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Metallarbeiterstreik in Südafrika in entscheidender Phase

Metallarbeiterstreik in Südafrika in entscheidender Phase
Unter den Industriearbeitern Südafrikas gärt es (rf-foto)

22.07.14 - Der größte Metallarbeiterstreik in der Geschichte Südafrikas ist in eine entscheidende Phase getreten. Heute wollen Vertreter des Unternehmerverbandes und der Gewerkschaft NUMSA verhandeln. Vor drei Wochen sind 220.000 Metallarbeiter in den Streik getreten. 12.000 Betriebe sind davon betroffen. Inzwischen zeigt der Streik gerade bei den internationalen Monopolen deutliche Auswirkungen: Nissan musste in dieser Woche sein Werk in Rosslyn nahe Pretoria schließen. Zuvor hatten Toyota, Ford und General Motors die Produktion gestoppt. Bei BMW laufen ein Drittel weniger Fahrzeuge vom Band als normalerweise.

Selbstbewusst haben die Arbeiter an ihren Forderungen festgehalten: 12 bis 15 Prozent Lohnerhöhung, Übernahme jugendlicher Arbeiter, Wohnzuschuss wie bei den Minenarbeitern von 68 Euro und Verbot der Leiharbeit.

Verhaftungen zu Beginn konnten die Arbeiter nicht einschüchtern. Die ständige Propaganda, der Streik ruiniere die Wirtschaft oder die Autoindustrie würde nicht mehr in Südafrika investieren, ging ins Leere. Auch das Einschalten der Regierung hatte wenig Wirkung. Und das Angebot des Unternehmerverbandes von knapp 10 Prozent jeweils für die kommenden drei Jahre wurde abgelehnt.

Der Streik der Metallarbeiter setzt an dem erfolgreichen fünfmonatigen Streik der Platinarbeiter an, der im Juni erfolgreich zu Ende ging (siehe auch "rf-news"-Bericht vom 10.7.14). Die südafrikanische Nachrichtenagentur zitierte eine Arbeiterin aus einem Betrieb für Kfz-Zündsysteme: "Die Arbeiter in Marikana haben uns gezeigt, dass Geduld und Ausdauer nötig sind, um zu erreichen, wofür wir kämpfen."

Diese Kämpfe drücken das wachsende Selbstvertrauen und Klassenbewusstsein der Industriearbeiter in Südafrika aus. Nicht umsonst befürchtete ein führender Wirtschaftsökonom, "Südafrika könnte den Beginn einer Arbeiterrevolte gegen die kapitalistischen Strukturen der Wirtschaft erleben".

Der politische Hintergrund ist auch eine Auseinandersetzung mit dem ANC (African National Congress), dessen Ansehen aus dem Anti-Apartheids-Kampf vor allem unter den Arbeitern immer mehr schwindet. Er regiert in Allianz mit der revisionistischen SACP ("Kommunistische Partei Südafrikas") und mit Unterstützung des Gewerkschaftsdachverbandes COSATU. Die Metallgewerkschaft NUMSA ist dessen stärkste Einzelgewerkschaft. Ihre Mitglieder hatten sich auf einem Sonderkongress im Dezember vergangenen Jahres mit klarer Mehrheit gegen die fortgesetzte Unterstützung des ANC ausgesprochen. Seinen Nationalen Entwicklungsplan bis 2030 hatten sie in ihrer Resolution als "Programm unseres Klassenfeindes" kritisiert.

Die Entwicklung in Südafrika zeigt das große Potential für die Entwicklung einer revolutionären Weltkrise. Die Arbeiterklasse für die internationale sozialistische Revolution zu gewinnen, diese Aufgabe hat sich die marxistisch-leninistische CPSA (ML) (Kommunistische Partei Südafrikas [Marxisten-Leninisten]) als Mitglied der ICOR gestellt. Sie hat den Streik aktiv unterstützt und zwei Flugblätter dazu herausgebracht.