Sie sind hier: Startseite

Schad- und Fremdstoffe auch im Mineralwasser - Folge der zunehmenden Grundwasserverschmutzung

Schad- und Fremdstoffe auch im Mineralwasser - Folge der zunehmenden Grundwasserverschmutzung

foto: W.J.Pilsak aus der deutschsprachigen Wikipedia

26.07.14 - Eine Untersuchung der "Stiftung Warentest" von 30 Mineralwassersorten ergab, dass nur jedes fünfte Produkt uneingeschränkt empfohlen werden kann. In insgesamt zehn Sorten wurden sogar Verunreinigungen wie künstliche Süßstoffe oder Pestizide nachgewiesen. Das trifft sowohl für Markenprodukte wie Discounterware zu. Angeblich seien die Verunreinigungen "nicht riskant für die Gesundheit". Das darf aufgrund der Detailergebnisse der Untersuchung allerdings bezweifelt werden. Zumal es bisher keine Grenzwerte für solche Verunreinigungen gibt.

Eines der untersuchten Mineralwasser enthielt z.B. mehr Nickel als erlaubt. Nickel ruft bekanntlich bei vielen Menschen Allergien hervor. In weiteren drei Marken wurden Keime entdeckt, die für Menschen mit Immunschwäche "nicht zu empfehlen" seien. Gefunden wurden auch Abbauprodukte von Pestiziden und einem Korrosionsschutzmittel.

Wie der künstliche Süßstoff Acesulfam-K reichern sich auch die anderen Fremd- und Schadstoffe in Flüssen, Seen und Grundwasser immer mehr an und finden so ihren Weg bis in tief gelegene Mineralwasserquellen. Zwar bilden die Erdschichten einen durchaus effektiven Filter für absickerndes Wasser und lösen mögliche Verunreinigungen aus dem Oberflächenwasser, welches in den Boden einsickert und sich in Hohlräumen als Grundwasser ansammelt.

Immer mehr Schadstoffe gelangen jedoch dort hinein, vor allem aus Abwasserleitungen oder kontaminierten Industrieflächen wie z.B. bei Shell in Köln-Godorf (siehe "rf-news"-Meldung). Aber auch Mineralöle, Auftausalze und Reststoffe aus Verkehr und Transport sowie Planzenschutzmittel und Düngerbestandteile durch die Auswaschung von überdüngten, landwirtschaftlichen Flächen.

In dem Buch "Katastrophenalarm!" heißt es dazu: "Die jahrzehntelange Belastung durch Pestizide, Biozide, Schwermetalle, Nitrate, Hormone, Medikamentenrückstände überfordert auch in den industrialisierten Ländern die natürlichen Selbstreinigungskräfte des Wassers. Chronische Schadstoffbelastung der Gewässer und des Trinkwassers ist die Folge. In Deutschland gab das Umweltbundesamt im Juli 2010 bekannt, dass inzwischen nur noch zehn Prozent der Oberflächengewässer und 63 Prozent des Grundwassers in gutem ökologischen Zustand sind." (S. 212)

Heute kann man oberflächennahes Grundwasser kaum noch zur Trinkwassergewinnung nutzen. Deshalb werden immer tiefere Grundwasservorkommen dafür genutzt. Allerdings ist es auch ein - von der Wasserindustrie geförderter - Irrtum, dass Mineralwasser per se sauberer und gesünder als Leitungswasser ist. Lag der Verbrauch von Mineralwasser 1950 in Deutschland noch jährlich bei vier Litern pro Kopf, waren es 1990 bereits rund 80 Liter. Ein Verhalten, das zur Vergeudung natürlicher Ressourcen beiträgt. Nach Schätzungen des "World Wildlife Fund" (WWF) verbrauchte die Wasserindustrie bereits 2001 jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff für die Flaschenproduktion. Nur ein Teil davon wird recycelt. Ganz abgesehen von unsinnigen Transportwegen vieler Mineralwässer aus dem In- und Ausland.

Auch umweltbewusstes Trinkverhalten kann das eigentliche Problem jedoch nicht lösen: die zunehmende Verschmutzung und Verknappung des Süßwassers als Folge einer umweltzerstörenden Produktions-, Austausch- und Lebensweise im Kapitalismus. Der Kampf gegen den Mangel an sauberem Trinkwasser - der in den neokolonial anhängigen Ländern heute schon eine wesentlich existenziellere Bedeutung hat - ist deshalb Bestandteil des Kampfs zur Rettung der gesamten Umwelt vor der kapitalistischen Profitwirtschaft.

Artikelaktionen
Entwickelt durch Mediengruppe Neuer Weg   powered by Plone   Kontakt: webmaster@rf-news.de