Politik

Antikommunistischer Gedenktag am 23. August entwickelt sich zum Rohrkrepierer

Antikommunistischer Gedenktag am 23. August entwickelt sich zum Rohrkrepierer

24.08.14 - Gestern vor 75 Jahren, am 23. August 1939, unterzeichneten der damalige sowjetische Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Wjatscheslaw Molotow, und der Außenminister des faschistischen Deutschland, Joachim von Ribbentrop, in Moskau einen auf zehn Jahre befristeten deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 brach Hitlerdeutschland die Vereinbarung.

Im Jahr 2009 verabschiedete das Europäische Parlament eine Entschließung, den 23. August europaweit zum "Gedenktag für die Opfer totalitärer Regime" zu erklären. Zu den Initiatoren dieses schamlosen Dokuments gehörten der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und der 2011 verstorbene ehemalige Präsident der Tschechischen Republik, Václav Havel. Die Verbrechen des Hitlerfaschismus und die Politik der Sowjetunion, die die Völker Europas befreite, gleichzusetzen, stieß und stößt weltweit auf eine solche Kritik, dass der Gedenktag ein Rohrkrepierer geworden ist. Bedauerlicherweise, so die Bundeszentrale für politische Bildung, ein Hort des Antikommunismus, gäbe es auch 2014 kaum Aktivitäten dazu.

In den zahlreichen antikommunistischen Artikeln der bürgerlichen Presse anlässlich des Jahrestags ist dieser Vertrag nicht weniger als ein "Teufelspakt". Skrupellos habe Stalin die Auslösung des 2. Weltkriegs durch Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939 in Kauf genommen.

Richtig sei, behauptet z.B. ein Historiker namens Stefan Proebst in der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, Stalin habe außenpolitisch eine "Schaukelpolitik betrieben zwischen den Westmächten und dem Dritten Reich". Das unsägliche Gebräu aus Lügen und Halbwahrheiten soll am Ende den Eindruck erwecken, eigentlich sei Stalin schuld am Beginn des 2. Weltkriegs.

Tatsächlich hatte die Sowjetunion sich 1939, als Deutschland, Italien und Japan den imperialistischen Weltkrieg bereits vom Zaun gebrochen hatten, intensiv um ein strategisches Verteidigungsbündnis mit Großbritannien und Frankreich gegen das aggressive faschistische Deutschland bemüht. Doch diese Mächte arbeiteten weiter auf einen Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion hin. "Erst nach dem Scheitern dieser Verhandlungen" (mit Frankreich und Großbritannien; d. Verf.) ging die Sowjetunion auf das deutsche Angebot eines Nichtangriffspakts mit Deutschland ein. … (Es) bleibt die entscheidende geschichtliche Wahrheit: Der Vertrag sicherte der Sowjetunion und ihrer Bevölkerung fast zwei Jahre Frieden … ." (Broschüre: Unvergängliche Erfolge des sozialstischen Aufbau) Die Sowjetunion konnte ihrer Verpflichtung als sozialistisches Land nachkommen, sich auf ihre Verteidigung vorzubereiten und der Menschheit damit den allergrößten Dienst zu erweisen. Es war kein Teufelspakt, aber ein Pakt mit dem  Teufel "Hitler". Er wurde der sowjetischen Regierung um Josef Stalin von den Westmächten aufgezwungen. Er erwies sich dann aber als ein Grundstein für den späteren Sieg über Hitler.

Emil Ludwig, ein 1881 in Breslau geborener bürgerlicher Schriftsteller jüdischer Herkunft – er machte sich vor allem mit Romanbiographien einen Namen – analysierte die Vorkriegspolitik der imperialistischen Länder und schlussfolgerte: "Der Vorteil aber, den der Pakt mit Stalin der ganzen Welt brachte, ist von Hitler später formuliert worden. Am 23. Juni 1941 erklärte er, daß es Stalin gewesen wäre, der den deutschen Angriff gegen England im Oktober 1940 unmöglich machte … . Er hätte England im Westen nicht angreifen können mit einem bewaffneten Russland im Rücken" (Emil Ludwig, "Stalin", S. 182 f).

In "So war’s damals", dem "Tatsachenbericht eines Solinger Arbeiters 1926-1948" beschreibt Willi Dickhut, Vordenker und Mitbegründer der MLPD, dass der Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrags im August 1939 damals ungeheures Aufsehen in der Bevölkerung und große Verwirrung in der Arbeiterklasse hervorrief. "Jetzt begann für unsere illegale Organisation eine schwierige Situation. Wie können wir unseren Genossen, Sympathisanten und klassenbewussten Arbeitern das erklären? … Wir waren auf uns allein angewiesen. Wir gingen an die Frage des Nichtangriffspaktes klassenmäßig heran." (So war’s damals, S. 262f). Willi Dickhut und seine Genossen erarbeiteten überzeugendes Agitationsmaterial, das später in "Proletarischer Widerstand gegen Faschismus und Krieg" gesammelt veröffentlicht wurde. Dort wurde u.a. analysiert, dass die Sowjetunion in ihrer offensiven Außenpolitik unbedingt verhindern musste, dass die kapitalistischen Länder eine Einheitsfront gegen das sozialistische Land bildeten. Ohne diesen Nichtangriffspakt hätte die Sowjetunion sofort die Hauptlast des Kriegs aufgebürdet bekommen, ohne die Zersplitterung und Schwächung der deutschen Kräfte über ganz Europa (Band 2, Seite 380).

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag enthielt ein Zusatzprotokoll, in dem festgehalten wurde, dass die Interessensphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt werden. Als die Hitlerarmee nach ihrem Überfall auf Polen diese Linie auf breiter Front weit überschritt, besetzten sowjetische Truppen die ehemals russischen Gebiete in Weißrussland und der Westukraine. So schützten sie die Bevölkerung in Ostpolen darunter viele Juden vor den faschistischen Operationen und verhinderten ein Vorrücken der Faschisten bis an die sowjetische Grenze. England als vertragliche Schutzmacht Polens ließ die Polen im Stich und Hitler gewähren.