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USA: Die Wirtschaft wächst - die Armut noch mehr

USA: Die Wirtschaft wächst - die Armut noch mehr
Straßenhändler in Manhattan (rf-foto)

14.08.14 - Das US-Wirtschaftsministerium meldete kürzlich in seinem Dreimonatsbericht, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA im fünften Quartal hintereinander wächst - im ersten Quartal 2014 betrug sein Anstieg 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser deutlichen Anzeichen für ein Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise nehmen Armut und Not unter der Bevölkerung der größten Wirtschaftsmacht der Welt weiter zu. Nach einem Bericht der Federal Reserve (FED), der amerikanischen Notenbank, geht es heute mehr als einem Drittel der Amerikaner erheblich schlechter als im Jahr 2008 und einem weiteren Drittel genauso schlecht wie damals.

Vollmundig hatte Präsident Obama bei seiner Wiederwahl 2012 verkündet, "allen Amerikanern ein Leben in Würde zu ermöglichen". Was ist daraus geworden? Heute haben 45 Prozent der US-Amerikaner am Ende des Monats keinen einzigen Dollar übrig. Nur 48 Prozent der Amerikaner können im Notfall kurzfristig 400 Dollar aufbringen. Mehr als jeder dritte US-Bürger gilt heute offiziell als arm, kann sich keine Arztbesuche oder Medikamente leisten. Seit 2007 sinken die Reallöhne - bis Mitte 2011 um 6,2 Prozent, bis heute noch einmal um etwa 4 Prozent.

Mit der 2009 eingeleiteten "Sanierung der Autoindustrie" wurden zum Beispiel Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet, die Löhne massiv gesenkt, Rentenansprüche gestrichen. Allein bei General Motors wurden elf Fabriken geschlossen, drei weitere vorübergehend stillgelegt. In den verbliebenen Werken werden zahlreiche Arbeiten an externe Vertragsfirmen vergeben, die im Durchschnitt 10 Dollar (ca. 7,70 Euro) ohne Zuschläge bezahlen. Mit der wirtschaftlichen Belebung hat sich das nicht geändert. Mit der damit verbundenen Fusions- und Übernahmewelle wird die Ausbeutung noch verschärft und weiter massiv Arbeitsplätze vernichtet.

Nach einem Bericht von "CNNMoney" haben in den USA inzwischen 70 Millionen Menschen - rund 22 Prozent der Bevölkerung - wegen der grassierenden Armut Anspruch auf die sogenannten "Food-Stamps" (Lebensmittelmarken). Dennoch nutzen nahezu 30 Millionen diese Gelegenheit kaum, weil sie sich schämen. Fast jede zweite Familie ist überschuldet. Nach Angaben der FED hat sich die mittlere Verschuldung privater US-Haushalte auf 75.600 Dollar erhöht. Insgesamt sind 2,5 Billionen Dollar Konsumkredite aufgelaufen. Drei Viertel der von der FED Befragten glauben nicht, dass sie in absehbarer Zeit mehr verdienen werden, ein Drittel hat keinerlei Rentenansprüche mehr. Und die Inflation steigt ununterbrochen aufgrund der Politik des "billigen Geldes" für Banken und Unternehmen durch die US-Regierung.

Dagegen werden die Reichen immer reicher. Die 400 reichsten US-Amerikaner besitzen ein Privatvermögen von über 1.200 Milliarden US-Dollar. Das reichste Prozent des Landes besitzt etwa 37 Prozent des gesamten Vermögens des Landes. Die Vorstandsvorsitzenden der 500 größten Betriebe in den USA erhalten jährlich im Durchschnitt mehr als 13 Millionen US-Dollar. Die großen Bank- und Monopolherren sitzen auf rund 2 Billionen US-Dollar an Kapital. Dass diese Schmarotzer-Schicht ihr Vermögen so vergrößern konnte, ist vor allem eine Folge der sprunghaft gestiegenen Ausbeutung der Arbeiter und Angestellten in den USA. Aber auch der Billionen-Geldspritzen durch die Obama-Regierung, für die früher oder später ebenfalls die Massen zur Kasse gebeten werden.

Gleichzeitig gibt die Belebung der Wirtschaft Spielraum für Dämpfungsmaßnahmen. So versprach Präsident Obama Anfang des Jahres unbürokratische Bildungsinitiativen in sozialen Brennpunkten, mehr Vorschulprogramme zum Beispiel oder Kooperationen mit Unternehmen bei der Förderung naturwissenschaftlicher Fächer. Das kann aber kaum darüber hinwegtäuschen, dass sich die Klassengegensätze in den USA in den letzten sieben Jahren enorm verschärft haben– die Herrschenden sitzen auch dort auf einem sozialen Pulverfass!