Politik

Elfte bundesweite Montagsdemo in Berlin – selbstbewusst und lebendig seit zehn Jahren gegen die Regierung

Elfte bundesweite Montagsdemo in Berlin – selbstbewusst und lebendig seit zehn Jahren gegen die Regierung

13.09.14 - Heute fand in Berlin die 11. Herbstdemonstration der bundesweiten Montagsdemo-Bewegung statt. Der ganze Tag drückte einen großen Optimismus, ein gewachsenes Selbstbewusstsein der Bewegung aus und entwickelte eine große Ausstrahlungskraft. Auf der Auftaktkundgebung haben Montagsdemonstrationen aus zahlreichen Städten mit Stolz und Zuversicht über den zehnjährigen Kampf der Montagsdemonstrationen gesprochen. Danach startete die kämpferische Demonstration mit vielen selbst gemalten Transparenten, toller Musik und offenem Mikrofon. Es zeigte sich an neuen Forderungen, Argumenten und Sprechchören, wie lebendig und aktuell sich die Montagsdemonstrationen weiterentwickelt haben.

Während des Demonstrationszugs durch den Prenzlauer Berg hörten viele Passanten aufmerksam zu, etliche kamen ins Gespräch mit den Verteilern der Flyer. Zuschauer am Fenster klatschten Beifall für einen Redebeitrag zur Solidarität mit Palästina und Kurdistan. Einige gingen auch ein Stück den Demonstrationsweg mit.

Auf besonderes Interesse stießen auch verschiedene Arbeiterdelegationen aus Betrieben. Unter anderem eine Gruppe von Stahlarbeitern aus Duisburg, die in voller Montur teilnahmen. Ihr Anliegen war besonders: "Es kann nicht angehen, dass jede Belegschaft nur für sich kämpft." Die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich müsse durchgesetzt werden, gegen Leistungsverdichtung und Lohnraub. Insgesamt spielten Forderungen gegen Niedriglöhnen, Leiharbeit und Werksverträge eine große Rolle.

Schilder und Transparente waren zu sehen von Delegationen der Montagsdemos aus Ost und West von Rügen bis Augsburg, von Saarbrücken bis Dresden. Es nahmen rund 1.000 Teilnehmer an der Demonstration teil, so viele wie im letzten Jahr. Tausende weitere Zuhörer wurden mit den Kundgebungen auf dem Alexanderplatz erreicht, der durch das schöne Wetter gut besucht war.

Es war das Jubiläum von zehn Jahren Montagsdemos gegen die Hartz-Gesetze und 25 Jahren Beginn der Montagsdemos gegen das bürokratisch-kapitalistische Honecker-Regime in der ehemaligen DDR. In dem Sinne wurde auch eine Schweigeminute für den verstorbenen Pfarrer Christian Führer von der Leipziger Nicolaikirche abgehalten, der in den ganzen Jahren die Montagsdemonstrationen unterstützt hat.

"Wir werden nicht verschwinden – verschwinden wird Hartz IV", sang Jane Zahn zu Beginn der Schlusskundgebung auf dem Alexanderplatz, bei der auch auch weitere Musikgruppen wie "Gehörwäsche" und "Nümmes" auftraten.

Brigitte Gebauer, Brigitte Ziegler und Martina Stalleicken vom Frauenverband Courage luden bei der Abschlusskundgebung zum Aufstieg auf die höchsten Gipfel der Welt ein, zum Weltfrauentreffen der Basisfrauen 2016 in Nepal. Lisa Gärtner überbrachte Grüße vom Jugendverband REBELL: "Wer hat etwas bewegt in Rojava, in Nordafrika, auf dem Taksim-Platz? Es waren besonders die Jugendlichen. In einer Reihe mit diesen Jugendlichen stehen wir." Selda Sarici, Vertreterin der ATIF, verurteilte die Massaker an den Yeziden im Irak und unterstützte den Widerstand der kurdischen Kämpfer in Rojava!

Monika Gärtner-Engel, stellvertretende Vorsitzende der MLPD, überbrachte herzliche Glückwünsche zu zehn Jahren bundesweite Montagsdemo. Sie betonte den großen Lernprozess und eine erhebende Erfahrung der Solidarität: "Die MLPD wird von Freund und Feind als tragende Kraft der Montagsdemo-Bewegung angesehen. Das ehrt uns. In dieser Gemeinsamkeit entsteht das Fundament für große gemeinsame Kämpfe in der Zukunft. Spätestens seit Fukushima sind die Montagsdemos auch das ökologische Gewissen. Wir haben das Buch 'Katastrophenalarm!' beigetragen, damit wir nicht immer nur gegen etwas kämpfen, sondern für eine grundsätzliche Lösung, für den echten Sozialismus. In den letzten Monaten sind die Montagsdemos auch zum friedenspolitischen und internationalistischen Gewissen der Republik geworden."

Das Potenzial der Montagsdemonstrationen zeige sich daran, dass diese bei gesellschaftlichen Auseinandersetzungen immer mehr zu einem Anlaufpunkt werden. "Hier wächst eine Bewegung heran, die in Zukunft für die Masse der Bevölkerung wichtig sein wird."

Es sprach im weiteren auch ein Vertreter der Betriebsratsinitiative "Offensiv" bei Opel Bochum, eine Aktivistin von der Initiative für die Umweltgewerkschaft, sowie ein Vertreter des palästinensischen Widerstands. Fred Schirrmacher beendete als Vertreter der bundesweite Koordinierungsgruppe mit Stolz die Kundgebung: "Wir laden euch heute schon ein und freuen uns auf die 12. bundesweite Montagsdemonstration in Berlin!"