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Armut in deutschen Großstädten ist höher als bisher bekannt

Armut in deutschen Großstädten ist höher als bisher bekannt

Flyer zur Herbstdemo gegen die Regierung

26.08.14 - Die  Armut wächst in Großstädten schneller und ist größer als bisher von der bürgerlichen Statistik angenommen. Am ärmsten sind demnach die Menschen in Köln. Mehr als jeder vierte Kölner - 26 Prozent -  ist arm. Damit hält Köln den Negativrekord in Deutschland. Zum ersten Mal haben Statistiker des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Einkommen in Beziehung gesetzt zu regionalen Preisen und Lebenshaltungskosten. Diese liegen z.B. in Köln um 10 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die relativ hohen Wohnkosten sind ein Grund, aber nicht der einzige. Während im Bundesdurchschnitt ein Single ab einem Monatseinkommen von 870 Euro als arm gilt, ist die Armutsschwelle in Köln bei 960 Euro.

Unter den 15 ärmsten Städten sind acht in Nordrhein-Westfalen. Aber auch Teile Berlins, Leipzig, Bremerhaven, Rostock. Vor allem in den Ruhrgebietsstädten Duisburg, Gelsenkirchen und Dortmund ist die Armut in den letzten Jahren stark gestiegen. Für die Statistiker des IW ist "dieses Ergebnis überraschend": Denn die Wirtschaftskraft von Köln z.B. ist mit 45.000 Euro je Einwohner überdurchschnittlich hoch, und es gibt offiziell "nur" 10 Prozent Arbeitslose. Tatsächlich sind die 45.000 Euro ein Durchschnittswert über den keine Arbeiterin und kein Arbeiter verfügt. Obwohl sie es sind, die in Wechselwirkung mit der Natur diese Werte schaffen.

Unter den Armen gibt es allerdings bestimmte Gruppen, die besonders stark betroffen sind: Arm sind

  • die Hälfte aller Haushalte, in denen mindestens ein offiziell Arbeitsloser lebt;
  • ein Drittel aller Alleinerziehenden und
  • ein Viertel der Migranten.

Im Vergleich zu ländlichen Gegenden ist die Armut in den Großstädten höher und steigt schneller. Das gilt aber nicht für jeden. Denn die Studie vergisst darauf hinzuweisen, dass die Kaufkraft der Millionäre in diesen Städten jährlich um 10 Prozent steigt.

"Fast immer habe Armut etwas mit Arbeitslosigkeit zu tun", meint das IW. Das stimmt und trifft besonders die Jugend. So werden Personen, die in jungen Jahren besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind, auch im späteren Erwerbsverlauf häufiger arbeitslos. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Dieselbe Studie ermittelte, dass inzwischen bereits 55 Prozent aller Erwerbstätigen in den ersten 8 Jahren ihres Berufslebens mindestens einmal arbeitslos werden. Schon zehn Prozent der Einsteiger ins Erwerbsleben sind alleine in den ersten acht Erwerbsjahren schon mehr als 20 Monate arbeitslos. Diese Gruppe ist dann in den folgenden 16 Jahren im Durchschnitt fast viermal und dabei insgesamt mehr als 30 Monate ohne Arbeit.

All das sind gute Gründe, um in den anstehenden Lohntarifrunden selbstbewusst hohe Forderungen aufzustellen und durchzukämpfen. Und ein Gesellschaftssystem grundsätzlich infrage zu stellen, das fortgesetzt Armut bei immer mehr Menschen und immer unverschämterem Reichtum bei einer kleinen Minderheit wachsen lässt. Eine gute Gelegenheit gegen die wachsende Armut aktiv zu werden ist die bundesweite Herbstdemonstration der Montagsdemo-Bewegung gegen die Regierung am 13. September in Berlin.

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