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Irak: Vormarsch auf Bagdad

Irak: Vormarsch auf Bagdad
Proteste zum fünften Jahrestag des US-Überfall auf den Irak (foto: petezin)

23.06.14 - Islamistisch-faschistische ISIS-Truppen rücken weiter nach Bagdad vor. Israel beschießt Syrien. Die jordanische Regierung zieht Truppen an der Grenze zum Irak zusammen, nachdem ISIS einen Grenzposten zwischen dem Irak und Jordanien erobert hat. Alarmstufe in den USA - US-Außenminister John Kerry ist nach Bagdad gereist, um mit der irakischen Regierung einen möglichen Ausweg zu verhandeln. De facto ist der Irak gegenwärtig in drei Teile zerfallen: Die ISIS und andere Kräfte beherrschen große Teile des West-Irak, kurdische Kräfte den Norden und die irakische Regierung behauptet sich noch im Süden und in der Hauptstadt Bagdad.

Die Entwicklung beunruhigt verschiedenste imperialistischen Mächte, die ihre Felle davon schwimmen sehen. Plötzlich scheint sogar eine Zusammenarbeit zwischen USA und Iran möglich. Diese Annäherung der USA mit dem faschistischen Regime des Iran zeigt, dass die USA bereit sind, wirklich mit jeder Kraft zusammenzuarbeiten, wenn es nur ihren Interessen dient.

Was sich hier vollzieht, ist das Scheitern der jahrzehntelangen US-Politik des sogenannten "Anti-Terror-Kriegs" zur Stabilisierung dieser für sie strategisch wichtigen Region. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Es waren die USA, die islamistisch-faschistische Kräfte im Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan aufbauten (mehr dazu im Abschnitt "Imperialistische Förderung des religiös-fanatischen Fundamentalismus als neue Form des Faschismus" in dem Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution").

Auch der "Islamische Staat im Irak und an der Levante" (ISIS) ist eine islamistisch-faschistische Terror-Organisation, ein Produkt der Politik der Imperialisten und der instabilen Zustände im Nahen und Mittleren Osten. Sie wurde - wie andere - von den westlichen Imperialisten geduldet und gefördert, solange sie sich gegen das syrische Assad-Regime und gegen den Befreiungskampf der Kurden richtete. Diese Organisation rekrutiert sich aus entwurzelten Menschen im Nahen Osten, umfasst aber auch islamistische Faschisten aus anderen Ländern und Söldner aus aller Welt. Sie wird auch von der Türkei, von Katar und Saudi-Arabien unterstützt, die wiederum großzügig deutsche Waffenlieferungen erhalten.

Wie vordergründig viele bürgerliche Medien berichten, zeigen Aussagen des bürgerlichen Nahost-Experten Jürgen Todenhöfer. Seiner Einschätzung nach bilden die ISIS-Kämpfer "nur scheinbar die alles überragende Rolle. Der Aufstand wird in Wirklichkeit überwiegend vom FNPI getragen, dem 'Nationalen, Panarabischen und Islamischen Widerstand' des Irak. Das ist eine säkulare Koalition mehrerer Gruppen, die schon mit großem Erfolg gegen die US-Armee gekämpft haben." (Interview in der "Frankfurter Rundschau" vom 17.6.14) Auch liest man kaum etwas in den Medien über die syrischen, kurdischen Gebiete und den dort seit Monaten andauernden erfolgreichen Widerstand gegen ISIS.

Die am kommenden Freitag erscheinende "Rote Fahne" wird sich im Titelthema ausführlich mit der Entwicklung befassen (hier bestellen).