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ILO-Bericht: 21 Millionen Menschen in sklavenähnlichen Zuständen

ILO-Bericht: 21 Millionen Menschen in sklavenähnlichen Zuständen

21.05.14 - Offiziell verboten sind Zwangsarbeit und Sklaverei mittlerweile in allen Ländern der Welt. Aber im 21. Jahrhundert schwillt die Zahl der versklavten Kinder, Frauen und Männer wieder dramatisch an. Die ILO, die Internationale Arbeitsorganisation der UNO berichtet von 21 Millionen Menschen, die in sklavenähnlichen Verhältnissen gehalten werden. Das sind so viele, wie die Bevölkerung in Berlin und Nordrhein-Westfalen zusammen umfasst. Neben Waffen- und Drogenhandel geht es um besonders profitable, völlig unkontrollierte Geschäfte. Die Zwangsarbeit von Männern, Frauen und Kindern wirft nach Schätzungen der ILO jährlich mindestens 110 Milliarden Euro ab.

Dabei steht die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern an der Spitze dieser Spirale. Schätzungsweise 72 Milliarden Euro pro Jahr erbeuten Schlepper, Zuhälter und Menschenhändler laut ILO allein aus dem Geschäft mit Prostitution und Pornografie. Menschen werden wie Leibeigene gehalten, schuften zu Hungerlöhnen und sind unter unzumutbaren Bedingungen untergebracht. Ihnen werden die Pässe weggenommen, sie werden mit Drogen ruhig gestellt, bestialisch bestraft ...

Über den aktuellen Bericht hinaus müssen in diesem Zusammenhang auch die Verhältnisse in vielen Sonderwirtschaftszonen der Welt angeprangert werden. Dort arbeiteten bereits 2002 rund 100 Millionen, wo die Rechtlosigkeit der Arbeiter und Unterdrückung von Gewerkschaften eine ähnliche Entwicklungsrichtung nehmen.

Das kapitalistische Ausbeutersystem betrachtet die menschliche Arbeitskraft als Ware, mit der sich Profite scheffeln lassen. Unter dem Diktat der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion wird das auf die Spitze getrieben.

Auch wenn laut ILO die größte Anzahl der von der ILO in ihrem Bericht erfassten Menschen in Asien mit 12 Millionen und in Afrika mit 3,7 Millionen Menschen gezählt werden – auch in Europa steigt ihre Zahl. Von mindestens 145.000 Zwangsarbeitern und Zwangsprostituierten in Deutschland geht die ILO aus. Die realen Zahlen liegen wegen hoher Dunkelziffern weit darüber. Genannt werden Zahlen bis zu 700.000.

Anstatt sich solcher Probleme ernsthaft anzunehmen, verschärfen EU und die Bundesregierung die Asylgesetze und verbinden das mit einer demagogischen Hetze gegen die "Sozialtouristen". Aus Angst vor Abschiebung wagen viele Zwangsprostituierte oder andere Zwangsarbeiter keine Anzeige.

In einem aktuellen Gesetzesentwurf einer Staatssekretärsrunde der Regierung soll Migranten aus anderen EU-Ländern unter anderem das Aufenthaltsrecht zur Arbeitssuche befristet werden. Für einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten soll es nur dann erteilt werden, wenn die begründete Aussicht auf eine Anstellung besteht. Damit wird indirekt auch Sklaverei und Zwangsarbeit gefördert. Denn, so die ILO: "Betroffene, die keine soziale Absicherung haben, müssen jeden Job akzeptieren, um über die Runden zu kommen."

Lea Ackermann, Gründerin und Vorsitzende der Hilfsorganisation Solwodi, fordert schon lange mehr Schutz für die Prostituierten und Verfolgung von Menschenhändlern. Besonders empört ist sie, dass bis Mitte 2013 nur neun von 27 Mitgliedsländern der EU eine Richtlinie gegen den zunehmenden Menschenhandel und zum verbesserten Opferschutz unterschrieben haben. Damit sollten beispielsweise Zwangsprostituierte, die eine Klage wagen, vor der unmittelbaren Abschiebung bewahrt und finanziell unterstützt werden. Die Unterschrift verweigert hat bis heute die Bundesregierung.