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Drohendes Massaker nach Vorstoß von IS in Şengal

Drohendes Massaker nach Vorstoß von IS in Şengal
Nach dem Rückzug der Peschmerga kämpfen jetzt die Volksverteidigungseinheiten (YPG) gegen die Faschisten der IS (foto: Die Kurden)

05.08.14 - Das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V. "Civaka Azad" warnt vor einem Massaker an der Zivilbevölkerung im Nordirak und ruft zu Demonstrationen in Deutschland auf:

"Nach zweitägigen Angriffen haben Kämpfer des Islamischen Staates (IS) am 3. August die Stadt Şengal (Sindschar) im Norden des Iraks eingenommen. Kurz vor der Einnahme der Stadt durch die Islamisten wurde vermeldet, dass die südkurdischen Peshmergakräfte sich aus der Region zurückziehen und die Bevölkerung gegen die Islamisten sich selbst überlassen werden. ...

Am späten Abend erreichte uns eine Meldung, wonach die Islamisten einen Teil der Flüchtlinge in den Bergen umzingelt hätten und ihnen eine Frist bis zum Morgen gegeben hätten, um zum Islam zu konvertieren. Sollte das nicht geschehen, werde man sie mit dem Tode bestrafen. Um wie viele Menschen es sich hierbei handelt und wie ihre Situation jetzt ist, ist derzeit unklar.

Nach dem Rückzug der Peshmergakräfte aus Şengal gab es Meldungen, dass diese sich nur vorübergehend zurückgezogen hätten, um auf weitere Unterstützung zu warten. Bis gestern Abend bewahrheitete sich diese Meldung allerdings nicht. Stattdessen erreichten knapp zwei Stunden, nachdem der Einzug der Islamisten in die Stadt vermeldet wurde, Kämpferinnen und Kämpfer der YPG (Volksverteidigungseinheiten) aus Rojava (Nordsyrien) die Region Şengal, um gegen die Islamisten zu kämpfen. Die Kämpfe zwischen beiden Gruppen konzentrieren sich seither im Norden von Sengal auf den Ort Sinunê.

Neben Sengal sind auch an der irakischen Grenze zu Rojava/Nordsyrien im Ort Rabia Auseinandersetzungen zwischen der YPG und IS ausgebrochen. Auch dort zogen sich zunächst die unter der Kontrolle der südkurdischen KDP stehende Peshmergakräfte vor den Gefechten mit den Islamisten zurück. Rund 700 von ihnen verließen ihre Stellungen und flohen über den Grenzübergang Til Koçer (Al Yarubia) nach Rojava. Später erreichten uns allerdings Meldungen, dass Teile der Peshmergakräfte an der Seite der YPG den Kampf gegen die Islamisten aufgenommen haben."

Die Abgeordnete der Linkspartei Ulla Jelpke, die sich zur Zeit in der Region befindet, erklärte dazu: "Nach dem Zusammenbruch der kurdischen Verteidigungsstellungen in Şengal blieb die Zivilbevölkerung den Gotteskriegern schutzlos ausgeliefert. Den seit Sonntag auch im Nordirak kämpfenden YPG gehört meine volle Solidarität, denn sie verteidigen das Überleben aller religiösen und ethnischen Minderheiten der Region."

Nachdem schon einige Demonstrationen in Deutschland stattgefunden haben, sind noch folgende Termine bekannt:

Mittwoch, 6. August:

  • Saarbrücken, 18.00 Uhr, Europagalerie
  • Berlin, 17.00 Uhr, Pariser Platz/Brandenburger Tor
  • Basel, 18.00 Uhr, Claramatte

 Samstag, 9. August:

  • Hamburg, 15.00 Uhr, Hbf. (Hachmann)
  • Bielefeld, 14.00 Uhr, Hbf. (Zentraldemo der Föderation der Êzîdîschen Vereine e.V.)