Betrieb und Gewerkschaft

Pilotenstreik: Höchstprofit statt höchster Sicherheit?

Pilotenstreik: Höchstprofit statt höchster Sicherheit?
foto: andrew w. sieber

05.09.14 - Seit heute 13.30 Uhr fallen Flüge bei der Lufthansa aus: Insgesamt sollen es 200 Flüge mit 25.000 Passagieren werden. Die Pilotenvereinigung Cockpit vertritt 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Sie haben gegenwärtig einen Tarifvertrag, der vorsieht, dass Pilotinnen- und Piloten mit 55 Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen sollen. Eine sehr sinnvolle Grenze. Wer will schon geflogen werden von jemand, der nicht mehr körperlich und geistig topfit ist?

Cockpit schreibt: "Der Tarifvertrag zur Übergangsversorgung existiert schon seit Jahrzehnten und wurde mehrfach (z.B. 2000 und 2010) geändert und ergänzt. Ende 2013 wurde er von Lufthansa gekündigt. Damit ist er für das Bestandspersonal in der sogenannten Nachwirkung. Neu einzustellende Kollegen fallen jedoch dann nicht mehr unter den Tarifvertrag Übergangsversorgung. Nun hat das Management der Lufthansa jedoch, mit einer aus Sicht der VC rechtlich nicht haltbaren Begründung, die Nachwirkung des Tarifvertrages in Abrede gestellt."

Profite maximieren auch auf Kosten der Sicherheit - das ist das Ziel der Geschäftsleitung. Das allerdings verschweigen viele Medien gern. Bereits im April hatten die Piloten die Arbeit für drei Tage niedergelegt - insgesamt 425.000 Lufthansa-Passagiere waren betroffen. Wegen des größten Streiks in ihrer Geschichte strich die Airline damals 3.800 Flüge. Die Gewinneinbußen für den Frankfurter Konzern beliefen sich auf 60 Millionen Euro. Auch vor einer Woche hatte die Gewerkschaft die Maschinen der Lufthansa-Tochter Germanwings mit einem Streik für sechs Stunden weitgehend am Boden gehalten. In vielen Medien wird gegen Cockpit gehetzt, es ginge ihr nur darum "ihre Macht zu demonstrieren" (Spiegel Online).

In einigen Medien wird wahrheitswidrig behauptet, jeder könne mit 55 Jahren in Rente gehen. Tatsächlich so schreibt Cockpit, wurde der Tarifvertrag in den letzten Jahren schon mehrfach geändert. "Während es früher möglich war ohne Beschränkungen mit 55 Jahren aufzuhören, muss inzwischen ein Durchschnittsalter (bezogen auf die ausscheidenden Piloten) von 58 Jahren über die letzten fünf Jahre erreicht sein, damit man aufhören darf. Ansonsten wird man im Unternehmen 'gehalten', um den Schnitt zu erreichen. Aktuell lag das Durchschnittsalter im vergangenen Jahr aber sowieso schon bei über 59 Jahren und das, obwohl bis 2012 ein Fliegen über das 60. Lebensjahr nicht möglich war."

Für Samstag kündigten die Lokführer der GDL weitere Streiks im Rahmen ihrer Tarifauseinandersetzung an. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn, die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden sowie bessere Schichtpläne.

Die Lufthansa begründet ihre Maßnahmen mit dem Konkurrenzdruck anderer Airlines. Aber bei Bahn, im Flugbereich und anderen Massenpersonenbeförderung müssen höchste Sicherheitsstandards gelten. Statt das Rentenalter nach oben anzupassen, muss es dann eben bei anderen Airlines gesenkt werden. Die MLPD unterstützt die Beschäftigten gerade auch bei Bahn- und Flugverkehr bei der Verteidigung und Verbesserung ihrer Rechte. Sie tritt darüber hinaus für eine allgemeine Senkung des Rentenalters auf 60 Jahre für Männer und 55 Jahre für Frauen ein - bei vollem Rentenausgleich!