Betrieb und Gewerkschaft

VW plant "schmerzhafte" Ausbeutungsoffensive - Konzernbelegschaften herausgefordert

VW plant "schmerzhafte" Ausbeutungsoffensive - Konzernbelegschaften herausgefordert
Konzernweite Protestaktion anlässlich der Porsche-Übernahme am 12.9.2008 in Wolfsburg

24.07.14 - VW-Chef Martin Winterkorn hat auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung gestern in Wolfsburg vor 18.000 Beschäftigten seine Pläne einer konzernweiten Ausbeutungsoffensive vorgestellt. Mit massiven Angriffen auf die Konzernbelegschaften soll ab 2017 pro Jahr die gigantische Summe von 5 Milliarden Euro "eingespart" werden, um die offizielle Gewinn-Rendite von derzeit 2,9 Prozent zunächst auf 6 Prozent und dann auf 8 Prozent zu steigern.

Zur Erinnerung: Das "Sparprogramm", das Daimler im Juli 2004 durchsetzen wollte, worauf es zu tagelangen konzernweiten Streiks und Protesten kam (siehe Bericht vom 18.7.2004), hatte einen Umfang von "nur" 500 Millionen Euro pro Jahr. Winterkorn kündigte jetzt Maßnahmen an, die "deutlich wirksam und auch schmerzhaft sind". Dies solle durch "sinkende Fabrikkosten", aber auch durch "optimierten Einkauf" erreicht werden. Das bedeutet, dass VW auch den Zulieferern Zugeständnisse abpressen will.

Um empörte Reaktionen aus der Belegschaft aufzufangen, warnte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh davor, "dass es an dem einen oder anderen Punkt auch richtig krachen wird". Unmittelbar danach stellte er aber klar, dass er die Richtung von Winterkorn unterstützt. "Wir müssen uns auf das konzentrieren, was gute Erträge bringt" und "die Ärmel hochkrempeln, um unsere Ziele zu erreichen", so Osterloh. Die VW-Ziele können aber nur auf Kosten der VW-Arbeiter und der Beschäftigten in der Zulieferindustrie durchgesetzt werden.

Es ist zugleich Ausdruck der Defensive der Konzernleitung, dass sie zumindest bisher keine offene Arbeitsplatzvernichtung angekündigt hat. Die Ausbeutung soll offenbar vor allem durch Auslagerung von Produktionsbestandteilen an billigere Zulieferer, durch den Einsatz von mehr Leiharbeitern oder Niedriglohnkräften mit Werkverträgen verschärft werden.

Ähnliche umfassende Umstrukturierungspläne werden derzeit in allen Automobilkonzernen aufgelegt. So will Daimler die Lohnkosten in den nächsten drei Jahren um zwei Milliarden Euro drücken und längere Arbeitszeiten von den Beschäftigten erpressen. Im Lkw-Bereich sollen 3.200 Arbeitsplätze wegfallen (siehe Bericht vom 5.7.14).

Der Hintergrund ist, dass mit dem sich abzeichnenden Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise die internationale Strukturkrise wieder stärker hervortritt. Das führt auch zu einer neuen Welle von Fusionen und Firmenübernahmen. So führt VW offenbar Übernahmeverhandlungen mit Fiat-Chrysler, auch wenn die Konzernleitung das sofort bestritten hat. Das erklärte Ziel von Winterkorn ist, bis 2018 der größte Autobauer der Welt zu werden.

In der letzten Ausgabe der Zeitung "Vorwärtsgang" von Kollegen für Kollegen bei VW und seinen Zulieferbetrieben wurde gefragt: "Alles tun für den Konkurrenzkampf? Jede Sonderschicht mitmachen, bis zur Scheidung oder zum Herzinfarkt? Billige Leiharbeiter neben uns gut finden, weil so der Profit stimmt und wenigstens unsere Arbeitsplätze erst mal erhalten werden?"

Sie zieht den Schluss, dass die VW-Arbeiter nicht klein beigeben werden, sondern im Gegenteil von den Opelanern in Bochum lernen, die seit Jahren die Werkschließung verhindert haben. Alle Automobilarbeiter - ob bei Opel, VW, Daimler oder Ford - müssen länderübergreifend gegen diese Pläne Front machen. Dem dient unter anderem die Vorbereitung der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz im Jahr 2015 in Sindelfingen.