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Zählt ein totes Kind weniger, wenn die Regierung mit der Bundesregierung befreundet ist?

Zählt ein totes Kind weniger, wenn die Regierung mit der Bundesregierung befreundet ist?
Foto: Webseite World Women's Conference

31.05.14 - Am 27. März 2014 wurde die junge Philippina Andrea Rosal im Haus einer Freundin von 20 Agenten des philippinischen Staatsapparats in voller Kampfausrüstung verhaftet. Sie war damals im siebten Monat schwanger. Der ungeheuerliche Grund, den die Schergen für die Verhaftung angaben, lautete: "Weil du wie dein Vater aussiehst." Andreas verstorbener Vater, Gregorio 'Ka Roger' Rosal, war Sprecher der NPA (New People's Army – Neue Volksarmee). Schon als 5-jähriges Kind war Andrea den Armen ihrer Großmutter entrissen und verschleppt worden. Damit sollte ihr Vater gezwungen werden, den bewaffneten Kampf aufzugeben. Nur durch massive Protestaktionen wurde sie damals freigelassen.

Nach ihrer Verhaftung im März 2014 wurde Andrea verhört. Sie sollte ihr angeblich bekannte Führer der NPA und der Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP) verraten. Auf ihrer folgenden Odyssee durch verschiedene Gefängnisse und Gefangenencamps war sie in engsten Zellen mit 30 weiteren Frauen eingesperrt. Wasser und Nahrung waren minderwertig und verseucht. Trotz Krankheit und Schwangerschaft bekam sie nur minimale gefängnisärztliche Versorgung. Ihre Anträge, in ein Krankenhaus verlegt zu werden, wurden abgeschmettert. Die medizinische Betreuung durch die Menschenrechtsorganisation "Health Action for Human Rights" wurde von den Gefängnisbehörden massiv behindert.

Am 15. Mai 2014 stimmte dann ein Gericht ihrem Antrag zu, sie in ein Krankenhaus zu verlegen, weil sie erste Wehen hatte. Unter dem Vorwand, das Krankenhaus hätte keine Unterlagen, wurde sie wieder ins Gefängnis zurück verfrachtet. Am 16. Mai kam sie wieder ins Krankenhaus und am 17. Mai morgens wurde ihre Tochter Diona geboren. Das Neugeborene musste unmittelbar nach der Geburt wiederbelebt und künstlich beatmet werden. Am 18. Mai hörte Dionas kleines Herz endgültig auf zu schlagen.
Andrea musste darum kämpfen, ihr Baby nach der Geburt, und nach seinem Tod überhaupt sehen zu dürfen. Die Teilnahme an seiner Beerdigung wurde ihr verweigert. Sie durfte ganze drei Stunden an der Totenwache für ihr Kind teilnehmen – in Handschellen und ständig scharf bewacht von der gesamten Wachmannschaft.

Viele Menschen auf den Philippinen, besonders die kämpferische Frauenbewegung, sind sehr zornig und haben nach dieser Tragödie ihre Forderung nach Andreas sofortiger Freilassung verstärkt. Sie bitten um internationale Unterstützung. Monika Gärtner-Engel, Europa-Koordinatorin der Weltfrauenbewegung, hatte unmittelbar nach Andreas Verhaftung gegenüber der philippinischen Botschaft ihre Freilassung gefordert. Nach dem tragischen Tod von Diona schickte sie Andrea einen Kondolenzbrief. Diese Dokumente und ein ausführlicher Bericht finden sich auf der Homepage der Weltfrauenkonferenz.

Die Bundesregierung schweigt dazu, wie hier Frauenrechte mit Füßen getreten werden. Im Unterschied zur Verschleppung der nigerianischen Schülerinnen durch Boko Haram sind die Täter schließlich keine islamistischen Fundamentalisten, sondern eine befreundete Regierung. Außerdem gibt es intensive wirtschaftliche Beziehungen: Deutsche Bank, Dresdner Bank und die Allianz AG investieren in Bergbauprojekte auf den Philippinen. Die davon betroffene Bevölkerung führt erbitterte Kämpfe zur Verteidigung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen. NPA und CPP unterstützen sie dabei. Staatsterror gegen NPA und CPP und ihnen zugerechnete Menschen ist damit letztlich auch im Interesse auch deutscher Übermonopole.

Andrea Rosal sagte in einem Interview kurz nach dem tragischen Tod ihres Kindes: "Ich werde den Kampf fortsetzen. Und ich werde es für das Baby tun, das ich verloren habe, bis ich alles getan habe, was ich zu ihrem Gedenken tun kann."

Das Vorbereitungstreffen für den frauenpolitischen Ratschlag 2014, das am Wochenende stattfindet, wird auch die Solidarität mit Andrea Rosal und die Forderung nach ihrer sofortigen Freilassung zum Thema machen.