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Israelische Reservisten verweigern Spionagedienst zur Vorbereitung "gezielter Tötungen"

15.09.14 - "Wir können nicht mit gutem Gewissen weiterhin in diesem System dienen und die Rechte von Millionen Menschen verletzen", das schrieben 43 Reservisten der "Elite-Einheit 8200" der israelischen Armee in einem offenen Brief an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Es sind einfache Soldaten bis hin zu Offizieren, die in dem Brief die israelische Kriegsführung gegen die Palästinenser kritisieren. So eine offene Verweigerung hat es über ein Jahrzehnt in der israelischen Armee nicht mehr gegeben. Allen Beteiligten war von vorne herein bewusst, dass sie mit heftigen Gegenreaktionen zu rechnen haben, z.B. bis in die Familien hinein als "Verräter" beschimpft zu werden. Ein Armee-Kommandeur drohte bereits: "Ich würde sie alle vor Gericht stellen und Gefängnis fordern."

Trotz solch absehbarer Folgen rufen sie "alle Soldaten der Spionageabwehr, jetzt und in Zukunft, und auch die israelischen Zivilisten dazu auf, gegen diese Ungerechtigkeiten aufzubegehren und sie zu einem Ende zu bringen". Sie bestätigen mit ihrem offenen Brief auch lange gehegte Vermutungen über die systematische Ausspionierung des Aufenthalts von palästinensischen Widerstandskämpfer als für deren gezielte Liquidierung z.B. durch Drohnenangriffe. Einer hatte z.B. Informationen weitergeleitet, worauf der sofortige Angriff erfolgte und umgehend eine "verdächtige Person" - es war ein palästinensisches Kind - getötet wurde.

Die Reservisten prangern die menschenverachtende Einstellung der Militärs an: "Wenn wir getroffen hatten, füllten Applaus und Freudenjubel den Raum." Ob unbeteiligte Zivilisten getroffen wurden, hat niemanden interessiert. Einer von ihnen deckte bei Recherchen zu einer sogenannten "gezielten Tötung" auf, dass dabei eine ganze unbeteiligte Familie ausgelöscht wurde. Sie berichten von Erpressungen für die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst. Ein Soldat: "Hier geht es nicht um die Selbstverteidigung des israelischen Staates, hier geht es darum, ein anderes Volk so effektiv wie möglich zu unterdrücken." (Der gesamte Text des offenen Briefs in englischer Sprache auf der Website des britischen "Guardian")

Die mutige Aktion der israelischen "Whistleblower" verdient fraglos Anerkennung. Sie wird dazu beitragen, die Wirkung der psychologischen Kriegsführung des israelischen Regimes weiter zu unterhöhlen und bei mehr und mehr Menschen Zweifel in die Rechtfertigungslinien der Regierung nähren. Die Entfaltung des gemeinsamen Widerstands von Palästinensern, arabischen und jüdischen Israelis gegen die israelische Kriegs- und Besatzungspolitik ist unabdingbare Voraussetzung für die Erkämpfung eines unabhängigen palästinensischen Staates - als Übergangslösung für ein gemeinsames demokratisches Palästina, in dem das israelische und palästinensische Volk im gegenseitigen Respekt und Vertrauen ohne Diskriminierung und Unterdrückung zusammenleben werden.