Umwelt

Neue Nachrichten aus AKWs höchst beunruhigend

Neue Nachrichten aus AKWs höchst beunruhigend
AKW Cattenom. Foto: Occupy Saarland

23.08.14 - In ihrem Programm für den Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe fordert die MLPD die weltweite Stilllegung aller Atomkraftanlagen, ein internationales Verbot der sogenannten „friedlichen“ Nutzung der Atomenergie und höchste Sicherheitsstandards bei Lagerstätten des Atommülls ("Katastrophenalarm!", Seite 279). Wie dringlich diese Forderungen sind, untermauern nicht nur die ungebremst katastrophalen Wirkungen der Reaktorkatastrophe von Fukushima.

Am vergangenen Mittwoch teilte das Energieministerium Schleswig-Holstein mit, dass bei Inspektionen des AKW Brunsbüttel weitere stark korrodierte Fässer mit radioaktiven Abfällen gefunden worden sind. Aufgrund der starken Beschädigungen ist radioaktives Material "in breiiger Form" ausgetreten. Der Betreiber ist: Vattenfall. Der Konzern fordert zusammen mit  E.on, RWE und EnBW eine staatliche "Atomstiftung". Auf sie wollen sie nach einer Einmalzahlung von 36 Milliarden Euro die Verantwortung für Rückbau von Atomkraftwerken und "Entsorgung" des Atommülls abstoßen. Tatsächlich würde diese Summe nicht einmal einen Bruchteil der Kosten decken, von den irreversiblen Schäden und dem ungelösten Problem der Lagerung des Atommülls ganz abgesehen. In den letzten 60 Jahren hat die deutsche Atomindustrie 204 Milliarden Euro staatliche Subventionen bekommen! Sprudelnde Profite bei höchster Gefährdung der Menschen, anschließend die Stilllegung der maroden Meiler vom Steuerzahler finanzieren lassen und dann mit weiteren staatlichen Subventionen neue bauen - das ist die durch und durch verantwortungslose Logik der Energiemonopole.

Im französischen Atomkraftwerk Cattenom, auch 'Pannenreaktor' genannt, wurde bereits am 8. August 2014 ein neuer Störfall bekannt. Nach Angaben des Betreibers Électricité de France (EDF) wurden bei einer Kontrolle der Blöcke 1 und 2 lockere Schrauben an Ölleitungen von Pumpen gefunden. Bei einem Unfall werden diese gebraucht, um die Hitze im Reaktorinneren mit dem Kühlsystem zu verbinden. Der aktuelle Störfall wird nur mit der niedrigsten Gefahrenstufe bewertet. Das nützt jedoch wenig, wenn die ausgefallenen Funktionen bei einem ernsten Unfall eine wichtige Rolle spielen sollten.

Tausende feiner Haarrisse in den Reaktordruckbehältern machten 2012 und 2014 die Abschaltung mehrerer Blöcke der belgischen Atomkraftwerke Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich erforderlich. Die Aufsichtsbehörde FANC hatte diese Risse schon öfters kritisiert. Möglicherweise existieren sie bereits seit 1979. Mit modernen Ultraschall-Testgeräten haben Experten jetzt das ganze Ausmaß des Schadens aufgedeckt. Aktuelle Untersuchungsergebnisse des Forschungszentrums Mol vom August 2014 offenbaren so gravierende Probleme, dass ein Weiterbetrieb der betroffenen Reaktoren ausgeschlossen wird. Erst vor kurzem hatten sogenannte Stresstests an den belgischen Meilern dazu geführt, dass die EU-Kommission ihnen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt hatte.

Nach einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" bestehen mindestens 22 Kessel in anderen europäischen Atomkraftwerken aus dem gleichen Material – in Deutschland, in den Niederlanden, der Schweiz, Schweden und Spanien. Bisher gibt es keine Meldungen darüber, dass auch diese Reaktoren vom Netz genommen wurden.

Stand 2014 sind weltweit 557 weitere AKW geplant. Das sind mehr, als gegenwärtig in Betrieb sind. Die notwendige Strategiedebatte wird sich auch damit befassen, wie die Umweltbewegung so erstarkt, dass sie diese Neubauten verhindern und die Stilllegung aller Atomanlagen weltweit auf Kosten der Betreiber durchsetzen kann.

Das Kampfprogramm der MLPD "Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft!" kann als Faltblatt beim Zentralkomitee der MLPD bestellt werden.