW, unter anderem von der Deutz AG, von Lanxess und der Uniklinik. Auffallend viele Jugendliche waren dabei." Auch in Berlin nahmen auffallend mehr junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter teil.

"In Stuttgart gab es einen sehr langen kämpferischen Demonstrationszug mit mehreren offenen Mikrofonen", berichten unsere Korrespondenten. "Der Stuttgarter Marktplatz war mit ca 5.000 Leuten, darunter vielen Jugendliche rappelvoll. Besonders Anhänger von Migrantenorganisationen sorgten mit ihren Transparenten, Sprechchören und ihrer Musik für eine kämpferische Stimmung."

"Neblig-trüb begann der 1. Mai in Gelsenkirchen, aber die Sonne setzte sich allen Wetterprognosen zum Trotz durch", berichtet unsere Korrespondentin. "Das entsprach auch viel mehr der Stimmung dieses internationalen Kampftags in Gelsenkirchen. Schon traditionell eröffneten Vertreterinnen und Vertreter der kämpferischen Opposition die Auftaktkundgebung vor dem Musiktheater – Beiträge des Frauenverbands Courage, einer Studierenden, von Betriebsräten aus dem Bergbau, aus Metall- und Chemiebetrieben, vom Jugendverband Rebell, von der MLPD und vom überparteilichen Wahlbündnis AUF Gelsenkirchen brachten die besonderen – und gemeinsamen – Interessen zum Ausdruck. Dem Gesang der „Internationale“ folgte – ebenfalls schon traditionell - der ökumenische Gottesdienst der christlichen Kirchenvertreter mitsamt dem Lied „Großer Gott wir loben dich“. Begleitet von der bergmännischen Blaskapelle Consol setzte sich eine bunte Demonstration in Marsch bis zum Kundgebungsplatz, wo sich schließlich etwa 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einfanden."

Aus Villingen-Schwenningen wird berichtet: "Die Rednerin des DGB Juliane Hoffmann orientierte – bei aller begrüßenswerten Kritik an der EU – auf einen „Politikwechsel“ durch die Europawahl. In vielen konkreten Punkten, wie zu Werkverträgen, Zeitarbeit oder der Rentenpolitik hatte sie zu Recht Kritik. Nur vermissen wir, angesichts des Co-Managements der Gewerkschaftsführungen, die praktische Konsequenz; sprich einen entschiedenen Widerstand von Seiten des DGB. Mit ihrer perspektivlosen reformistischen Ausrichtung stieß sie allerdings nur bei einem Teil der Zuhörer auf Zustimmung." Auch von anderen Orten wird zum Teil ein Schmusekurs der offiziellen Redner mit der Großen Koaltion berichtet. Bestenfalls forderte man noch "weniger Ausnahmen" beim angekündigten völlig unzureichenden Mindestlohn von 8,50 Euro von der Regierung. 

Frischen Wind gab es aber in Husum und unsere Korrespondenten berichteten: „Nach dem Wechsel in der DGB-Spitze traten mit dem neuen Vorsitzenden des DGB-Kreisverbands Nordfriesland Mathias Wötzel und dem IG-Metaller Martin Bitter zwei neue junge Redner auf, die sehr konkrete und kämpferische Reden hielten. Sie kritisierten die Große Koalition und sprachen sich unter anderem eindeutig gegen Leiharbeit und ungleiche Löhne aus. Auch die Lebenslage der Frauen, die vor allem in Minijobs beschäftigt sind und dadurch von Alterarmut bedroht sind, waren ein Thema, vor knapp 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Unser Infostand mit Kaffeetisch wurde wie immer sehr herzlich angenommen und es wurde mit alten Freunden und neuen Interessenten rege diskutiert. Sehr schnell kamen wir dabei auf grundsätzliche Diskussionen über die notwendige Veränderung des Gesellschaftssystems."

Die MLPD war an vielen Orten auf den DGB-Demonstrationen und mit Info-Ständen unübersehbar - und Anlaufstelle für viele Kolleginnen und Kollegen. Viele interessierten sich für die Neuerscheinung des Buchs "Katastrophenalarm! …", die Wahlzeitung zu Europawahl und für die internationale Maifeier von MLPD und REBELL am Nachmittag. An Infoständen, Kaffeetischen wurde lebhaft diskutiert und das vielfältige Literaturangebot der MLPD vorgestellt. Rebellen und Rotfüchse verkauften Rote Nelken, ihr Magazin und Tickets für das rebellische Musikfestival im thüringischen Truckental an Pfingsten.

Versuche in Hagen und Nürnberg von Seiten rechter Gewerkschaftsführer, Info-Stände der MLPD zu unterdrücken und zu verhindern, scheiterten am breiten Protest aus der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung.

Große Aufmerksamkeit fand die Information über ein Skandalurteil der griechischen Justiz, die 23 Stahlarbeiter des neunmonatigen Stahlarbeiterstreiks in Aspropirgos 2011/2012 zu bis zu 23 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt hat. Vielerorts startete eine Unterschriftensammlung zur Solidarität (mehr dazu).

In Griechenland selbst ist der 1. Mai ein Feiertag. Aber die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr und im Fährbetrieb streikten gegen die von der EU-verordnete Kürzungspolitik und steigende Arbeitslosigkeit. 5.000 Menschen demonstrierten vor dem Parlament in Athen.

In Istanbul (Türkei) hat die reaktionäre Erdogan-Regierung 40.000 Polizisten in den Einsatz geschickt. Sie sollen verhindern, dass die mindestens 100.000 Demonstrantinnen und Demonstranten auf den symbolträchtigen Taksim-Platz ziehen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Im zentralen Stadtteil Besiktas flohen Menschen wegen des massiven Tränengaseinsatzes aus ihren Häusern. Das Tränengas machte auch vor Kindern nicht halt. Bis zum Nachmittag war noch nicht entschieden, ob es der Polizei gelingt, die Demonstration vom Taksim-Platz fern zu halten.

Die Redaktion bedankt sich bei ihren Korrespondentinnen und Korrespondenten und wünscht allen Leserinnen und Lesern noch eine schönen Ausklang des 1. Mai -weitere Berichte folgen ab morgen.

Weitere 1. Mai-Berichte gibt es hier!