Umwelt

Schwere Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen

Schwere Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen
Vom Sturm verwüstete Wohnstraße in Gelsenkirchen (rf-foto)

10.06.14 - Mit der Wucht eines heranrasenden Panzers hat gestern Abend, 9. Juni, ein Sturmtief eine Schneise der Verwüstung durch Nordrhein-Westfalen gezogen. Den Windböen von mehr als 140 Kilometer pro Stunde fielen Bäume, Hausdächer, Autos, Ampeln und Menschen zum Opfer. Seit "Kyrill" 2007 hat kein Sturm mehr eine solche Wucht erreicht. Das gesamte Rheinland und das Ruhrgebiet sind betroffen. Die bisherige Schadensbilanz ist erschreckend. Allein sechs Tote sind zu beklagen. Es gab 30 Schwer- und 37 Leichtverletzte.

Allein in NRW gab es 90 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Der öffentliche Nahverkehr ist zusammengebrochen, auch Fernzüge fahren kaum noch. Der Flugverkehr am Düsseldorfer Flughafen musste eingestellt werden, Autobahnen sind gesperrt, die A43 noch bis Mittwoch. Es stauten sich etwa 300 Kilometer auf den gesperrten Straßen zusammen. Rettungskräfte waren allein in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni bis zu 500 Mal im Einsatz. Der angerichtete Schaden beträgt allein im Stadtgebiet von Duisburg rund 1,2 Millionen Euro. Im folgenden beschreibt eine Korrespondentin aus Essen ihre Erlebnisse der Nacht:

"Es war richtig heiß an diesem Pfingstwochenende, der Deutsche Wetterdienst meldete die höchsten Temperaturen seit den Wetteraufzeichnungen. Am Abend hatte ich mich mit meiner Freundin an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg getroffen. Gegen 20 Uhr gingen wir zum Italiener um die Ecke, um noch etwas zu essen. Wir waren fast fertig und warteten auf die Rechnung, als es plötzlich los ging. Mächtige Sturmböen rissen kleine Äste von den Straßenbäumen. Heftiger Regen prasselte auf das neue Vordach des Restaurants.

Das ganze Ausmaß des Unwetters erlebte ich dann auf meiner Fahrt vom Duisburger Süden nach Essen. .... Unterwegs musste ich immer wieder überschwemmte Straßen und quer liegende Bäume passieren. ...

Am Ortsanfang Essen stand eine herrenlose Straßenbahn mitten auf der Straße. Auf den Oberleitungen lagen immer wieder Äste. In Frintrop staute sich der Verkehr abermals. Hier war ein ganzer Baum umgefallen, darunter konnte man gerade noch das Nummernschild eines Autos wahrnehmen. ... Die nächste Straßenbahn war direkt in die von einem Baum heruntergerissene Oberleitung hinein gefahren. Über noch ein paar Umwege und Seitenstraßen kam ich endlich zu Hause an."

Die Landesleitung Nordrhein-Westfalen der MLPD schreibt in einem aktuellen Flugblatt:

"Die Flutschäden im Südosten Europas sind noch nicht beseitigt, da brach nun diese Unwetterkatastrophe an Rhein und Ruhr über eine der dichtbesiedelsten Regionen Europas herein. Was hier geschieht, ist kein Zufall, sondern eine Folge der beschleunigten Klimaerwärmung durch Treibhausgase aus der Verbrennung fossiler Energieträger, der maximalprofitorientierten Nahrungsmittelproduktion und der Massenproduktion industriell genutzter klimaschädlicher Gase.

In NRW stieg die Durchschnittstemperatur in den letzten 100 Jahren um 1,5 Grad Celsius an. An Pfingsten hatten wir bereits Temperaturen wie im Hochsommer. Auf der Nordhalbkugel der Erde lag erstmals der Höchstwert für das klimaschädliche Gas Kohlendioxid seit April durchgängig über 400 ppm (Teile auf eine Million). Durch die Klimaerwärmung speichert die Atmosphäre mehr Energie, die sich dann in solchen Unwettern wie jetzt über NRW entlädt. Dies ist ein weiteres Warnsignal, dass wir uns bereits mitten in einem fortschreitenden Übergang zu einer globalen, existenzbedrohenden Umweltkatastrophe befinden. ...

Mit dem Argument 'Arbeitsplätze und bezahlbare Energie seien wichtiger als die Energiewende' (Kraft, 'Rheinische Post', 28.10.13) hat sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bei den Verhandlungen für die Große Koalition in Berlin selbst als Bremserin für einen besseren Klimaschutz und als Befürworterin für den weiteren Ausbau klimaschädlicher Kohle- und Gaskraftwerke hervorgetan. Die Landesregierung macht den Weg frei für weitere Großkraftwerke wie Datteln IV und den weiteren großflächigen Abbau in den rheinischen Braunkohlerevieren. Dagegen ist nötig: Aktiver Umweltschutz im Kampf gegen die Profitwirtschaft! Beseitigung der Umweltschäden auf Kosten der Verursacher! ..."

Das aktuelle Buch von Stefan Engel "Katastrophenalarm!" befasst sich in einem Abschnitt mit der deutlichen Zunahme regionaler Umweltkatastrophen. "Wesentliche Ursache dieser Extremwetterereignisse liegt in den Veränderungen globaler Strömungsysteme der Luft", schreibt Stefan Engel. Diese Veränderungen sind Merkmale der heraufziehenden Weltklimakatastrophe.