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Zehntausende auf dem 22. Kurdistan-Festival in Düsseldorf

Zehntausende auf dem 22. Kurdistan-Festival in Düsseldorf

14.09.14 - Bei herrlichem Spätsommerwetter boten die Düsseldorfer Rheinwiesen einen wunderbaren Schauplatz für das 22. europaweite Festival der im Exil lebenden Kurden. Busse aus Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, Österreich und Serbien sowie natürlich aus ganz Deutschland brachten die mindestens 30.000 Menschen zusammen. Nach dem Massaker der islamistisch-faschistischen IS in Sengal (Sindschar) an den jesidischen Kurden standen Bestürzung und Trauer sowie die Forderung nach einer autonomen Provinz für diese Minderheit im Irak besonders im Focus. Deutlich mehr jesidische Kurden waren anwesend. Ein liebevoll dekoriertes Zelt war dem Gedenken an die Opfer der Massaker und der Märtyrer des Befreiungskampfes gewidmet.

Zugleich keimt Hoffnung. Mehr als in den Vorjahren sah man die Symbole der Organisationen der syrischen Kurden (PYD, YPG, YPJ), die den dortigen Bürgerkrieg zur Errichtung demokratisch selbstverwalteter Gebiete in Rojava erfolgreich nutzen konnten.

Stolz prägte auch die Tausende Teilnehmer, die das Porträt Abdullah Öcalans, Symbole der in Deutschland verbotenen PKK, Kampfanzüge der Guerilla oder traditionelle Trachten und Pluderhosen trugen. Die Festival-Losung "Freiheit für Abdullah Öcalan", den seit 1999 in der Türkei inhaftierten Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans, einte zweifellos alle Teilnehmer. Über die Zukunft des Befreiungskampfs findet hingegen eine offene Auseinandersetzung statt.

In einem eigens für das Festival erstellten Flyer forderte die MLPD Waffenlieferungen an die Kräfte von PKK und PYD, um die demokratischen, antifaschistischen und revolutionären Kräfte in der Region gegen islamistischen Faschismus und imperialistische Einflussnahme zu stärken. 2.500 Exemplare wurden verteilt.

Verschiedene kurdische Verbände und Organisationen stellten die unbedingt notwendige humanitäre Hilfe in Rojava/Kobane (Syrien) und Sengal (Irak) ins Zentrum. Die Forderung nach einem "Status für Kurdistan" - so der zweite Teil der Festival-Losung - lässt jedoch völlig offen, was für ein Status das sein soll. So entfalteten sich unter anderem am Informationsstand der MLPD zahlreiche Diskussionen: über Islam und islamistischen Faschismus, über den bewaffneten Befreiungskampf, die sozialistische Perspektive, das Verhältnis zwischen MLPD und der Partei "Die Linke" in Deutschland, die Klassiker des Marxismus-Leninismus, die palästinensische Frage und einiges mehr.

Auf der Bühne wechselten sich Reden kurdischer Repräsentanten in Deutschland, kurdische Bands und Folkloregruppen und Filmeinspielungen aus den kurdischen Gebieten ab. Als einziger deutschsprachiger politischer Redner erhielt Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter von "Die Linke", das Wort. Er teilte die kurdischen Forderungen nach Aufhebung des PKK-Verbots bzw. Entfernung von der Terrorliste und verurteilte die Verbrechen des IS. In Bezug auf die Lage in Syrien und dem Irak ging er jedoch nicht über die Forderung nach humanitärer Hilfe hinaus. Umso unverständlicher blieb zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass eine Ansprache der MLPD nicht wie in den Vorjahren möglich wurde.